Chevron EN-V: GM probt Neuerfindung des Transports

Chevron EN-V: GM probt Neuerfindung des Transports

, aktualisiert 19. November 2011, 11:39 Uhr
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Die Vorstellung des Konzeptautos EN-V: Das Fahrzeug soll sich irgendwann per Handy herbeirufen lassen.

von Thomas JahnQuelle:Handelsblatt Online

Es sieht aus wie aus einem Science-Fiction-Film. Der Chevron EN-V, das Zukunftsauto von General Motors, ist eine Gondelkabine im optischen Schwebezustand. Die Reaktion schwankt zwischen Kopfkratzen und Enthusiasmus.

New YorkDas Zukunftsauto von Branchenführer General Motors (GM) sieht aus wie eine fahrende Gondelkabine. Getönte Scheiben krümmen sich hoch nach oben, die Reifen sind unter einem Plastikunterleib versteckt. Durch diesen Kniff sieht es so aus, als ob das Elektroauto über die Straße schweben würde.

Lautlos soll er sein, der Chevron EN-V. Die Abkürzung steht für "Electric Network Vehicle". Der Fahrer steigt ein, diktiert sein Fahrziel und kann sich entspannt zurücklehnen - das Auto erledigt den Rest. Ist man angekommen, steigt der Fahrgast aus und das Auto parkt von selbst. Ist der Termin oder der Einkauf erledigt, kann man den EN-V per Handy herbeirufen.

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Alles nur Science-Fiction? Keineswegs. Nach Meinung der Ingenieure von General Motors sollen Selbstfahrsysteme 2020 technologisch ausgereift und im Alltag einsetzbar sein. Der Chevron EN-V nutzt Systeme wie GPS, Radar und digitale Kartenanalyse, um sich selbstständig zu bewegen. Ständig sendet er ein Funksignal aus, um Informationen über Standort, Geschwindigkeit und etwaige Hindernisse mit anderen Autos auszutauschen. Dazu ist der EN-V mit Abstandsmessern ausgestattet, die vor Kollisionen warnen.

Forschung und Entwicklung stehen traditionell hoch im Kurs bei GM. Bereits 1920 gründete der amerikanische Konzern das erste Autoforschungszentrum der Welt. Heute suchen seine Ingenieure und Techniker in 13 Forschungslabors und acht Wissenschaftszentren weltweit nach der Technologie von morgen.

Dabei stehen drei Themen im Vordergrund: Elektrifizierung des Autos, Selbstfahrsysteme und Informationsaustausch zwischen den Autos. Als Chris Borroni-Bird, Chef der GM-Avantgarde-Truppe namens "Advanced Technology Vehicle Concepts", den Chevron EN-V vergangenes Jahr vorstellte, erhielt er in Europa und Asien viel Anerkennung. In den USA "kratzten sich einige Leute den Kopf", sagt er heute. Ihre Skepsis kennt er genau: "Wie soll es auf einer Straße mit Geländewagen oder anderen größeren Autos sicher fahren können?"


Die Unterstützung in den Konzernreihen ist groß

Trotz solcher Bedenken sei die Unterstützung innerhalb des Konzerns groß, betont Borroni-Bird. Das Zukunftsauto werde "enthusiastisch" aufgenommen. "Der Chevron EN-V hat das Potenzial, das Transportwesen in Städten neu zu erfinden", sagt der GM-Manager. Sein Projekt markiert in gewisser Hinsicht einen Neubeginn in den USA: Vor Jahren wäre so ein Kleinwagen im wahrsten Sinne des Wortes undenkbar gewesen - bei US-Herstellern, die lange allein auf Größe gesetzt haben.

GM arbeitet derzeit an einem möglichen Pilotprogramm mit der chinesischen Großstadt Tianjin. Dort ist das Interesse an elektrischen Fahrzeugen laut Borroni-Bird groß. Ein Vorteil seines Konzepts: Der EN-V kann an jeder herkömmlichen Steckdose aufgeladen werden.

Die Lithium-Batterie erlaubt Fahrten von bis zu 40 Kilometern. Derzeit ist das Auto als Zweisitzer konstruiert, könnte aber auch auf vier Fahrsitze ausgebaut werden. Tianjin wäre ein passender Ort für den EN-V: In der expandierenden Hafenstadt im Norden Chinas leben fast zehn Millionen Menschen. Und der Stadtname ist Programm: Übersetzt heißt Tianjin "Himmelfurt".

Quelle:  Handelsblatt Online
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