CO2-Label für Autos: So umweltfreundlich wie ein kleiner Panzer

CO2-Label für Autos: So umweltfreundlich wie ein kleiner Panzer

, aktualisiert 22. November 2011, 16:00 Uhr
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Kampfpanzer Leopard 2: Wäre er als Neuwagen zulassungsfähig, bekäme auch er ein Energieeffizienz-Label. Und nicht das schlechteste.

von Frank G. HeideQuelle:Handelsblatt Online

Nach dem Vorbild von Waschvollautomaten und Tiefkühltruhen: In wenigen Tagen werden Neuwagen mit einem Öko-Label etikettiert und in Effizienzklassen eingeteilt - mit teils absurden Konsequenzen. Ein Kommentar.

Am 1. Dezember ist es soweit, dann bekommen wir Autokäufer endlich Auskunft über die Verbrauchswerte und CO2-Emissionen der Neuwagen, die uns interessieren. Nach dem Vorbild von Waschvollautomaten und Tiefkühltruhen! Freuen Sie sich auch schon so darauf? Nein? Sollten Sie aber, das wird von Ihren Steuergeldern bezahlt.

Es wird Effizienzklassen geben, vom grünen A+ - sozusagen für jedes halbwegs saubere Vehikel - bis zum roten G für ausgewiesene Dreckschleudern. Das ganze basiere auf einem "sogenannten relativen Modell", hieß es im Wirtschaftsministerium, dabei werde auch die Fahrzeugmasse berücksichtigt. Das macht ja auch Sinn, wer würde nicht sein Auto nach Gewicht kaufen?

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Fast unnötig zu erwähnen, dass der mächtige Auto-Herstellerverband VDA maßgebliche seine Hand im Spiel hatte. Der absolute CO2-Ausstoß bzw. der realistische Spritverbrauch spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle. Im Klartext: Ein tonnenschwerer Geländewagen, der sich in Deutschland gerade so gut verkaufen lässt, fällt dann unter Umständen in eine bessere Effizienzklasse als ein Kleinwagen.

Beispiel: So landet ein 2.345 Kilo schwerer Audi Q7 3.0 TDI mit einem Kohlendioxidausstoß von 195 Gramm pro Kilometer ebenso wie ein 2,5 Tonnen schwerer Porsche Cayenne S Hybrid (193 g/km) in der zweitniedrigsten Klasse B, ein Kleinwagen wie der Toyota Aygo jedoch wird trotz wesentlich geringeren CO2-Ausstoßes in Klasse D eingestuft.

Sie halten das für Etikettenschwindel? VDA-Präsident Wissmann sieht das anders: Das machten sie im europäischen Ausland genauso, sagt er. Na, dann kann es ja nicht verkehrt sein.

Eine "verbraucherfeindliche Mogelpackung" dagegen nennt der Verkehrsclub Deutschland (VCD) das ganze. Nicht ganz zu Unrecht. Eine kleine Rechnung macht die ganze Absurdität klar: Der in aller Welt beliebte deutsche Kampfpanzer Leopard 2, der pro gefahrenem Kilometer 1.500 Gramm CO2 ausstößt, würde dank seines Gewichts von 62 Tonnen in der Logik der neuen Effizienzklassen direkt neben einem VW Golf 1.4 landen.

Wenn Sie jetzt das Gefühl überkommt, was tun zu müssen: Fahren Sie im SUV schnell ein paar Runden um den Block. Dann bleibt es auch im nächsten Spätherbst draußen angenehm lange warm. Doch wenn Sie glauben, Sie hätten damit etwas für die Umwelt getan, sind Sie der Auto-Lobby und dem Wirtschaftsministerium auf den Leim gegangen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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