Elektrobikes: Flüsterleise auf zwei Rädern, aber mit Hupe

Elektrobikes: Flüsterleise auf zwei Rädern, aber mit Hupe

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Elektromotorrad Zero S: 30 PS und eine Höchstgeschwindigkeit von 97 km/h

Was die Autohersteller noch nicht liefern können, bringen jetzt zwei Motorradbauer auf die Straße: die ersten flüsterleisen Elektroantriebe in Serie.

Lautlos nähert sich das weiße Motorrad der US-Marke Zero dem jungen Mann. Er schlendert die Grossmannstraße im Hamburger Stadtteil Rothenburgsort entlang, tritt unvermittelt auf die Fahrbahn. Den Seitenblick schenkt er sich. Wozu auch? Es ist still, kein Motorgeräusch warnt vor Gefahr. Erst als Bremsen quietschen, dreht der Mann sich um und schreckt zurück: "Was ist das denn?"

Das ist eines von drei neuen elektrisch betriebenen Motorrädern des US-Unternehmens Zero Motorcycles. Der kalifornische Hersteller, 2005 vom Ex-Nasa-Ingenieur Neal Saiki gegründet, bietet zusammen mit dem Schweizer Produzenten Quantya die ersten Serien-Elektromotorräder an. Die Schweizer brachten die Geländemaschine Strada Ende 2008 auf den Markt. Zero präsentierte seine neue Flotte am vergangenen Mittwoch in Hamburg.

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Es ist der Klick-Start für die lautlose Revolution der geräusch- und abgasarmen Zweiräder. Die Neulinge im Markt kommen allen großen Motorradbauern zuvor. Doch die großen Hersteller wie Honda, Yamaha, BMW, Piaggio, Peugeot oder KTM wollen mit E-Bikes kontern. Die aber kommen frühestens 2010 in den Handel.

Dabei lechzen die Hersteller nach kaum etwas so sehr wie nach neuen Produkten. Die Zweiradbranche hat massive Nachwuchsprobleme. Schon seit Jahren steigen mehr Biker ab als auf. 1999 zählten die Statistiker noch 282.000 Neuzulassungen in Deutschland, heute sind es nur noch 187.000 Stück. Die Wirtschaftskrise bescherte den Herstellern 2009 einen weiteren, schmerzhaften Rückgang um rund 20 Prozent. Das Problem: Kaufkräftige Senioren fahren Motorrad – doch junge Menschen, einst Kernklientel, finden die Spielzeuge der Alten uncool. Teure Führerscheinprüfungen erschweren den Einstieg zusätzlich.

Energie effizient nutzen

Die neuen Stromer à la Zero sollen die Lösung sein. Die ab August für 7400 bis knapp 10.000 Euro vertriebenen Elektrogefährte sind nicht nur still und stinken nicht, sie könnten auch die Verspießerung stoppen. Denn die Motoren sind stark, die Strompreise moderat und die Maschinen wartungsarm, weil sie ohne Getriebe, Kupplung und Ölkühler auskommen.

Zudem ist die Klimabilanz günstig. Der Einwand, dass der Dreck, statt aus dem Auspuff aus dem Kraftwerk entweicht, gilt nur eingeschränkt. Denn während Verbrennungsmotoren höchstens ein Drittel der Energie in Vortrieb umsetzen und der Rest als Wärme verpufft, nutzen Kraftwerke die Power etwa doppelt so effizient aus.

Der einzige Haken an der Technik sind – wie bei den Autos auch – die Batterien. Sie bunkerten lange Zeit zu wenig Energie, waren zu schwer und benötigten zu viel Platz. Erst der Einsatz sogenannter Scheibenläufer-Elektromotoren, die nur etwa die Hälfte der Energie konventioneller Gleichstrommotoren brauchen, sowie der Einsatz von Lithium-Ionen-Batterien wie sie in Handys und Laptops stecken, brachten den Entwicklungsschub: Die Zero S bietet 30 PS Leistung bei nur 101 Kilogramm Gewicht. Ein Drittel bringt der Akku auf die Waage.

Im Optimalfall reicht die Akkupower für fast 100 Kilometer Fahrt bei Tempo 100. Im ersten Fahrtest allerdings zeigt sich, dass die Reichweite auf 70 bis 75 Kilometer sinkt, wenn der Fahrer den Gashahn aufdreht. Eine Akkuladung – vier Kilowattstunden – kostet in Deutschland gerade mal 60 Cent. Noch weiß indes niemand, wie lange die Akkus halten. 600 bis 1000 Ladezyklen versprechen die Hersteller. Das wären maximal 100 000 Kilometer – mehr als ein durchschnittliches Motorradleben. Dann ist eine neue Batterie fällig.

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