
Der Gurt im Honda Accord Tourer ruckt zwei Mal heftig an meiner Schulter. Schreck. Was ist los? Im Tachodisplay leuchtet orange ein Auto mit Ausrufezeichen auf. Die Lösung: Offenbar bin ich an einer Ampel zu dicht auf den Vordermann aufgefahren, der eingebaute Abstandsradar hat mich vor einem Aufprall gewarnt. „Endlich sagt das Mal jemand“, kommentiert meine Beifahrerin zufrieden.
Die Neuauflage des Honda Accord-Kombis hat neben solcher Warnungen noch einiges mehr zu bieten: Sie stößt nicht nur mit neuen Sicherheitsfeatures das Tor zum Luxussegment der oberen Mittelklasse auf. Neben viel moderner Technik sieht der Accord auch deutlich attraktiver aus: Vom Lastenesel zum eleganten wie sportlichen Schönling: Das wuchtige Heck des Vorgängers war nicht der Hit und kam bei den Kunden nicht an. Viel Platz, aber nur wenig Charme, deshalb hat Honda nur etwas mehr als 10.000 Autos seit 2003 in Deutschland abgesetzt – fast zwei Drittel davon waren Limousinen. Mit dem neuen Kombi soll das anders werden. Vorbild ist der VW Passat. Dort greifen vier von fünf Kunden zum Kombi.
Die Orientierung in die Lifestyle-Ecke kostet erst Mal Platz: Der Kofferraum des flacheren Autos mit dem schrägeren Heck und einer aufwändigeren Hinterachse schluckt mit 395 Litern jetzt 123 Liter weniger als der Vorgänger. Immerhin kann man über die angenehm niedrige Ladekante ein Mountain-Bike hineinschieben, ohne die Räder zu demontieren.
Technische Daten
Der selbst entwickelte 2,2-Liter-Vierzylinder-Diesel mit 150 PS und Rußfilter ist ein flotter Feger. Er zieht ohne Turboloch gleichmäßig und seidenweich hoch. Die Sechsgang-Schaltung ist wunderbar knackig, was die Tatsache verschmerzen lässt, dass die eigentlich unverzichtbare Automatikversion erst 2009 folgt. Der Verbrauch von knapp sieben Liter Diesel (vorwiegend Autobahn mit Stadtverkehr) in unserem Test ist ein guter Wert für ein Auto mit dieser Größe und diesem Gewicht.
Neben dem neu entwickelten Motor spendiert Honda dem Luxus-Laster jede Menge Sicherheit: Das so genannte „Advanced Safety Paket“ kostet 2450 Euro und beinhaltet:
einen Spurhalteassistenten, der per Videokamera die Fahrbahnlinien überwacht und bei Überschreiten mit einem Piepen warnt. Hört der Fahrer nicht lenkt der Accord gegen. Einen Abstandsradar erkennt vorausfahrende Autos und reguliert bei aktivem Tempomat automatisch den Abstand. Eine Elektronik, die den Wagen mit bis zu 60 Prozent der maximalen Verzögerung selbstständig abbremst, falls ein Unfall droht.
Der Spurhalteassistent hat Probleme, die Markierungen bei Regen zu erkennen, die anderen Systeme funktionierten in dem zweiwöchigen Test gut.
Der Accord bietet wenig Anlass zum Tadel: So hat sich die eingebaute Rückfahrkamera als praktisch erwiesen, denn die Sicht nach hinten ist nur mäßig. Das Lenkrad ist mit mehr als zehn Knöpfen, deren Beschriftung teilweise kryptisch ist, hoffnungslos überfrachtet.
Das Vergnügen den Honda Accord zu fahren, hat seinen Preis: In der Basisversion kostet der Diesel-Tourer knapp 30.000 Euro, der Testwagen schlug mit rund 40.000 Euro zu Buche.











