Electric Vehicle Index: Rein in die E-Mobilität – raus aus der E-Mobilität

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Electric Vehicle Index: Rein in die E-Mobilität – raus aus der E-Mobilität

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Alleine in den USA hat BMW rund 1.000 i3 verkauft – Deutschland hat bei der Eletkromobilität Nachholbedarf.

von Rebecca Eisert

Deutschland will Elektroautos endlich fördern, in Norwegen soll damit bald Schluss sein. Wann ist wofür der richtige Zeitpunkt?

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt will die Deutschen mit Gratis-Parkplätzen und freier Fahrt auf Busspuren zum Kauf eines Elektroautos verführen. Doch er hat die Rechnung ohne die Kommunen gemacht. Von Berlin bis München, keiner mag sich dafür begeistern.

Dabei haben Norwegen, Italien und die Niederlanden solche Privilegien bereits erfolgreich umgesetzt. McKinsey Autoexperte Christian Malorny hält die nicht-finanziellen Anreize für den richtigen Weg. Elektroautos müssten Begehrlichkeiten bei den Menschen wecken. „Über eine reine CO2-Vernunftdiskussion bekommen sie das nicht hin.“

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Fragwürdige Förderung In Norwegen wird das Elektroauto zum Problem

In Norwegen boomen Elektroautos dank staatlicher Förderung wie in kaum einem anderen Land. Doch die Probleme wachsen. Deutschland sollte genau hinschauen, wie man es nicht macht.

Das Tesla Model S war wegen der Steuererleichterungen zeitweise das meistzugelassene Auto in Norwegen. Ohne die staatliche Förderung wäre die Elekto-Limousine fast doppelt so teuer. Quelle: REUTERS

Im E-Mobilitätsranking, Electric Vehicle Index (EVI), bewertet McKinsey exklusiv für die WirtschaftsWoche, wie stark sich in einem Land Nachfrage und Produktion von Elektroautos durchgesetzt haben. Die USA liegen knapp auf dem ersten Rang, vor Deutschland und Frankreich, das erstmals Japan überholt und auf Rang 4 verdrängt hat.

Einige US-Staaten denken über Steuer auf E-Autos nach

Malorny beobachtet weltweit heftige Umbrüche in der Subventionslandschaft. Die Frage die stellt ist, wann ist der richtige Zeitpunkt, um aus der Förderung wieder auszusteigen? Der Senkrechtstarter Norwegen hat angekündigt, die Dreingabe von 15.000 Euro pro Auto ab der 50.000sten Neuzulassung zu kappen, das könnte schon Anfang 2015 der Fall sein. Was danach passieren könnte, zeigt sich in Holland. Dort lief die steuerliche Vergünstigung 2013 aus, der Absatz schnellte im letzten Quartal auf 17.100 hoch - und brach im ersten Quartal 2014 auf 3.300 ein.

Die größten Hersteller von Elektroautos in Deutschland

  • Platz 10

    Ford: 59 zugelassene Elektroautos

    Seit 2013 hat Ford den Focus Electric im Angebot. Doch der große Erfolg blieb dem E-Focus bislang verwehrt: In Deutschland wurden bis zum ersten Halbjahr 2014 gerade einmal 59 Fahrzeuge zugelassen.

  • Platz 9

    Tesla: 638 zugelassene Elektroautos

    Mit dem Roadster wurde Tesla einst als Elektropionier gefeiert, auch das aktuelle Model S sorgt für Furore. Doch der Aufschwung scheint gerade erst zu kommen: Bereits im ersten Halbjahr 2014 wurden mehr als doppelt so viele Elektroautos von Tesla verkauft als im ganzen Jahr 2013.

  • Platz 8

    Mitsubishi: 926 zugelassene Elektroautos

    Mitsubishi zehrt bei den Elektroautos noch von den Erfolgen des iMiev aus dem Jahr 2011. Damals konnten die Japaner mangels Konkurrenz fast 700 Elektroautos verkaufen. Doch seitdem hat das Interesse am iMiev in Deutschland stark abgenommen, weshalb bis heute nur noch knapp 200 weitere Fahrzeuge dazugekommen sind.

  • Platz 7

    Citroën: 948 zugelassene Elektroautos

    Wie bei Mitsubishi ist die erste Welle des Elektro-Erfolgs bei Citroën wieder abgeklungen. Kein Wunder, schließlich ist der C-Zero der Franzosen mit dem Mitsubishi iMiev baugleich. Er hatte 2012 sein bestes Jahr, danach retteten noch einige Zulassungen für das Citroën-eigene Carsharing die Statistik.

  • Platz 6

    Opel: 1450 zugelassene Elektroautos

    Kein Elektroauto verkaufte sich so gut wie der Opel Ampera. Leider gilt das nur für das Jahr 2012. Seitdem ging es mit den Ampera-Zulassungen bergab, von 828 im Jahr 2012 auf 335 im Jahr 2013. Seit Jahresbeginn 2014 fanden nur noch 46 Amperas einen Käufer.

  • Platz 5

    Nissan: 1712 zugelassene Elektroautos

    Bei Nissan sind die Zulassungszahlen für den Leaf konstanter. Nach dem Anlauf-Jahr 2012 fanden im vergangenen Jahr 855 Leafs einen Abnehmer. Im ersten Halbjahr 2014 waren es wieder knapp 400, womit das Gesamtjahr auf dem Vorjahresniveau liegen könnte.

  • Platz 4

    Renault: 1801 zugelassene Elektroautos

    Mit ihrer Submarke Renault Z.E. gelten die Franzosen als Vorreiter im Elektromarkt. Neben den 1532 Zoe haben seit der Erfassung 2011 auch 269 Fluence Z.E. einen Käufer gefunden. Doch der Erfolg könnte noch größer sein: Der ausgefallene Twizy taucht in der Statistik nicht auf – er zählt offiziell als Quad.

  • Platz 3

    BMW: 1935 zugelassene Elektroautos

    Quasi aus dem Stand schafft es BMW auf das Treppchen. Obwohl der i3 erst im November 2013 auf den Markt gekommen ist, brachte er es bis Jahrsende auf 559 Zulassungen. Bis Ende Juni 2014 kamen 1376 weitere dazu.

  • Platz 2

    Volkswagen: 2050 zugelassene Elektroautos

    Beim größten deutschen Autohersteller wurde die Elektromobilität lange stiefmütterlich behandelt. Doch mit dem Start des E-Up und des E-Golfs stiegen die Zulassungen rapide an. Im ersten Halbjahr 2014 lagen beide Modelle mit knapp über 500 Zulassungen fast gleichauf. Der E-Up konnte aber 2013 schon 785 Zulassungen absahnen, als der Elektro-Golf noch gar nicht auf dem Markt war.

  • Platz 1

    Daimler: 3612 zugelassene Elektroautos

    Die Kleinwagenmarke Smart führt Daimler an die Spitze. Die drei Zulassungen des sündhaft teuren Elektro-SLS sind vernachlässigbar, ebenso die Elektro-B-Klasse. Den Großteil holt Daimler mit dem Smart electric drive, von dem alleine 2013 fast 1900 Exemplare zugelassen wurden. Daran ist das hauseigene Carsharing Car2go nicht unschuldig.

    Quelle: Statista.de, Stand 1. Halbjahr 2014

In den USA – dem Land, das in seinem Bestreben der Elektromobilität zum Durchbruch zu verhelfen, am weitesten gediehen ist - denken einige Bundesstaaten wie Virginia schon über eine Steuer für E-Autos nach. Die Rücknahme der Förderung dürfte der Elektrisierung des Verkehrs überall dort einen empfindlichen Dämpfer verpassen, wo sie auf reinen Geldgeschenken aufbaut, befürchtet Malorny: „Elektroautos werden sich erst dann durchsetzen, wenn die Menschen sie als begehrenswertes Premiumprodukt wahrnehmen.“

Deutschland ist Produktionsstandort Nummer eins

Das gelingt der deutschen Autoindustrie mit Modellen wie BMW i3, VW e-Up und dem neuen VW e-Golf am besten. Die Elektro-VWs erreichten beispielsweise in Norwegen im Juli einen Marktanteil von 49,3 Prozent. 2019 wird Deutschland mit prognostizierten 440.000 Einheiten der weltweit größte Produzent von Elektroautos sein. Aber wie lange noch werden unsere europäischen Nachbarn den Absatz deutscher E-Autos mit ihren Staatsgelder ankurbeln?

„Wir geraten in die Situation, dass der französische Staat indirekt die deutsche Autoindustrie subventioniert“, so Malorny. Vor dem Hintergrund der prekären Lage der französischen Hersteller – bei PSA Peugeot Citroen musste der chinesische Partner Dongfeng eine kräftige Finanzspritze setzen und hat nun deutlich mehr Einfluss auf den Konzern – und der dagegen von Absatzrekord zu Absatzrekord eilenden deutschen Hersteller wirkt das umso skurriler.

Frankreich hat mit dem beliebten Renault Zoe zwar kräftig die Produktion angekurbelt und Japan im Index überholt. Aber noch ist Deutschland ist Angebots-König und Nachfrageniete in einem. Weil der Anreiz für den Geldbeutel und - sollten Gabriels Vorschlägen am deutschen Föderalismus scheitern - auch für praktische Vorteile im Straßenverkehr fehlen, bleiben die Verkaufszahlen von E-Autos niedrig. So kommt es, dass Norwegen mit 22.000 Neuzulassungen seit 2009 Deutschland innerhalb von nur zwei Jahren überholen konnte.

Energiebelastung So viel Müll machen Elektroautos

Elektroautos sollen die emissionsfreie und umweltfreundliche Mobilität der Zukunft bieten. Doch es kommt darauf an, woraus sie gebaut sind – und womit sie angetrieben werden. Sonst werden sie zu Sondermüll-Schleudern.

Quelle: dpa/Montage

Einzig positiv: mit 3600 Neuzulassungen im zweiten Quartal liefert Deutschland einen neuen Rekord. An den Leitmarkt USA reicht es aber noch lange nicht heran. Dort wurden – ebenfalls ein neuer Rekord – von Mai bis Juli 32.000 Elektroautos und Plug-In-Hybride neu zugelassen. Ungebrochen stark ist die Nachfrage nach Nissan Leaf und Tesla Model S. Zudem verkaufte BMW rund 1000 Modelle des i3.

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