Ford, BMW, Toyota: Das Kleingedruckte der Diesel-Abwrackprämie

Ford, BMW, Toyota: Das Kleingedruckte der Diesel-Abwrackprämie

, aktualisiert 03. August 2017, 14:59 Uhr
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Der Hersteller zahlt eine Prämie für verschrottete alte Diesel, wenn stattdessen ein neuer Ford gekauft wird.

von Michael Scheppe, Jakob Blume und Julian BeimdieckeQuelle:Handelsblatt Online

Nach dem Dieselgipfel trumpfen die Autohersteller mit Abwrackprämien für alte Dieselautos aus. BMW verspricht 2000 Euro beim Kauf eines neuen Wagens. Doch wie überstürzt die PR-Kampagnen der Hersteller sind, zeigt Ford.

DüsseldorfSchon vor dem Dieselgipfel arbeiteten viele Autohersteller an einer vertrauensbildenden Maßnahme: Bares Geld für alte Diesel. Bis zu 8000 Euro Prämie verspricht etwa Ford neuen Kunden, die ihren alten Wagen mit Diesel gegen einen neuen und schadstoffärmeren Ford eintauschen. Dem US-Autobauer, der auch in Köln produziert, war diese Ankündigung ganzseitige Anzeigen mit dem Titel „Ford Umwelt-Initiative“ in Tageszeitungen wert. Interessenten können auch einen neuen Benziner kaufen und bekommen den Bonus ausgezahlt – sofern ihnen das alte Fahrzeug seit mindestens sechs Monaten gehört.

Das Angebot klingt zunächst verlockend, Enttäuschung droht aber beim Blick ins Kleingedruckte der Anzeige: Denn nicht die ganze Fahrzeugpalette des Herstellers steht für Bonuszahlungen zur Verfügung. Ausgerechnet die Elektro-Variante des Mittelklassemodells Focus ist von der Marketingaktion ausgenommen. Eine Sprecherin konnte auf Handelsblatt-Anfrage zunächst nicht beantworten, warum Ford bei einer „Umwelt-Initiative“ das wohl sauberste Modell von der Prämienzahlung ausschloss.

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Wenig später gibt es Aufklärung. Es habe sich schlicht um einen Fehler gehandelt. „Der elektronische Focus ist natürlich nicht ausgeschlossen“, so die Ford-Kommunikationsabteilung. Der Fehler war auf der Ford-Website bis zum Nachmittag noch nicht korrigiert.

Andere Modelle, etwa der Ford Mustang oder der Ford Focus RS, sind von dem Programm ausgeschlossen, weil sie in „zu kleiner Stückzahl produziert werden“, hieß es bei Ford.

Bei allen Marken lohnt ein Blick ins Kleingedruckte für die Anti-Diesel-Programme. Der Überblick:

Ford

Bei den Kölnern bekommen nur die Halter der ganz alten Dreckschleudern einen Bonus: Alle Dieselfahrzeuge, die nach dem 1. Januar 2006 zugelassen wurden, sind davon ausgenommen. Die „Umwelt-Initiative“ gilt lediglich für Fahrzeuge bis zur Euro-3-Norm. Die Marke des alten Fahrzeugs spielt keine Rolle – der neue Wagen muss aber selbstverständlich ein Ford sein.

Als einziger Autohersteller besteht Ford auf der Verschrottung der alten Dieselautos. Die Halter müssten, verspricht Ford, ihrem Händler das Verschrottungszertifikat vorlegen und würden dann den Bonus angerechnet bekommen. Und der ist gestaffelt – je nach Modell, für das sich der Käufer entscheidet: Für einen Ford Mondeo Hybrid, der rund 36.000 Euro kostet, bekommt der Käufer die volle Prämie von 8000 Euro. Halb so viel wird auf einen neuen Fiesta angerechnet, der für rund 13.000 Euro im Autohaus steht. Das Angebot gilt nur bis Ende des Jahres.

BMW

BMW musste wie Ford auch zum Dieselrapport in Berlin antreten. Die Wechselprämie fällt bei dem Münchener Hersteller aber deutlich geringer aus. Bis zu 2000 Euro stellen die Bayern ihren Kunden in Aussicht – der genaue Betrag hängt davon ab, welches neue Modell sich der Kunde dann aussucht. Eine genaue Staffelung ist hier bisher aber noch nicht festgelegt. Kunden können ihren Diesel – unabhängig von der Marke – bei einem BMW-Händler abgeben. Bedingung: Der Diesel muss der Abgasnorm Euro-4 oder einer noch älteren angehören und mindestens ein Jahr auf den Halter des Wagens zugelassen sein. Der Händler nimmt dann den alten Wagen in Zahlung.

Was mit den abgegebenen Dieseln passiert, steht bisher noch nicht fest. Der Kunde kann sich anschließend einen BMW oder einen Mini aussuchen, der pro Kilometer weniger als 130 Gramm CO2 ausstößt – egal, welchen Antrieb das Auto hat. Eventuelle zusätzliche Angebote wie der Umweltbonus beim Kauf von Elektroautos kommen dann noch oben drauf. Ab wann genau die Prämie eingelöst werden kann, wird laut BMW wahrscheinlich im Laufe der nächsten Woche bekanntgegeben.


„Der Erfolg wird sehr überschaubar sein“

Toyota

Toyota war nicht zum Krisentreffen in Berlin geladen und steht auch nicht in der Kritik. Dennoch nutzen die Japaner die Dieselkrise, um ihre Hybrid-Modelle an den Mann zu bringen: 4000 Euro Prämie gibt es, wenn man einen Diesel gegen einen Hybrid von Toyota eintauscht. Die Prämie berechnet sich aus 2000 Euro für jeden Diesel, der mindestens sechs Monate auf den potentiellen Neukunden zugelassen war, plus 2000 Euro Hybridbonus oben drauf.

Als Neuwagen stellt Toyota den Kunden sieben Modelle zur Auswahl, unter anderem die Modelle Yaris und Prius. Grundsätzlich nehmen die Toyota-Händler alle Diesel-Modelle in Zahlung – unabhängig von der Schadstoff-Klasse, sagte ein Unternehmenssprecher dem Handelsblatt. Das Auto müsse lediglich seit einem halben Jahr auf den Halter angemeldet sein. Was mit den Altautos passiere, entscheide jeder der freien Toyota-Händler selbst: Es sei jedoch wahrscheinlich, dass alte Diesel-Schleudern auf den Schrottplatz wandern, während neuere Modelle weiter verkauft werden, so der Unternehmenssprecher.

Daimler

Daimler kündigte nach dem Gipfel einen „vierstelligen“ Umweltbonus an. Nähere Details dazu will der Stuttgarter Autobauer im Laufe des Tages bekanntgeben, hieß es auf Handelsblatt-Anfrage. So ist bislang noch nicht klar, ob alle Fahrzeuge bis zur Euro-3- oder bis zur Euro-4-Norm von dem Umweltbonus profitieren.

VW

Deutschlands größter Autohersteller hält sich bislang bedeckt: Zu einem Rabattprogramm für alte Diesel wollte sich das Unternehmen auf Handelsblatt-Anfrage am Donnerstag zunächst nicht äußern.

Umweltbonus der Bundesregierung

Unabhängig von den Rabattprogrammen der Hersteller können Auto-Käufer auch eine Kaufprämie für Plug-in-Hybride, Batterie-Autos und Brennstoffzellenautos beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle beantragen. Als Kaufanreiz gibt es 3000 Euro für ein Plug-in-Hybrid und 4000 Euro für ein reines E-Auto. Das Geld kommt zur einen Hälfte vom Autohersteller, zur anderen Hälfte vom Bund. Um die Förderung zu bekommen, darf das Auto nicht teurer als 60.000 Euro sein.

Viele Modelle der E-Pioniere Toyota und Tesla fallen damit aus der Förderung der Bundesregierung raus. Bislang wurde das Programm jedoch nur schleppend angenommen: Knapp 27.000 Autos bekamen seit Bestehen des Programms die Förderung. Besonders stark profitierten die deutschen Autobauer BMW, VW und Audi. Kritiker bemängeln, dass die Förderung für die Modellpalette der deutschen Autobauer maßgeschneidert wurde.

Marktbeobachter sehen zudem kritisch, dass die nun von vielen Marken vorgestellten Prämien-Programme auch für den Kauf neuerer Diesel-Autos mit Euro-6-Norm eingesetzt werden können: Für den Auto-Experten Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen sind sie kein Anreiz, ein neues Diesel-Fahrzeug zu kaufen. „Es ist eine klassische Rabattaktion“, sagte er dem Handelsblatt. „Der Erfolg wird aber sehr überschaubar sein.“

Der Grund: Die Bevölkerung sei verunsichert, ob der Diesel überhaupt noch eine Zukunft habe, so Dudenhöffer. Und wenn man jetzt nicht wisse, so argumentiert der Autokenner, ob mein sein Fahrzeug in einigen Jahren zu einem angemessenen Wert wieder verkaufen könne, würde man wegen einigen Tausend Euro Ersparnis keinen neuen Diesel kaufen.

Das Interesse an neuen Dieselfahrzeugen in Deutschland sinkt weiter: Der Marktanteil der neu zugelassenen Selbstzünder lag im Juli bei 40 Prozent, teilte das Kraftfahrzeugbundesamt mit. Vor einem Jahr lag diese Zahl noch bei 47 Prozent.

Quelle:  Handelsblatt Online
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