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Fragwürdige Umweltpolitik: USA benachteiligen deutsche Autobauer

von Thomas Jahn, Markus Fasse und Carsten Herz Quelle: Handelsblatt Online

Bis 2025 soll der Spritverbrauch von US-Fahrzeugen drastisch sinken. Bei genauem Hinsehen entpuppt sich das Gesetz als Hilfe für US-Autokonzerne. Kurz vor der Präsidentschaftswahl können Geländewagenhersteller aufatmen.

Amerikaner kaufen fast so viele Pick-ups wie normale Pkws. Quelle: dpa
Amerikaner kaufen fast so viele Pick-ups wie normale Pkws. Quelle: dpa

New York, München, FrankfurtAls der US-Verkehrsminister im Mai vergangenen Jahres das VW-Werk in Chattanooga eröffnete, schlugen die Herzen der Manager des deutschen Autoherstellers höher. „Wenn ein Drittel der US-Autos mit Diesel fahren würde, könnten wir täglich 1,4 Millionen Fass Öl sparen“, sagte Ray LaHood. „So viel importieren wir jeden Tag aus Saudi-Arabien, das ist eine große Sache“.

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Das waren neue Töne. Denn Diesel ist in den USA noch recht unbekannt. Deutsche Hersteller wie VW werben seit Jahren für die Technologie. In Washington brachten sie gute Argumente vor: Sowohl der Verbrauch als auch der Ausstoß von CO2 sinkt im Vergleich zu Benzinmotoren deutlich. Anscheinend waren sie bis in die höchsten Reihen der US-Regierung vorgedrungen. Doch die Hoffnung täuschte.

Als LaHood zusammen mit der Umweltbehördenchefin Lisa Jackson vor zwei Tagen eine Verschärfung der Verbrauchsvorschriften für Neuwagen vorstellte, war keine Rede von Diesel-Motoren. Dagegen erhalten Hersteller von Erdgas-Motoren und Elektroautos Vergünstigungen. Das ist vorteilhaft für GM und Ford mit ihren Elektroautos Chevron Volt und Ford Focus.

Besonders ärgerlich für Daimler oder VW: Die Regierung räumt großzügige Ausnahmen für spritschluckende Geländewagen und Pick-ups ein - die Verkaufsschlager der großen US-Produzenten. Der Frust ist groß. Seit November 2011 tobte in Washington ein Kampf der Lobbyisten um die Ausformulierung der Benzinverbrauchsvorschrift „Corporate Average Fuel Economy“ (CAFE).

Die Argumente für Diesel fanden bei der Umweltbehörde „Environmental Protection Agency“ (EPA) Gehör. Doch die Chefin Jackson konnte sich nicht gegen das Verkehrsministerium und Präsident Barack Obama durchsetzen. Die Entscheidung überrascht angesichts der Wahlen im November nicht wirklich. Auch besitzt die US-Regierung 26 Prozent an GM.


Der stille Gewinner kommt aus Japan

Nach den neuen Regeln dürfen Neuwagen in 13 Jahren mit umgerechnet 4,3 Liter je Hundert Kilometer nur noch halb so viel Benzin verbrauchen wie bislang. Das hört sich gut an. Doch während der Verbrauch von Pkws von Jahr zu Jahr um fünf Prozent sinken soll, sind es bei spritschluckende Geländewagen und Pick-ups lediglich 3,5 Prozent. Die Modelle sind in den USA die Verkaufsschlager und Profitbringer von GM, Ford und Chrysler.

Insgesamt kauften Amerikaner laut Branchendienst Autodata 2012 mit vier Millionen Stück fast so viele Geländewagen oder Pick-ups wie Pkws. Die US-Regierung begründet die Regelung damit, dass diese Fahrzeuge eine hohe Zuladung und Anhängelast bewältigen müssen. Man finde immer Gründe, klagt ein VW-Insider, der auf die niedrigen Verbrauchswerte des VW Pick-ups Amarok verweist. Das Gesetz stelle „eine unfaire Bürde für Hersteller, die vornehmlich Passagierfahrzeuge herstellen“ dar, hieß es gestern in einer Mitteilung der Volkswagen Group of America.

Auch der Autokonzern Daimler hadert mit der Neuregelung. Das Unternehmen sieht bei dem neuen Gesetz die Gefahr für ein Missverhältnis zwischen Kundenwünschen auf der einen Seite und staatlichen Regularien auf der anderen Seite, sagte eine Sprecherin. Nichtsdestotrotz will Daimler die Auflagen erfüllen: „Es ist unser Anspruch, dass wir gesetzeskonform sind.“

Präsident Barack Obama hatte seinen Plan bereits im Juli vergangenen Jahres vorgestellt, unterstützt von 13 Autofirmen. Dazu gehört - anders als Daimler und VW - BMW. Zwar monieren auch die Münchener, dass die US-Hersteller bevorteilt werden. Doch BMW kommt zugute, dass reine Elektroautos stark auf den Flottenverbrauch angerechnet werden. Die Münchener zielen im kommenden Jahr mit ihrer Elektroautomarke „BMW i“ auf den US-Markt.

Die Anrechnung der Elektroautos soll BMW auf Jahre den Verkauf schwerer und hubraumstarker Limousinen ermöglichen. „Die Ziele sind eine Herausforderung, aber wir werden sie erfüllen“, sagt ein BMW-Sprecher.

Stiller Gewinner des Gesetzes ist Honda. Die Japaner verkaufen als einziger Anbieter in den USA Autos mit Erdgasmotoren. Das ist die einzige Technik, die von der US-Regierung in den vergangenen Monaten noch in den Vergünstigungskatalog aufgenommen wurde. Der Hintergrund: In den USA wirbt die Erdgaslobby verstärkt für den Brennstoff, der in Amerika immer mehr gefördert wird. So sehr stiegen die Fördermengen, dass der Preis deutlich fiel und die Branche nach neuen Absatzmärkten sucht - wie etwa Erdgasautos.

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