
Die Zeiten, als man bei VW entweder Käfer oder Bulli ordern konnte, sind lange her, längst ist das individuelle Auto Realität. Und aktuell wächst die Vielfalt der Modelle, der Antriebe, der Ausstattungen, und der Farben schier gegen unendlich, wie eine aktuelle Studie des CAR-Instituts (Center Automotive Research) an der Universität Duisburg-Essen belegt. Für den Kunden wird somit der Überblick am Automarkt erschwert, und für die Autohersteller und -händler bringt die Vielfalt neue Herausforderungen an ihre Profitabilität.
Vielfalt kostet, und je geringer die Zahl der Fahrzeuge, die von einem Modell, einer Variante oder einer Karosserieform verkauft werden, umso höher sind diese Kosten. Dabei gibt es offenbar manches Modell, das sich nach Feststellung von Institutsleiter und Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer schon gar nicht mehr lohnen kann. Das Risiko für den Hersteller: Er muss den optimalen Punkt finden zwischen den zusätzlichen Verkäufen, die ein weiteres Modell generiert und dessen Kosten.
Unterteilt man nach Modellen, Karosserieformen, wie etwa Coupé, Fließheck oder Cabrio, und Motorenart. wie 1,6 Liter Benziner oder 1,8 Liter Diesel, so sind in Deutschland zurzeit nicht weniger als 1.706 unterschiedliche Fahrzeugvarianten im Angebot. Eine schier erdrückende Vielzahl, die sicher kaum ein Autokäufer noch überblickt. Beschränkt man diese Aufzählung auf Bau- oder Modellreihen, wie etwa Opel Astra, Ford Fiesta, Audi A3, so gibt es immer noch 376 verschiedene Modelreihen im deutschen PKW-Markt. Und, so die Prognose des Auto-Professors, bis zum Jahr 2015 wird die Zahl bis auf 415 Modellreihen ansteigen.
Die Grafik und die Tabelle (oben) zeigen die große Bandbreite der in den ersten sieben Monaten des Jahres 2011 neu zugelassenen Fahrzeuge pro Modellreihe. Die Marke Dodge hat der CAR-Studie zufolge gerade mal 45 Fahrzeuge pro Modellreihe verkauft. Dabei ist Dodge mit drei Modellreihen im deutschen Markt vertreten - und in Deutschland gibt es im Schnitt deutlich über 300 Autohäuser pro Marke.
Ausgeklammert aus dieser folgenden Analyse besonders wenig erfolgreicher Marken und Modellreihen sind allerdings die Zulassungen von Autohändlern, Autobauern und Vermietern, die oft als „schwer verkäufliche“ Modelle als Tageszulassung, oder junge Dienstwagen in den Markt gebracht werden. Ausgewertet wurden nur die „echten“ Verkäufe an Privatkunden und Unternehmen.
Niedrige Verkaufszahlen pro Modell habt neben Dodge auch Lancia. Nur 109 Fahrzeugverkäufen pro Modellreihe an Privatkunden und Unternehmen erreicht die Marke in den ersten sieben Monaten des Jahres. Für ein Autohaus ist die Marke damit ein echter Exot. Nicht viel besser sieht das Bild bei Lexus, Jeep, Daihatsu, Subaru, Alfa Romeo und Chevrolet aus. Auch deren Vertrieb ist also mit erheblichen Vertriebskosten belastet.
Im Unterschied dazu kann der Wolfsburger Massenhersteller Volkswagen satte 14.736 Fahrzeugverkäufe pro Modellreihe vorweisen, Skoda folgt mit 13.051 Fahrzeugverkäufe pro Modellreihe im Ranking, BMW mit 9.653 und Opel mit 7.829 Fahrzeugverkäufen. Doch haben auch VW, BMW, Opel und Audi ihre Modelle, die kaum nachgefragt werden.
New Beetle und Phaeton liegen wie Blei
Bei VW waren in den ersten sieben Monaten des Jahres 2011 die Modellreihen New Beetle (14 Verkäufe), Phaeton (763 Verkäufe), Jetta (873 Verkäufe), Eos (1.044 Verkäufe) schlecht gängige Modelle. Aber der New Beetle war auch in den vergangenen fünf Jahren und sieben Monaten nicht gerade der „Reißer“ bei VW. Gerade mal 8.732 New Beetle sind an Privatkunden und Unternehmen seit dem Jahr 2006 verkauft worden. Das entspricht 0,3 Prozent aller in der Zeit verkauften VW-Fahrzeuge an Privatkunden und Unternehmen oder 1.564 Verkäufen pro Jahr. Pro Verkaufspunkt verkauft damit VW nicht ganz einen New Beetle Neuwagen pro Jahr, dabei gibt es das Modell als Fließheck und Cabrio. Nicht gerade ein durchschlagender Erfolg.
Noch weniger übrigens wurden vom Phaeton verkauft: 6.642 Fahrzeuge an Privatkunden und Unternehmen in der Zeit von 2006 bis Juli 2011, also weniger also 0,26 Prozent aller VW. Anders ausgedrückt pro Jahr wurden seit 2006 lediglich 1.190 Phaeton Neuwagen auf Privatkäufer und Firmenkäufer zugelassen.
Bei BMW wurde die 6er Baureihe seit 2006 am schlechtesten von allen BMW-Baureihen verkauft. 4.157 Fahrzeuge oder 0,5 Prozent aller BMW, die seit 2006 an Privatkunden und Unternehmen im deutschen Automarkt verkauft wurden, waren Fahrzeuge der 6er Reihe.
Bei Opel war das Modell Antara mit 7.071 Verkäufen seit 2006 und nur 0,8 Prozent Anteil an allen Opel Verkäufen das Mauerblümchen und bei Audi war der Audi R8 mit gerade mal 2.314 Verkäufen (0,3 Prozent) seit 2006 an Privatkunden und Unternehmen das Ladenhüter-Modell. Gerade 414 Audi R8 wurden im Jahresdurchschnitt an Privatkäufer und Unternehmen als Neuwagen verkauft.















