E-Mobility: Deutsche E-Autos sind nur rollende Alibis

ThemaElektroautos

E-Mobility: Deutsche E-Autos sind nur rollende Alibis

von Jürgen Rees

Nach Jahren des Zögerns bringen Deutschlands Autobauer nun endlich eine Vielzahl neuer E-Mobile auf den Markt. Wirkliches Interesse an der Elektrorevolution aber hat die Branche nicht.

Der Winzling bietet, was sich jeder Autofahrer wünscht: an der Ampel aufs Gas treten und alle anderen stehen lassen. Jetzt klappt das sogar mit einem nur 82 PS starken Kleinwagen. Der weiße Flitzer kommt von Volkswagen, heißt e-Up und ist das erste Elektromobil des weltweit drittgrößten Autobauers, das in Serie geht. Geschlagene sieben Jahre nachdem das US-Startup Tesla die Benzinbranche mit dem ersten Elektrofahrzeug schockte, das mehr als 300 Kilometer mit einer Akkuladung kommt.

Nun endlich, nach Jahren des Zögerns, wachen auch die deutschen Autokonzerne auf. Neben dem e-Up kommen in den kommenden Monaten BMWs i3, die Mercedes B-Klasse, Fords Focus Electric oder der Audi A3 e-tron in den Handel – es sind so viele Elektro- und Hybridwagen von deutschen Herstellern wie noch nie.

Anzeige

Die Modelloffensive ist überfällig. Denn nur mit neuen Elektrofahrzeugen ist der ehrgeizige Plan der Bundesregierung überhaupt realisierbar, bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutsche Straßen zu bringen – und Deutschland zum Leitmarkt für Elektromobilität zu machen. Nur so sind auch die Klimaziele der Bundesregierung zu erreichen, den Treibhausgasausstoß in Deutschland bis 2020 um 40 Prozent, bis 2030 um 55 Prozent zu senken.

Bisher aber blieben die Stromer Ladenhüter – wegen des geringen Angebots und Preisaufschlägen von teils mehr als 10.000 Euro gegenüber konventionellen Modellen. Ganze 3339 E-Autos wurden deutschlandweit dieses Jahr bis Ende August neu angemeldet. Geht es so weiter, wäre Angela Merkels Ziel erst 2214 erreicht.

Nun aber soll alles besser werden. Große Hoffnungen ruhen dabei auf dem Marktstart der Deutschen. VW-Chef Martin Winterkorn immerhin verspricht selbstbewusst: „Volkswagen hat die Elektromobilität in die Mitte des Konzerns geholt. Damit haben wir alle Voraussetzungen, um den Volkswagenkonzern bis 2018 auch in Sachen Elektro zur Nummer eins zu machen.“

Heinz-Harald Frentzen: Porsche Panamera E-Hybrid vs. Tesla Model SVideo abspielen
AutotestHeinz-Harald Frentzen: Porsche Panamera E-Hybrid vs. Tesla Model S

Mehr Dynamik

Mehr Dynamik durch die Deutschen – darauf hofft auch Carlos Ghosn, Chef von Renault-Nissan, die globale Nummer vier im Automarkt. Denn Ghosns französisch-japanische Allianz wäre mit bereits fünf E-Modellen für einen rasch wachsenden Markt bestens gerüstet: dem zweisitzigen Renault Twizy, dem Kleinwagen Zoe, dem Mini-Van Kangoo, der Fließhecklimousine Fluence und dem kompakten Nissan Leaf.

2014 kommen weitere Modelle wie der Elektro-Kleinlieferwagen Nissan e-NV 200 dazu. Für Ghosn ist klar: „Wenn der VW-Konzern Elektromobile anbietet, gibt das dem Markt den entscheidenden Impuls.“

Ob er recht behält, ist dennoch fraglich. Der Marktauftritt der deutschen E-Mobile wirkt zwar schlüssig, und die Neuheiten machen beim Fahren viel Spaß. Aber wer genau hinschaut, bekommt rasch Zweifel, wie ernst es VW, BMW, Mercedes und Co. wirklich meinen mit der Elektromobilität.

„Für die deutschen Autohersteller hat das Elektroauto nur Alibifunktion“, kritisieren Experten wie Peter Wüstnienhaus. Er leitet mit dem Projekt „Informations- und Kommunikationstechnik für Elektromobilität“, immerhin eines der größten vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Technologieprogramme zur mobilen Energiewende. Wüstnienhaus bemängelt unter anderem, dass die vermeintlichen Neuheiten etwa im Bereich Informationstechnik wegen der langen Entwicklungszeiten bis zu sieben Jahre hinter dem technischen Standard zurück sind.

Der Verdacht drängt sich auf, dass die Hersteller die Stromer in erster Linie benötigen, um ihre Konzernbilanz beim CO2-Ausstoß der Flotte zu schönen. Autokanzlerin Merkel will in Brüssel durchsetzen, dass sich die Autobauer umweltfreundliche E-Mobile überproportional auf das CO2-Konto anrechnen lassen können und so den Ausstoß ihrer schmutzigeren Benziner und Diesel ausgleichen.

Wie es dagegen laufen kann, wenn die Politik in einem Land ohne Autoindustrie emissionsarme Elektroautos wirklich will und gezielt fördert, zeigt ausgerechnet das reiche Ölförderland Norwegen: Dort hat kurioserweise die 388 PS starke Elektrolimousine Tesla S das Alltagsauto VW Golf vom Platz eins der Zulassungen verdrängt. Dank dem Wegfall der 25-prozentigen Mehrwert- und der Neukaufsteuer, der Streichung von Mautgebühren, kostenlosen Ladestationen und der Freigabe von Busspuren stieg der Marktanteil des Tesla-Stromers im September auf 5,1 Prozent, während das Erfolgsmodell Golf nur auf 4,6 Prozent kam.

Davon ist Deutschland weit entfernt. Die fünf wichtigsten Thesen, warum die deutschen Autoriesen bei der Elektromobilität noch immer auf der Bremse stehen, lesen Sie auf den nächsten Seiten:

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%