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EVI-Index: Abgeschlagen vorn

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Die Deutschen produzieren lieber Elektroautos, anstatt sie zu kaufen.

von Martin Seiwert

Trotz magerer Absatzzahlen führt Deutschland beim globalen E-Auto-Vergleich. Doch das Resultat ist weniger kurios, als es scheint.

Das Jahr 2009 gilt als Beginn der Wiedergeburt der Elektromobilität im Automobilbau. Denn damals kündigte der Großteil der Pkw-Hersteller weltweit an, auf breiter Front massentaugliche Fahrzeuge mit E-Antrieb auf den Markt zu bringen. Inzwischen ist klar: Ausgerechnet Deutschland, von wo aus vor 128 Jahren Carl Benz’ Motorwagen seinen Siegeszug antrat, wird erst einmal kein Musterländle der Elektromobilität. Nur 2800 Elektroautos wurden laut der jüngsten Erhebung des Elektroautoindex Evi von McKinsey und WirtschaftsWoche im vierten Quartal 2013 deutschlandweit verkauft.

Damit rangiert Deutschland – gemeinsam mit China – auf dem letzten Platz der wichtigsten Autoproduzenten der Welt. In Frankreich setzten die Hersteller knapp doppelt so viele E-Autos ab, in den USA zehn Mal so viele. Selbst die Niederlande und Norwegen melden ein Vielfaches deutscher Elektroauto-Verkäufe.

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Mehr als 400.000 Elektroautos kamen laut McKinsey seit 2009 weltweit insgesamt auf die Straßen, aber nur knapp fünf Prozent davon in Deutschland. Dass Deutschland angesichts dieser Entwicklung dennoch, zusammen mit den USA, im Evi-Gesamtergebnis auf Platz eins der führenden Elektroauto-Nationen liegt, erscheint denn auch zunächst kurios.

Grund dafür ist, dass der Evi-Index auf zwei Faktoren basiert: zum einen, wie stark im betreffenden Land die Nachfrage nach Elektroautos ist; zum anderen, wie viele E-Autos die Autoindustrie des Landes produziert. Bei der Nachfrage ist Deutschland zwar weit abgeschlagen, doch es kann durch das erwartete große Angebot an E-Autos den Rückstand wettmachen.

In fünf Jahren werden in Deutschland voraussichtlich 440.000 Elektroautos jährlich vom Band rollen. Nur Japan kann mit prognostizierten 450.000 Autos pro Jahr mithalten, die USA liegen in der Hochrechnung bei 360.000, China liegt bei 290.000 Fahrzeugen.

Electric Vehicle Index

Electric Vehicle Index. Zum Vergrößern bitte anklicken.

Die hierzulande gebauten Elektroautos werden Deutschland auch bei der Elektromobilität zum Exportmeister machen. Im Heimatmarkt dagegen scheint gerade diese starke Stellung der Autoindustrie der raschen Verbreitung des Elektroautos im Weg zu stehen. „Schon die öffentliche Absatzförderung des Elektroantriebs an sich ist in Deutschland ein Politikum“, sagt McKinsey-Autoexperte Christian Malorny. „Die Gefahr ist groß, dass man von der direkten finanziellen Unterstützung nicht mehr wegkommt. Dem Bürger ist schwer zu vermitteln, warum eine derzeit gut verdienende Autoindustrie zusätzlich gefördert werden soll.“ Länder wie Norwegen oder Niederlande ohne große Autobauer agieren bei der Förderung des neuen Antriebs pragmatischer. Sie geben Fahrspuren oder Parkplätze für E-Autos frei, beschleunigen den Bau von Ladestationen und fördern E-Mobile mit hohen Subventionen, egal, von welchem Hersteller.

In Deutschland dagegen sei schon die Frage, welche Fabrikate gefördert werden sollen, nicht leicht zu beantworten: „Bundesländer und Städte werden je nach Nähe zu einem der großen Hersteller anders entscheiden“, sagt McKinsey-Experte Malorny. Das mache die Förderung so komplex und politisch umstritten, dass sie nicht selten ganz unterbleibe.

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In den Niederlanden oder Norwegen dagegen katapultiere genau diese öffentliche Förderung die E-Auto-Verkäufe so nach oben, dass beide Länder neu in den Evi-Index aufgenommen werden konnten. Beide vergleichsweise kleinen Märkte rangieren im Vergleich nun auf dem respektablen fünften und sechsten Platz.

Mehr als 28.000 Elektroautos gibt es bereits in Norwegen, in den Niederlanden sind es rund 32.000. In Norwegen ist derzeit mehr als jedes zehnte verkaufte Auto ein Elektroauto. Die E-Modelle Tesla Model S und Nissan Leaf verdrängten dort schon den VW Golf mit Verbrennungsmotor als meistverkauftes Auto.

In Holland, wo eine staatliche Förderung in diesem Jahr endet, setzten die Händler allein im vierten Quartal 2013 mehr als 17.000 Elektroautos ab. Das sind in etwa so viele E-Mobile, wie in Deutschland in den vergangenen vier Jahren insgesamt einen Käufer fanden.

„Wenn die staatlichen Förderprogramme auslaufen, werden die Absatzzahlen zwar wieder nach unten gehen“, sagt Experte Malorny, „aber es bleibt das Verdienst dieser Länder, dass die Elektromobilität dort heute schon als normaler Bestandteil des Alltags erfahrbar ist.“

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