Bilanz des Oldtimer-Jahres 2015: Autoversteigerer in Partylaune

Bilanz des Oldtimer-Jahres 2015: Autoversteigerer in Partylaune

, aktualisiert 05. Januar 2016, 15:23 Uhr
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Unter den zehn teuersten Klassikern, die 2015 für insgesamt 140 Millionen Euro bei Auktionen den Besitzer wechselten, waren allein sechs Ferrari.

von Hans-Robert RicharzQuelle:Handelsblatt Online

Die Klage, so sagt ein geflügeltes Wort, sei des Kaufmanns Gruß. Für Versteigerer klassischer Fahrzeuge kann diese Regel nicht angewendet werden. Sie dürften zurzeit aus dem Feiern überhaupt nicht mehr herauskommen.

Die Bezeichnung „RM Group of Companies“ dürfte bislang nur Fachleuten etwas sagen. Aber hinter dem Begriff steckt der likrative Zusammenschluss der beiden wichtigsten Auktionshäuser der Welt für automobile Raritäten: Auction America und Sotheby's. Unter dem Zuschlagshammer der Unternehmen landen häufig Traumkarossen amerikanischer, britischer, deutscher oder italienischer Herkunft, deren Wert sich regelmäßig im siebenstelligen Bereich bewegt. Der Jahresumsatz der RM Group mit automobilen Spezialitäten belief sich 2015 auf mehr als eine halbe Milliarde, nämlich genau auf 541 Millionen Euro.

Für Rob Myers, Präsident und Gründer der RM-Gruppe, der keine weiteren Ergebniszahlen nennen möchte, ist die Summe ein Beweis für „einen gesunden Markt für Produkte mit höchster Qualität.“ Sotheby's allein war 2015 für einen Umsatz mit Liebhaber-Karossen von 480 Millionen Euro verantwortlich.

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Bei zehn Auktionen in vier Ländern kamen 784 Fahrzeuge erfolgreich unter den Hammer. Für 113 dieser Autos wurden jeweils mehr als 4,5 Millionen Euro gezahlt, sechs erzielten Auktionssummen von mehr als zehn Millionen.

Auf den ersten fünf Plätzen der Erfolgsskala lagen bei Sotheby's:
• ein Ferrari 290 MM von 1956 mit 25,6 Millionen Euro
• ein Ferrari 250 LM von 1964 mit 16 Millionen Euro
• ein Aston Martin DB4GT Zagato von 1962 mit 13 Millionen Euro
• ein McLaren F1 "LM-Specification" von 1998 mit 12,5 Millionen Euro, und mit gleichem Ergebnis jeweils
• ein Ferrari 250 GT Berlinetta Competizione "Tour de France" von 1956 und
• ein Jaguar C-Type Works Lightweight von 1953 mit zwölf Millionen Euro.

Die erfolgreichste Veranstaltung erlebte Sotheby's im kalifornischen Monterey anlässlich des berühmten Pebble Beach Concours d’Elegance im Sommer, einer Pflichtveranstaltung für wohlhabende Oldtimer-Fans aus aller Welt. Andere Highlights waren Auktionen in Arizona, Paris, Amelia Island, Hershey und New York. Ebenfalls herausragend die Versteigerung der Oldtimer-Sammlung von Paul and Chris Andrews im Mai in Texas, die 50 Millionen Euro einspielte.

Dass die Marke Ferrari gleich mit sechs Exemplaren unter den zehn ertragreichsten Fahrzeugen vertreten ist, wundert nicht. Schließlich besitzen die Fahrzeuge aus dem italienischen Maranello schon seit einigen Jahren den höchsten Wiederverkaufswert aller Automobile.

Für den Wirtschaftsdienst Bloomberg zählen historische Fahrzeuge nach wie vor neben Finanzprodukten wie Hedge Funds zu den ertragreichsten Investments. Die Klassikexperten von Historic Automobile Group International (HAGI) errechneten in den letzten Jahren im Markt der besonders edlen Vintage-Autos eine durchschnittliche Rendite von 25 Prozent.


Publikumswirksame Spektakel

Gegenüber dem Sotheby's-Ergebnis erscheinen die Zahlen von Auctions America eher bescheiden, doch auch sie zeigen, dass so manchem Oldie-Sammler die Dollars 2015 locker in der Tasche saßen. Insgesamt kam der kleinere Zweig der RM Group auf knapp 62 Millionen Euro. Dafür wurden insgesamt 1343 Fahrzeuge auf fünf Veranstaltungen in den Vereinigten Staaten an neue Besitzer versteigert.

Den Höhepunkt - was die Besucherzahl angeht - erlebte Auctions America im Herbst in Auburn im US-Bundesstaat Alabama. 85.000 Besucher besichtigten Fahrzeuge auf dem weltgrößten Veranstaltungsgelände für Automobil-Auktionen mit fünf Hällen auf knapp 100 Hektar. Auf den ersten fünf Plätzen der Erfolgsskala lagen bei Auctions America:
• ein Ferrari Enzo von 2004 mit 1,71 Millionen Euro,
• ein Mercedes Benz 540 K Special Roadster von 1938 ebenfalls mit 1,71 Millionen Euro,
• ein Ferrari 330 GTS von 1967 mit1,48 Millionen Euro,
• ein Duesenberg Model J Convertible von 1929 mit 1,4 Millionen Euro und
• ein Ferrari 250 GT Coupé von 1959 mit 652.000 Euro.

Dass rollende Hochkaräter diesen Stellenwert genießen, ist auch eine Folge der Finanzkrise 2008, als Investoren ihre Millionen lieber sicher in einer Garage parkten. Diese Entwicklung hat auch dazu geführt, dass Auktionen bei denen historische Prototypen, hoch dekorierte Rennwagen und seltene Exemplare angeboten werden, inzwischen viel mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Ob nun Millionen für ein reines Spekulationsobjekt oder ein wahres Liebhaberstück investiert werden: Versteigerungen sind inzwischen publikumswirksame Spektakel.

Dabei macht dieses Segment wie der Verband der Automobilindustrie (VdA) in seinem Oldtimer-Index notiert, nur rund zehn Prozent des Handels aus. Die meisten Enthusiasten interessierten sich weder für Exklusivität noch Wertsteigerung, sondern gäben im Durchschnitt weniger als 20.000 Euro für ihren betagten Liebling aus.

Quellle:  Handelsblatt Online
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