Elektrobikes: Flüsterleise auf zwei Rädern, aber mit Hupe - Seite 2

Elektrobikes: Flüsterleise auf zwei Rädern, aber mit Hupe

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Als echte Spaßmobile erwiesen sich im Test die Gelände- und Motocross-Maschinen. Die Zero X etwa mit 23 PS wiegt nur gut 68 Kilogramm. Auf Knopfdruck lässt sich ihre Motor-Charakteristik einstellen. Im Sportmodus bietet das Leichtgewicht mehr als reichlich Drehmoment, um jeden Hügel zu erklimmen. Obwohl mit 95 Kilogramm etwas schwerer und mit 18 PS schwächer als die Zero X bietet auch die Quantya Strada eine Menge Fahrspaß. Quantya bietet sie seit Ende 2008 für stolze 9600 Euro an. Alleine der Lithium-Polymer-Akku aus Taiwan koste 2000 Euro, sagt Quantya-Chef Claudio Dick.

Der hat es nicht beim Bau der neuen Stromer belassen. Stattdessen setzt er auf eine weitere Vermarktungschance der lautlosen Geländebikes. Denn als Benzin-Variante hat diese Zweiradgattung kaum noch eine Chance: „Alles, was stinkt und kracht, ist verboten“, weiß Quantya-Chef Dick. In Deutschland hat das Unternehmen daher die Einrichtung von zehn Quantya-Parks gefördert. Spielplätze für alle, die sich mit ihren Maschinen gerne über Stock und Stein bewegen. 20 weitere sind geplant.

„Wir erreichen mit dem Angebot junge Leute, darunter viele Frauen“, sagt Dick. Seine Erfahrung: Die Anlagen lassen sich so leicht genehmigen wie Fahrradparks. Die lautlosen, motoröl- und abgasfreien Maschinen könnten den wegen des Krachs und Gestanks verpönten Motocross- und Trial-Sport umweltfreundlicher und sozialverträglicher machen – sogar in Städten.

Erste Modelle gehen 2010 in Serie

So weit sind die großen Hersteller noch nicht. „Wir glauben nicht, dass unsere Kunden Maschinen akzeptieren und kaufen, deren Reichweite bei nur 100 Kilometern liegt und die beim Preis noch einen Batteriezuschlag erfordern“, sagt Rudolf Probst von BMW Motorrad. Frühestens 2012 rechnen die Bayern mit leistungs- und reichweitenstärkeren Akkus. Der österreichische Geländespezialist KTM will bis 2011 E-Modelle auf den Markt bringen, Honda und Yamaha haben erste Modelle für 2010 angekündigt.

Dann soll sich auch der MP3 Hybrid des italienischen Herstellers Piaggio in die Kurven legen. Das Dreirad, das mit dem Autoführerschein gefahren werden kann, besitzt am Hinterrad einen 15 PS-Benzin- und einen 3,5 PS-Elektromotor, der von Lithium-Ionen-Batterien unter dem Sitz gespeist wird. Weil jedes Bremsen die Akkus lädt, verspricht Piaggio weniger als zwei Liter Verbrauch pro 100 Kilometer.

Ähnlich funktioniert auch die futuristische Studie von Peugeot, der Hymotion3 compressor. Das französische Dreirad allerdings verfügt über je einen Elektromotor an den Vorderrädern und einen Verbrennungsmotor am Hinterrad. Zusammen leisten die Antriebe 29 PS. Auch hier sollen zwei Liter pro 100 Kilometer reichen.

Eines der skurrilsten, mit fast 29.000 Euro allerdings auch teuersten Elektrogefährte kommt aus Berlin: Das eRockit des gleichnamigen Herstellers soll in diesem Jahr mit einer Testserie von zehn Exemplaren starten. Der Zwitter aus Fahr- und Motorrad erregt mehr Aufmerksamkeit als jede Harley. Erhaben auf dem Sattel sitzend wie auf einer Enduro soll der Fahrer die Maschine mit Pedalen auf bis zu 80 Kilometer pro Stunde bringen. Denn die Tretenergie speist einen Elektromotor und 336 Lithium-Ionen-Zellen. Der Anzug an der Ampel ähnelt einem 125 Kubikzentimeter-Motorrad, der Spaß ist groß – und lautlos.

So verliert der alte Biker-Spruch „Loud pipes save lives“ – laute Auspuffrohre retten Leben – langsam seine Gültigkeit. Stattdessen wird bei den stillen Elektro-Bikes ein bisher eher nachrangiges Bauteil zum wichtigsten Instrument, die Hupe. Sie warnt Fußgänger vor den rollenden Leisetretern.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 14.11.2009, 17:59 UhrAnonymer Benutzer: silk

    Elektrobikes
    Flüsterleise auf zwei Rädern, aber mit Hupe
    Jürgen Rees

  • 29.07.2009, 19:38 UhrAnonymer Benutzer: Ludwig Pfeifer

    ich hatte das große Vergnügen beide bikes testen zu können und war schlagartig infiziert. Es macht einen Riesenspass, auch für einen, der eigentlich alles auf zwei Rädern schon gefahren hat. Druckvolle beschleunigung, sehr gute bremsanlage und unglaubliches Handling zeichnen die Maschinen aus. Achtung Suchtgefahr ! Wer die Chance hat: Auf jeden Fall probefahren.
    Der Crosser geht ab wie eine Rakete. Kein Wunder bei 72 Kg. Gewicht inkl. batteriepack.
    Gruß Ludwig Pfeifer

  • 27.07.2009, 20:46 UhrAnonymer Benutzer: Galgenstein

    Und es gibt noch einen wesentlichen Unterschied zwischen der Zero X und den anderen Herstellern: die batterie lässt sich mit einem Griff heraus und auf die Etage nehmen. Denn auch wenn die Regierung es gerne hätte, dass wir alle auf Elektrofahrzeuge umstellen: kaum ein Mehrfamilienhaus das über eine Steckdose auf dem Parkplatz verfügte, um die Dinger nachzuladen. Solange die Hausbesitzer nicht verpflichtet sind diese anzubieten, wird es zu keiner Revolution kommen können.
    Ein wenig fragt man sich natürlich schon, warum das alles so lange dauert. Die großen Hersteller scheinen alle an einem "not-invented-here"-Syndrom zu leiden. Anders kann ich mir nicht vorstellen, weshalb kleine Sweatshops so viel schneller mit diesen Produkten auf den Markt kommen.

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