E-Bikes, Roller und Motorräder: Wird die Elektromobilität auf zwei Rädern ein Erfolg?

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E-Bikes, Roller und Motorräder: Wird die Elektromobilität auf zwei Rädern ein Erfolg?

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Die Harley-Davidson LiveWire, ein Elektromotorrad mit 55 Kilowatt (75 PS)

von Jürgen Rees und Matthias Hohensee

Die meisten Elektroautos glänzen nur im Autohaus, sie sind echte Ladenhüter. An anderer Stelle wird der Stromantrieb aber zum Erfolg: Elektro-Motorräder, E-Bikes, Stehroller und Skateboards boomen.

Langsam am Gasgriff drehen, Maschine und Fahrer schütteln sich, das Blubbern aus dem Auspuff wandelt sich in ein immer lauteres Grollen. Der Biker lässt die Kupplung seiner Harley-Davidson kommen und braust mit Sonnenbrille, Fransen-Lederjacke und Cowboystiefeln in den Sonnenuntergang.

So das Klischee über den typischen Harley-Besitzer. Wie kaum eine andere Marke versteht es der amerikanische Kulthersteller schwerer Motorräder, das Image von Freiheit und Abenteuer zu transportieren. Aber selbst dessen Managern schwant, das geht nicht ewig so weiter: Gegen die infernalische Lautstärke regt sich überall Widerstand, strenge Abgasregeln setzen den Zweirädern zu, und ressourcenschonender Konsum ist gefragter denn je.

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Ausgerechnet die Firma mit dem Revoluzzer-Image versucht sich deswegen an dem Prototyp eines politisch korrekten Elektromotorrads. Es ist das erste Modell eines weltweit führenden Herstellers. Zwar hat BMW einen E-Roller im Programm, und der österreichische Hersteller KTM bietet mit der Freeride E eine Maschine fürs Gelände an, allerdings ohne Straßenzulassung. Aber ein richtiges Strombike haben bisher nur Außenseiter wie der kalifornische Pionier Zero Motorcycles oder das US-Unternehmen Brammo auf den Asphalt gestellt, das gerade von dem großen US-Fahrzeughersteller Polaris geschluckt wurde.

Mehr als zwei Millionen E-Bikes in Deutschland

Das zeigt: Wieder einmal tun sich die Platzhirsche einer Branche schwer damit, schnell genug auf eine neue Technologie zu reagieren, die das Zeug dazu hat, gewohnte Marktstrukturen aufzubrechen und traditionelle Produktkategorien abzulösen. Dabei wäre dies im Fall der Motorradhersteller dringend nötig: Sie werden auf einmal von unten angegriffen durch immer elegantere Elektrofahrräder, die so schnell wie Mopeds durch die Städte düsen. Die wiederum konkurrieren mit selbstbalancierenden Stehrollern und elektrischen Skateboards. Die E-Gefährte fordern nicht nur klassische Motorradhersteller heraus, sondern können sogar locker den Zweitwagen ersetzen und blockieren nicht einmal einen Parkplatz.

Welches Potenzial in den elektrifizierten Gefährten steckt, zeigt der Siegeszug der Elektrofahrräder. Allein in Deutschland rollten 2014 bereits mehr als zwei Millionen Exemplare herum.

Stromer ST2 Wie das Pedelec digital aufgerüstet wird

Das schnelle S-Pedelec Stromer ST2 des Schweizer Herstellers MyStromer macht süchtig – wenn da nicht der hohe Preis für das elegante Rad wäre. Ein Fahrbericht.

S-Pedelec Stromer ST2 von MyStromer Quelle: Jürgen Rees

Und der Boom hält weiter an: Nach den vorläufigen Zahlen des Zweirad-Industrie-Verbands steigen die Absatzzahlen von 480 000 E-Bikes 2014 auf rund 520 000 E-Bikes in diesem Jahr. Eines der am stärksten wachsenden Segmente sind dabei die Elektromountainbikes, die der Branche eine erheblich jüngere Kundschaft verschafft. Ein Grund: Während viele Pedelecs recht altbacken aussehen, verschwinden die Akkus unauffällig in den dicken Rahmenrohren der sportlichen Mountainbikes. Der Fahrspaß mit den Elektrogefährten ist enorm und trägt zur Popularität des Antriebs bei.

Die Fans sollen entscheiden

Da müssen die Motorradhersteller erst mal mithalten. „Whiiiiiiiiiiiih“ surrt das LiveWire genannte Elektromotorrad los – und gleicht damit eher einem Turbostaubsauger. Akustisch, und damit prestigemäßig, schrumpft die stolze Harley da gefährlich nahe ans Elektrofahrrad. Ob die eingefleischten Marken-Jünger den Sound akzeptieren, trauen sich selbst die Harley-Chefs nicht allein zu entscheiden – und lassen die Fans die Prototypen bewerten. Seit dem vergangenen Jahr tourt die Firma mit rund 80 Exemplaren um die Welt. Die Maschine hat 75 PS, fährt knapp 150 Kilometer pro Stunde schnell.

Die enorme Beschleunigung aus dem Stand begeistert bei Testrunden auf dem Hockenheimring. Und dennoch – jeden Tester dort fragten die Marketingleute nach der Fahrt: Würdest du dir ein solches Elektromotorrad kaufen? „Heute eher noch nicht“, ist oft die Antwort. Die Maschine macht zwar Spaß. Aber nicht lange. Bei zurückhaltender Fahrt ist schon nach 85 Kilometern Schluss. Wer richtig Gas, pardon Strom gibt, muss sogar schon nach 60 Kilometern an die Steckdose. Damit drohen schwere Motorräder in dieselbe Falle zu geraten wie Elektroautos: „Die Reichweite ist für unsere Kundschaft noch nicht groß genug“, räumt Frank Klump ein, Marketing-Direktor von Harley Deutschland.

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