_

Elektroautos : Gründer fordern Autoriesen mit neuen E-Mobilen heraus

von Franz W. Rother und Jürgen Rees

Lange haben die Autoriesen den Elektroantrieb als Spielerei abgetan. Doch nun hängen innovative Gründer die etablierten Hersteller mit intelligenten E-Mobilen ab. Denn nie war es für industriefremde Hersteller einfacher, Autos zu bauen.

Absatzprognosen
Absatzprognosen

Achim Kampker wirkt auf den ersten Blick wie ein Student, den man für ein Vorstellungsgespräch zum ersten Mal in einen Anzug gesteckt hat. Etwas schlaksig steht er da, mit akkuratem Seitenscheitel und einem vorsichtigen Lächeln auf den Lippen. Sieht so einer aus, der sich anschickt, die größte Industriebranche der Welt herauszufordern?

Anzeige

Warum nicht? Der 34-jährige Professor für Produktionsmanagement an der RWTH Aachen treibt ein Projekt voran, das Freunden des gepflegten Gasfußes und des satten Auspuffsounds kalten Schweiß auf die Stirn treibt: Es geht um das Ende der von Verbrennungsmotoren getriebenen Massenmobilität. Für manchen ist Kampker so etwas wie der Totengräber des Automobils, wie wir es heute kennen.

Mobilität aus dem Baukasten

Denn der Produktionsexperte will in Deutschland ein emissionsfreies und kostengünstiges Elektroauto im Format des Kleinwagens smart fortwo aus dem Daimler-Konzern bauen. Und Kampker, der mit einem betagten, benzingetriebenen VW Fox an die Hochschule pendelt, belässt es nicht bei Gedankenspielen.

Um das Projekt zu realisieren, hat er mit Forschungs- und Industriepartnern aus Universitätsinstituten und mittelständischen Unternehmen einen neuen Autohersteller geformt, die StreetScooter GmbH. Im kommenden Jahr wollen die Partner erste Prototypen des kleinen Stromers auf die Straße bringen und ab 2012 eine Kleinserie produzieren. Später soll das E-Mobil nach dem Baukastenprinzip in mehreren Karosserievarianten zu haben sein, auch als Pickup und Cabrio – zu Preisen um die 14 000 Euro.

StreetScooter ist das jüngste, aber längst nicht das einzige Beispiel dafür, wie die Elektromobilität beginnt, nicht nur unsere Mobilität zu verändern. Sie rüttelt auch an den Strukturen der Autoindustrie, die mit mehr als zwei Billionen Dollar Gesamtumsatz jährlich zu den größten Branchen weltweit zählt. Und das obwohl der Stromantrieb nach verheerenden Ergebnissen der ersten Feldversuche vor rund 20 Jahren (siehe Seite 104) nicht nur in Deutschland fast abgeschrieben war. In den vergangenen fünf Jahren aber haben rasante Fortschritte im Batteriebau sowie wachsender Druck der Politik, den Individualverkehr klimafreundlicher zu machen, E-Mobilen eine Renaissance beschert.

Verbrennungsmotor wird abgelöst

Zumal Autos mit konventionellem Verbrennungsmotor langsam, aber sicher der Sprit ausgeht. Die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris prognostiziert, dass spätestens 2020 das Fördermaximum beim Erdöl erreicht ist. „Wir sollten das Öl verlassen, bevor es uns verlässt“, mahnt Fatih Birol, Chefökonom der IEA.

Ob 2020 oder 2030: Das Erdölzeitalter im Straßenverkehr neigt sich dem Ende entgegen. Kraftstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen vom Acker oder aus dem Labor mögen den „Peak Oil“-Zeitpunkt noch einige Jahre hinauszögern, verhindern können sie ihn nicht. Und auch wenn einige technische Details noch zu klären sind: Abgelöst wird das Auto mit Verbrennungsmotor durch Fahrzeuge, deren Räder elektrisch angetrieben werden.

Schon 2020, erwarten Experten wie Gregor Matthies vom Beratungsunternehmen Bain & Company in München, werde jedes zehnte Auto elektrisch fahren, bezogen auf den heutigen Bestand wären das in Deutschland rund fünf Millionen Stück. Bis 2030 können es nach Hochrechnungen des Beratungshauses A.T. Kearney sogar rund 14 Millionen Fahrzeuge sein – abhängig davon, wie die Politik den Umstieg in die E-Mobilität forciert (siehe Grafik).

9 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 24.10.2010, 13:18 UhrAnonymer Benutzer: frother

    @anonymus: gehts vielleicht etwas konkreter? intellektuell ist leider DEiN beitrag eine Flunder

  • 09.10.2010, 20:36 UhrAnonymer Benutzer: @ Kern stimmt, aber wiwo kann auch mehr

    Diese E-Auto-beiträge ebenso wie das Solarzellengeschwätz sind die traurigen, absoluten intellektuellen Tiefpunkte bei wiwo, hauchdicht vom theoretischen, absoluten intellektuellen Nullpunkt entfernt. Noch dichter an diesen Nullpunkt gelangt nur noch die linksalternative Öko-/bio- und Sozialindustrie.

    Man muß diesen Unfug, durch den das blatt vor der techn. bildungselite des 21. Jahrhunderts letztlich nur lächerlich gemacht wird, eben abklicken. Es gibt doch sehr viele andere Artikel bei wiwo von anderen Autoren, die wirklich etwas wissen und die wirklich gut sind.

    Vielleicht stoppt man diese Art von Artikeln wenn erkannt wird, daß der Spott der Fachwelt nichts Gutes ist und daß es kein Argument ist zu sagen, die Politik propagiert doch die Dinge ebenso. im Gegenteil: Dort sitzen ja dieselben Öko-bio-Sozial-Nichtswisser, die man als Vorbilder besser nicht haben sollte, wenn man seinen Ruf wahren will.

  • 09.10.2010, 11:17 UhrAnonymer Benutzer: Heinz Thieme

    "...nach verheerenden Ergebnissen der ersten Feldversuche vor rund 20 Jahren..." - falsch, es gab bereits zwei gescheiterte Einführungen des Elektromobils: Mit der Einführung des Automobils versuchte man wegen der damaligen Unzulänglichkeiten des Verbrennungsmotors (vor allem Starten) auch den Elektroantrieb, dann in den 30-er und 40-er Jahren, wo Elektro-Lieferfahrzeuge, Post-Autos zumindest in berlin weit verbreitet waren. Und nun wieder der gleiche Versuch. Die Energiespeicherung hat dieser Antriebstechnik stets das Genick gebrochen, es wird auch jetzt wieder so kommen. Erfolgreich dürfte der Elektroantrieb hingegen bei Motorrollen werden, denn die Reichweite spielt da nicht die Rolle, eine Heizung gibt es nicht, zum Tanken hat man genug Zeit, z.b. jede Nacht, aber beim PKW? Das wollen wir doch besser abwarten, wie hoch der Marktanteil da wird. Wer elektrischen Antrieb haben will, der begebe sich doch bessser zum Auto-Scooter auf der Kirmes.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Die Geldklammer - Gastbeitrag von Frank Dopheide zur Serie "Aussterbende Insignien der Macht"
Die Geldklammer - Gastbeitrag von Frank Dopheide zur Serie "Aussterbende Insignien der Macht"

Teil 8 – Die silberne Geldklammer. Geld regiert die Welt, das war so und das bleibt so. Nur das Geld verändert seine...

Wirtschaftswoche

Inhalt

Abo

eMagazin

iPad

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.