Classic Days in Bremen: Die 70er: Einfach Keil!

Classic Days in Bremen: Die 70er: Einfach Keil!

, aktualisiert 08. Februar 2016, 11:42 Uhr
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Die Oldtimermesse an der Weser fand am vergangenen Wochenende zum 14. Mal statt.

Quelle:Handelsblatt Online

Auf dem Kontakthof für Petrolheads herrschte Gedränge: Am Wochenende fand in Bremen die Oldtimermesse Classic Days statt. In den Hallen gabs viel teure und gepflegte Gediegenheit, im Parkhaus nebenan gute Gebrauchsware.

BremenDie Veranstalter einer Oldtimermesse müssen einiges richtig gemacht, wenn sich vor dem Öffnen der Türen lange Schlangen an den Kassen bilden. Das galt auch im 14. Jahr ihrer Geschichte für die Bremen Classic Motorshow, die von Freitag bis Sonntag lief (5. - 7.2.). Rund 50.000 Besuchern in den Messehallen auf der Rückseite des Bremer Hauptbahnhofs zeigten 600 Aussteller aus zwölf Nationen klassische Fahrzeuge – leidenschaftliche PS-Gespräche inklusive.

Natürlich erinnert man sich bei der Gelegenheit daran, dass Bremen eine Autostadt ist: Die Legende Borgward prägte die nicht immer ruhmreiche Vergangenheit, Mercedes-Benz als größter privater Arbeitgeber die Gegenwart. 

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Die Autostadt, die automobile Erlebniswelt des Volkswagen-Konzerns, zeigte diesmal in Bremen vor allem Klassiker in Keilform. Zu sehen waren fünf Volkswagen Scirocco der ersten Serie, die bis 1980 insgesamt 504.153 Mal gebaut wurde: Neben einem Scirocco TS (1976), einem GLI (1977) und zwei GT (1978 und 1980) auch ein Leckerbissen, der 1975er Scirocco Gruppe 2 von Oettinger – das einzige überlebende Original jener Renn-Epoche, in der die Scirocco auf der Rundstrecke in der 1,6-Liter- Klasse dominierten. 
Ein Publikumsmagnet aus der Sammlung des Zeit-Hauses der Autostadt war der Lamborghini Countach LP 400 von 1975 – in Bremen auf der Sonderschaufläche in Halle 5 präsentiert.

Parallel zur Oldtimermesse an der Weser wurde auf der etwas international etwas bedeutsameren Retromobile in Paris vom Auktionshaus Artcurial ein Ferrari 335 S Spider Scaglietti für die Rekordsumme von 32,1 Millionen Euro versteigert, an einen unbekannten Sammler in den USA. Das vermeintliche Rekordergebnis kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein Ferrari 250 SWB California Spider an der Seine für rund 8 Millionen Euro keinen Käufer fand. Es wird eben nicht doch nicht alles um jeden Preis gekauft. Und wem die Millionen fehlen, der schaut sich in anderen Preiskategorien um.

So herrschte auf der Bremen Classic vor allem im Parkhaus reges Interesse. Dort wurden eher Gebrauchsoldtimer zu ordentlichen Preisen angeboten und nachgefragt. Während in den Messehallen Gediegenheit gepflegt wurde.

Zu den „Emerging Classics“ - also Autos mit Wertsteigerungspotenzial - auf den unwirltichen Parkdecks zählte unter anderem der Wagen, der eine ganze Witzkultur begründete. Heute ist der Opel Manta aber Kult. Einer wurde für mehr als 10.000 Euro angeboten.

Direkt nebenan: Ein Auto, mit dem die Klassikergeschichte von Audi begann. Mit dem Ur-Quattro führte man nicht nur den Allradantrieb ein, sondern legte auch den Grundstein für mehrere Rallye-Weltmeisterschaften mit Walter Röhrl  Im Parkhaus sollte ein gutes Exemplar nicht mal  30.000 Euro kosten. In der Messehalle wurden für einen weiteren Ur-Quattro gleich 80.000 Euro aufgerufen. Ohne dass wesentliche Unterschiede in Kilometerstand oder Ausstattung feststellbar gewesen werden.

„Originallack“ lautete die originelle Beschreibung an einem VW T1, der noch die kalifornischen Genehmigungen für den Surf-Strand an der Windschutzscheibe trug. Ob solche Autos einen Kaufpreis zwischen 50.000 und 100.000 Euro wert sind, kann man aber auch kritisch sehen.

Unverkäuflich war ein „ProCar“ BMW M1. Weil die Autos nicht rechtzeitig zur Homologation in der Gruppe B fertig wurden, erfand man eine Rennserie, bei der die Formel !-Piloten in identischen Rennwagen gegeneinander antraten.

Kein Preisschild wies auf den Wert eines BMW 507 hin, der Anfang der Fünfziger Jahre ca. 210 Mal gebaut wurde. Der Achtzylinder wird mit rund zwei Millionen Euro Wert taxiert. Billiger wurde es bei BMW mit einem ehemalige Halbstarkenmobil, das bei Pyritz Klassik rund 50.000 Euro kostete: 130 PS aus vier Zylindern, damit begründeten der 2002 tii BMWs Ruf als Hersteller sportlicher Kompaktlimousinen.

Teurer wurde es bei einem BMW M5 aus den späten 80igern. Von dem Auto mit dem originalen M1-Motor und 286 PS wurden nur etwas mehr als 500 Stück in Garching in Handarbeit gebaut. Der Anbieter wollte für seinen Wagen stolze 100.000 Euro.

Bereits kurz nach Start der Messe verkauf war ein unverbastelter Golf GTI der ersten Generation, weswegen man über seinen Preis nur spekulieren kann. 110 PS in einem Auto, das keine Tonne wog und neben viel Sachlichkeit nur wenig Kriegsbemalung zeigte, begründeten eine Legende. Leider wurden die meisten Autos verbastelt oder fielen dem Rost zum Opfer. Deshalb sind gute Exemplare inzwischen sehr selten und entsprechend teuer. 

Ebenfalls im Parkhaus angeboten wurde ein Porsche 924, der ebenfalls 1976 erschien. Das Auto sollte das Transaxle-Zeitalter in Stuttgart eröffnen: Frontmotor und Getriebe auf der Hinterachse sollten für optimale Gewichtsverteilung sorgen. Ursprünglich sollte der Wagen als Audi verkauft werden, erst als man in Ingolstadt meinte, ein Sportwagen passe nicht in die Zeit nach der ersten Ölkrise, entschied sich Porsche, den Wagen unter eigenem Namen zu verkaufen.

Ein Highlight war - allerdings für stolze 280.000 Euro - ein Porsche 964 RS bei Pyritz Classic. Das Exemplar ist begehrt, man sieht es an der Preisentwicklung: Noch vor zwei bis drei Jahren war es für ein Drittel des aufgerufenen Geldes zu haben.

Quellle:  Handelsblatt Online
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