HAGI-Index für historische Automobile: Nicht nur Exoten treiben den Markt

HAGI-Index für historische Automobile: Nicht nur Exoten treiben den Markt

, aktualisiert 29. November 2011, 12:28 Uhr
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Bei der RM Auktion in London im Oktober wurde dieses Avions Voisin C11 Cabriolet für 131.600 Pfund versteigert.  Für den mit einem 2,3 Liter Sechs-Zylinder Schieber-Motor und einer manuellen Dreigang-Schaltung ausgestatten Wagen war nur rund die Hälfte als Ergebnis erwartet worden. (Foto/Quelle: RM Auctions)

Quelle:Handelsblatt Online

In unsicheren Börsenzeiten suchen Anleger weiter nach Alternativen - und greifen auch beim "Alteisen" wieder beherzt zu: Der HAGI-Index für klassische Oldtimer der höchsten Preisregion erreicht einen Rekordstand.

Berlin/London/DüsseldorfNach zwei durchwachsenen Monaten setzt der HAGI-Top Index seinen langfristigen Aufwärtstrend fort. Besonders gut schnitt dabei der HAGI-EX P & F Index ab, mit dem alle Marken außer Porsche und Ferrari gemessen werden. Um 5,36 Prozent stieg der HAGI-TOP Index für klassische Fahrzeuge der Historic Automobile Group International erstmals seit Juli des Jahres. Der Index, der in Deutschland exklusiv von Handelsblatt Online veröffentlicht wird, erreichte mit 138,5 Punkten einen absoluten Höchststand. Seit Januar ist ein Wachstum um 13,94 Prozent zu verzeichnen. Der HAGI-TOP Index blieb damit über dem langjährigen Durchschnittszuwachs von 12.5 Prozent, den HAGI seit 1980 verzeichnet.


Der HAGI-Index weist keine Korrelation mit den gängigen anderen Anlageformen nach. Die Referenzgrösse unserer auf dem Weltmarkt anhand von realen Verkäufen ermittelten Indizes, der Standard&Poors Global 1200 Index, sank etwa seit Jahresbeginn bis Ende Oktober um 5,21 Prozent, während er im Oktober allein um 10,41 Prozent aufholte. Damit zeigte sich auch wieder, dass historische Automobile ein stabiles Long-Term-Investment sind, das dem Trend zunehmender Volatiltiät anderer Anlageformen nicht folgt.

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Klassische Ferrari (HAGI-F Index) konnten leicht um 0,47 Prozent im Vergleich zum Vormonat zulegen, seit Januar sind es immerhin rund 11,05 Prozent. Währenddessen starten die im Index geführten Porsche-Fahrzeuge eine Aufholjagd und legten im Vergleich zum Vormonat um 4,54 Prozent zu, während seit Jahresbeginn noch eine Wertsteigerung in Höhe von “nur” 2,06 Prozent gemessen werden konnte. Dabei ist zu beachten, dass einzelne  Fahrzeuge diesen Trend deutlich übertreffen können.

Ein klassischer Porsche Spyder wurde im Oktober für 1,8 Millionen Euro gehandelt und übertraf damit einen Vorjahreswert um mehr als 50 Prozent. Überdurchschnittlich entwickelten sich aber alle anderen im Index vorhandenen Marken, die um 10,13 Prozent im Vergleich zum September zulegten. Seit Jahresanfang sind es sogar 22,53 Prozent.


Der BMW 507, der noch vor Jahresfrist bei einigen  Verkäufen rund 750.000 Euro erzielte, durchbricht mittlerweile wiederholt die MIllionenmarke. Von dem zwischen 1956 und 1959 in Handarbeit gefertigten Roadster aus der Feder des Grafen Goertz wurden nur 296 Stück gebaut. Jedes Fahrzeug solcher Kleinserien stellt eigentlich ein Unikat dar, weil die Bleche der Aluminium-Karosserie nicht der Presse entstammten sondern von Hand getrieben wurden.

Der Mercedes 300 SL entpuppt sich dagegen auf dem Markt für hochwertige historische Automobile als “Volumenmodell”. Von Roadster und Coupé mit den nach oben öffnenden Flügeltüren wurden immerhin insgesamt rund 3.200 Fahrzeuge hergestellt, entsprechend häufig wechseln die Autos den Besitzer. Auf hochwertigen Auktionen wird meist mindestens ein Exemplar aufgerufen, das je nach Zustand zwischen 350.000 und 700.000 Euro einbringt.

Bei der Artcurial-Auktion in Paris Ende Oktober wurde ein 300 SL Coupé (Flügeltürer) für rund 531.000 Euro versteigert, bei der RM Auktion in London wurden für einen Roadster 389.000 Pfund gezahlt,  ein zweiter wurde trotz eines Gebots von 390.000 Pfund nicht verkauft und ein weiterer Flügeltürer wechselte für 560.000 Pfund den Besitzer.   


Voisin erregt Aufmerksamkeit


Aber auch weniger bekannte Marken konnten im Oktober punkten. Bei der RM-Auktion in London am 25. Oktober wurden zwei seltene Avion Voisin für bedeutende Beträge versteigert.  Gabriel Voisin hatte seine Karriere als Flugzeugkontrukteur begonnen. Das hier gewonnene Know-how wurde auch bei seinen Autos in erfolgversprechende Prinzipien umgesetzt: Konsequenter Leichtbau, rostfreie Werkstoffe und Stromlinienform zeichneten die auch als Art Déco-Autos bekannten Fahrzeuge aus.

Beim Avion Voisin C11 Cabriolet (1927) wurde laut Katalog ein Preis von 42.000 bis 68.000 Pfund erwartet. Der Hammer fiel bei 131.600 Pfund.  Das C25 Cimier Coupé erzielte sogar 380.000 Pfund, hier waren zwischen 270 und 320.000 Pfund gesetzt. Offensichtlich war manch ein Sammler auf die Marke aufmerksam geworden, weil ein Voisin C 25 Aerodyne die vielbegehrte Trophäe “Best of Show” beim diesjährigen Pebble Beach Concours d´Elegance im kalifornischen Carmel gewonnen hatte.  

Immerhin zehn Prozent der 50 im HAGI Top Index vertretenen Fahrzeuge sind vor dem zweiten Weltkrieg gebaut worden, ein Voisin ist derzeit nicht dabei. Vorkriegsfahrzeuge sind ein wertvolles Investment, weisen aber aufgrund ihrer absoluten Seltenheit hohe Wertschwankungen auf, die eine Index-Messung erschweren. Viele Fahrzeughersteller hatten sich auf die Produktion von Chassis, Motor und Antrieb konzentriert und überliessen den Aufbau einer Karosserie-Schmiede.


Einfluss auf den Anstieg des HAGI-Top Indexes nahm der Verkauf des Shelby GT 350, der nur in 1965 und nur 562 mal gebaut wurde. Das für den Rennsport bestimmte Modell, das auf dem Ford Mustang basierte, wurde fast ausschließlich in weiß geliefert, meist mit blauen Längsstreifen. Der Shelby war Stammgast auf den Rennstrecken und wurde von einem 306 PS starken 4,7 Liter V8 Motor befeuert. Auch der Shelby, der bis vor kurzem selten mehr als 150.000 Euro erreichte, wechselte im Oktober für 200.000 Euro den Besitzer. Das Ergebnis liegt noch unter dem durchschnittlichen Zuwachs der alternativen Marken von mehr als 22 Prozent.

Der HAGI-Top-Index zeigte im Oktober nicht nur ein weiteres Mal, dass es zwischen historischen Fahrzeugen und anderen Anlageklassen keine Korrelation gibt. Sondern auch, dass der Investor am besten aufgestellt ist, der sich nicht nur auf eine Marke, eine Fahrzeugklasse oder eine bestimmte Periode konzentriert. Stattdessen ist der Aufbau eines weit gespannten Portfolios gefragt, in dem alle Marken, alle Fahrzeugarten und alle Zeiträume vertreten sind.

Überblick: Die besonders wertstabilen und hochpreisigen Classic Cars

Quelle:  Handelsblatt Online
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