Historisch hohe Preisnachlässe: Ungebremste „Rabattsause“ am deutschen Automarkt

Historisch hohe Preisnachlässe: Ungebremste „Rabattsause“ am deutschen Automarkt

, aktualisiert 09. Oktober 2017, 12:31 Uhr
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Außer Ferrari, Volvo und ein paar kleineren Marken sind mittlerweile fast alle Autohersteller mit Umwelt-, Diesel- oder Abwrackprämien unterwegs.

von Frank G. HeideQuelle:Handelsblatt Online

Am Dieselskandal hat die Autobranche wohl noch lange zu „knabbern“. Dies gilt nicht nur für die Technik, sondern das zeigt sich aktuell auch am Markt: Die Umwelt- und Abwrackprämien klettern auf neue Höhen.

DüsseldorfDie Verunsicherung der deutschen Auto-Neuwagenkäufer, die angesichts des Dieselskandals eine abwartende Investitionshaltung zeigen, treibt die Autohersteller zu immer mehr Preisaktionen und immer neuen Rekordprämien. Das ist ein Ergebnis der monatlichen CAR-Studie, mit der das Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen das Preisgeschehen am deutschen Automarkt regelmäßig analysiert.

So hat der Rabatt-Index des Instituts im September einen neuen historischen Höchstwert von 152 Punkten erzielt. Im Januar 2010 wurde der CAR-Rabatt-Index mit dem Wert 100 gestartet. Je höher der Wert des Rabatt-Indexes, umso höher die im Markt gewährten Rabatte auf Neuwagen.

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Zwar ist die Steigerung bei den Rabatten gegenüber dem August 2017 im September „nur“ noch leicht angestiegen, aber die „Rabattsause“ in deutschen Automarkt geht weiter: Außer Ferrari, Volvo und ein paar kleineren Herstellern sind fast alle mit Umwelt-, Diesel- oder Abwrackprämien unterwegs. So sind im September noch Kia, Jaguar und Land Rover in den Rabattreigen mit Diesel-Wechselprämien eingestiegen.

Einerseits, so erläutert CAR-Institutsleiter Ferdinand Dudenhöffer, sei die Zahl der Hersteller-Aktionen aufgrund der „Umweltprämien-Rallye“ auf 657 gestiegen – eine so große Zahl von Rabattmaßnahmen gab es seit Januar 2010 nicht mehr. Andererseits ist auch der durchschnittliche Kundenvorteil bei diesen Sonderaktionen auf 16,1 Prozent des Listenpreises angestiegen – ein weiterer „Rabattrekord“.

Dudenhöffer spricht von einem „ausgerollten Rabattteppich“ und glaubt, dass „es schwer werden wird, die Kunden nach den Umweltprämien in drei oder sechs Monaten an "normale" Verhältnisse zu gewöhnen“. Der Dieselskandal hinterlasse somit einen „Dauerschaden“ im Markt, sprich bei den Margen und Gewinnen der Autobauer.

Wie schwer es den Herstellern fällt, nach einer hohen Rabattphase wieder auf ein „normales“ Geschäft umzustellen, zeigt laut CAR die Entwicklung der Eigenzulassungen. In den vergangenen fünf Jahren sind diese Kurzzeit-Zulassungen auf Hersteller und Händler spürbar auf knapp 30 Prozent gestiegen. Denn Fahrzeuge, die einmal zugelassen wurden, können danach als Tageszulassungen gebraucht, also günstiger, verkauft werden.

Im vergangenen Monat wurden laut VDA gut 288.000 Pkw zugelassen, ein Rückgang um drei Prozent. Dabei ist der Absatz von Diesel-Autos so stark geschrumpft wie lange nicht. Die Neuzulassungen von Selbstzündern seien im September um 21,3 Prozent eingebrochen, teilte das Kraftfahrt-Bundesamt mit. Zuletzt hatte es vor gut acht Jahren einen ähnlich starken Rückgang gegeben. Nur noch gut jeder dritte Neuwagen (36,3 Prozent) war im September ein Diesel. Dagegen legte der Verkauf von Benzinern weiter zu und kam auf einen Anteil von fast 60 Prozent.

Laut den aktuellen Zulassungszahlen stützen vor allem ausländische Marken den Verkauf, zu denen knapp jeder dritte Neuwagen zählt. Während sie in den ersten neun Monaten um neun Prozent zulegten, blieben die Marken deutscher Konzerne ein Prozent unter dem Vorjahreswert.

Privatkunden machen wegen drohender Fahrverbote in Ballungsräumen schon seit einigen Monaten einen Bogen um Dieselautos und stellen sich lieber Fahrzeuge mit Benzinmotor in die Garage. Inzwischen halten sich nach Branchenangaben auch große Firmen beim Diesel zurück. Experten rechnen daher damit, dass der Dieselanteil in den nächsten Monaten weiter fallen wird.

„Erstaunlich“ findet CAR-Leiter Dudenhöffer vor diesem Hintergrund, dass die Autobauer es versäumen, die Käuferverunsicherung zu „verkleinern“, etwa indem neue Diesel als EURO 6d klassifiziert werden. Dies würde jedem Kunden zusammen mit eine Informationskampagne der Autobauer klar signalisieren, bei welchem Diesel man eben nicht die Katze im Sack kaufe, kritisiert der Auto-Professor. Stattdessen wolle die Industrie offenbar die „Katze im Sack mit noch höheren Rabatten aufhübschen“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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