Daimler, BMW & Co: Junge Konsumenten zwingen Autobauer zu Strategieschwenk

Daimler, BMW & Co: Junge Konsumenten zwingen Autobauer zu Strategieschwenk

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Parkgebühren lasen sich in Bremen per Handy bezahlen

von Jürgen Rees

Junge Menschen verlieren das Interesse am eigenen Wagen. Ihnen reicht es, komfortabel mobil zu sein. Das zwingt Daimler, BMW & Co. zu einem drastischen Strategieschwenk.

Als Peter Tamms vor zehn Jahren sein Auto verkaufte, galt er bei vielen Bekannten noch als Sonderling. Doch in Berlin, sagt der 45-Jährige, wäre es nur im Weg: Die Parkplätze sind knapp, und in der Stadt nutzt der Finanzberater ohnehin nur Bus, Bahn und Taxi. Und wenn er mit einem Berg von Unterlagen zu Kunden nach Hamburg muss, fährt er mit einem Opel Astra Kombi des Car-Sharing-Anbieters Stadtmobil. Tamms bucht Mobilität, wenn er sie braucht. Und dieses Beispiel macht Schule: In Berlin hat nur noch knapp jeder Dritte ein eigenes Auto. So wenig wie in keiner anderen deutschen Großstadt.

Heute ist Tamms Trendsetter. Vor allem junge Menschen verlieren die Lust am eigenen Auto – längst nicht nur in Berlin: 2009 waren bundesweit nur noch sieben Prozent aller Neuwagenkäufer 18 bis 29 Jahre alt, meldet das Kraftfahrtbundesamt. Vor zehn Jahren kamen aus dieser Altersgruppe noch mehr als doppelt so viele. Wo heute die Prioritäten liegen, hat der IT-Branchenverband Bitkom ermittelt. Neun von zehn Befragten im Alter von 14 bis 29 Jahren können sich ein Leben ohne Internet und Handy nicht mehr vorstellen – eines ohne Auto sehr wohl, so das Ergebnis. Schließlich verstaubt der Wagen im Schnitt pro Tag mehr als 23 Stunden am Straßenrand. Das schicke Smartphone aber ist immer zum Angeben mit dabei.

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Damit schwappt ein Trend nach Deutschland, den die Autohersteller bereits aus Megacitys wie Tokio kennen. Dort hat der Wandel sogar schon einen Namen: „Kuruma Banare“. Die Übersetzung bringt die Bedrohung für die Benzinbranche auf den Punkt: Demotorisierung. Selbst in den bisher autoverliebten USA fährt die junge Generation inzwischen mehr auf Computerchats ab als auf Ford und General Motors, stellte das Marktforschungsunternehmen J. D. Po-wers fest.

Branchenweite Alarmstimmung

Die Hersteller zwingt das zu einem radikalen Strategieschwenk: Wer auf Dauer überleben will, darf nicht länger nur Fahrzeuge anbieten. „Die Automobilindustrie wird sich zur Mobilitätsindustrie wandeln“, bringt es denn auch Marc Winterhoff auf den Punkt. Er ist Koautor der im vergangenen Jahr von der Unternehmensberatung Arthur D. Little veröffentlichten Studie „Zukunft der Mobilität 2020“.

Quer durch die Industrie gibt es derzeit kaum einen Hersteller, der nicht gerade über neuen Geschäftsmodellen brütet. Befeuert wird der Umbruch zudem von wieder erstarkten oder ganz neuen Konkurrenten: Die Deutsche Bahn etwa oder die Autovermieter, aber auch Car-Sharing-Anbieter oder das Unternehmen Better Place des ehemaligen SAP-Vorstandes Shai Agassi wollen im Geschäft mit der Massenmobilität kräftig mitmischen.

Aufgeschreckt hat die Branche das Vorpreschen des Autoherstellers Peugeot: Spätestens im Sommer wollen die Franzosen in Berlin unter der Marke Mu – gesprochen Mü – ein Plastikkärtchen anbieten, das die Großstädter so umfassend mit Verkehrsangeboten versorgt wie nie zuvor. Damit wird Berlin zu der deutschen Teststrecke für neue Mobilitätskonzepte schlechthin. Ob Elektroautos von Mini, Volkswagen, Daimler, Smart oder Brennstoffzellenfahrzeuge von Mercedes oder Hybridwagen von Toyota: Wer immer eine neue Idee testen möchte, ist in der Millionenstadt präsent. Doch so radikal wie Peugeot stellt kein Autohersteller sein Kerngeschäft infrage, Autos zu bauen.

Autofahren mit einer Prepaid-Karte

Immerhin bedienen sich die Franzosen bei Mu eines bewährten Vertriebskonzeptes aus der Mobilfunkbranche. Denn der Mobilitätsdienst basiert auf einer im Internet aufladbaren Prepaid-Karte, mit der Kunden eine Fülle von Verkehrsdienstleistungen kaufen können. Peugeot ist dafür so gut auf-ge-stellt wie kaum ein Konkurrent. Das Portfolio des 200 Jahre alten Konzerns reicht vom Fahrrad über den Roller bis zu Auto und Lastwagen. Neben der kompletten Autopalette -verleiht Peugeot daher ab Sommer in Berlin auch Fahrräder, Elektromofas und Motorräder.

Auch wer sich nicht gänzlich vom eigenen Wagen verabschieden will, soll von dem Angebot profitieren. Wer am Wochenende seine Familienkutsche gegen einen sportlichen Flitzer tauschen möchte oder gegen einen Umzugslaster – Mu macht’s möglich.

Auch Zubehör wie Navigationssysteme, Skiboxen oder Dachträger gibt es per Mu-Card sogar für Fahrer anderer Automarken. Schon jetzt steht Peugeot in engem Kontakt mit Reisebüros. Über sie lassen sich mit der Karte selbst Hotelzimmer oder Flugtickets buchen. Dafür gibt es Bonuspunkte, die wiederum für die Ausleihe von Fahrzeugen genutzt werden können.

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