Honda Insight Hybrid: Blumen sammeln im Star-Trek-Cockpit

Honda Insight Hybrid: Blumen sammeln im Star-Trek-Cockpit

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Mit einer Wertung von 7,13 Punkten wird der Honda Insight Hybrid vom VCD als umweltfreundlichstes Auto der in Deutschland so wichtigen Kompaktklasse ausgezeichnet.

von Jürgen Rees

Mit dem Insight hat Honda den Preis für Hybridautos geschrumpft. Knapp 20 000 Euro kostet der fünfsitzige Kompaktwagen, das sind rund 6000 Euro weniger als der japanische Konkurrent Toyota für den Prius verlangt. Dafür bietet der Insight einen 1.3 Liter-Benziner, der mit Unterstützung des Elektromotors 98 PS leistet und einen Verbrauch von lediglich 4,6 Litern verspricht.

Der Verkehr auf der Autobahn A1 in Höhe von Köln stockt. Ein Lastwagenfahrer steigt aus seiner Kabine und fragt irritiert: "Warum kommen denn aus Ihrem Auspuff Abgase? Das ist doch ein Hybrid, der fährt doch elektrisch, oder?" Aber nicht immer ist ein Vollhybrid drin, wo Hybrid draufsteht. Und der wäre nötig, um rein elektrisch zu fahren.

Das kann der Honda Insight im Vergleich zu seinem Konkurrenten Toyota Prius nicht. Was nichts heißen muss. Denn erstes Ziel der Hybrid-Technik - einer Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor - ist Sprit sparen. Wie das geschieht, mit einem aufwendigen System wie dem im Prius oder einem abgespeckten, deutlich leichteren wie im Insight, ist zweitrangig. Hauptsache es funktioniert.

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Bislang war das Vertrauen in die japanische Technik groß, die Anspruchsvolle Hybridtechnik funktionierte im Alltag in der Regel einwandfrei. Doch im Moment werden beide japanischen Hersteller von aufwendigen Rückrufaktionen gebeutelt.

Nach Problemen bei Toyota ruft jetzt auch Honda massenweise Fahrzeuge in die Werkstätten. Betroffen sind vorerst nur in den USA 379 000 Wagen - offenbar sind die Airbags fehlerhaft. Erst am vergangenen Dienstag hatte Toyota einen weltweiten Rückruf für die Modelle Prius, Prius PHV, SAI und Lexus HS250 angekündigt. Bei den Fahrzeugen soll die Software für das Antiblockiersystem erneuert werden.

Beim Insight sorgt für den Antrieb ein sogenannter Mildhybrid. Ein kleiner Elektromotor mit 14 PS unterstützt beim Beschleunigen den 1,3-Liter-Benziner mit 88 PS. Im Schiebebetrieb und beim Bremsen lädt der Elektromotor die Akkus, die den Strom für den Elektromotor liefern. Mildhybrid bedeutet, dass der Insight nicht dafür ausgelegt ist, rein elektrisch zu starten oder längere Strecken zu fahren. Dafür wiegt die Einheit nur 58 Kilogramm.  

Lieferant der Nickel-Metallhydrid-Batterie ist der japanische Spezialist Sanyo. Der Akku sitzt unter dem Kofferraumboden und besteht aus sieben Modulen, die aus 84 Einzelzellen mit 1,2 Volt zusammengesetzt sind. Die Gesamtspannung der Batterie beträgt 100,8 Volt, sie hat eine Kapazität von 5,75 Ampere-Stunden. Die Sorge um eine defekte und damit teuer zu ersetzende Batterie nimmt Honda allen Interessenten und gibt 15 Jahre Garantie bis maximal 240.000 Kilometer Laufleistung, auf den Hybridantrieb acht Jahre (160.000 km), auf den Rest drei Jahre (100.000 km).

Von der ganzen Technik – dazu gehört noch ein Start-Stopp-System, das den Benziner an der Ampel aus- und beim Druck aufs Gaspedal wieder ruckfrei anschaltet – ist nicht viel zu merken. Alles funktioniert unauffällig und problemlos. Zündung an, Gangstufe des Automatikgetriebes einlegen, Gas geben und losfahren. Der fünfsitzige Insight nimmt Fahrt auf und fühlt sich wie ein ganz normaler Kompaktwagen an.

Gewöhnungsbedürftig ist das eigentlich bequeme, serienmäßige stufenlose CVT-Automatikgetriebe. Tritt man aufs Gas, schnellt erst mal nur die Drehzahl hoch, das Tempo steigt erst danach an. Beim Beschleunigen, also bei hohen Drehzahlen, jault der Benziner zudem unangenehm auf. Das stört, weil es gut zu hören ist. Denn an der Dämmung hat Honda ganz offensichtlich gespart, genauso wie an den teilweise billig wirkenden Innenraummaterialien. Es knarzt zwar nichts, aber da scheint der Kampfpreis seinen Tribut zu fordern.

Blümchen für sparsames Fahren

Überhaupt waren im Innenraum wohl die Star-Trek-Designer bei der Gestaltung des spacigen Cockpits am Werk: Alles so schön bunt hier. Erstaunlicherweise ist man aber schnell mit den verschiedenen Anzeigen und Displays vertraut. Nach kurzer Gewöhnung sind alle Instrumente klar ablesbar, Schalter und Tasten liegen gut zur Hand.

Witzig und für Menschen mit eingebautem Bleifuß durchaus hilfreich sind die virtuellen Blümchen im Display mit denen der Insight sparsame Fahrweise belohnt. Bis zu fünf leuchten bei zurückhaltendem Gasfuß. Geht das Ökoschwein mit dem Fahrer durch, läuft man Gefahr, dass die das Auto mitnutzende Partnerin fragt: Schatz, bist Du wieder gerast. Denn wenn man hastiger fährt, verwelken sie wieder, was gleich bedeutend mit einem höheren Spritverbrauch ist.

Für den Verbrauch verspricht Honda wahre Wunder: Mit nur 4,6 Litern soll sich der Insight begnügen. Das haben wir bei weitem nicht geschafft. Im zweiwöchigen Test, der mit grimmigen Außentemperaturen von minus zehn Grad Celsius zusammenfiel,  haben wir mit regelmäßigen Autobahnfahrten immerhin 6,2 Liter Super gemessen. Weil es so kalt war und die Heizung kräftig arbeiten musste, kam beispielsweise die Sprit sparende Start-Stopp-Automatik nur sehr selten zum Einsatz.

Auf einer Sparfahrt mit äußerst leichtem Gasfuß kamen wir auf nur noch 5,2 Liter/100 km. Dennoch konnte der Insight beispielsweise in den USA, wo Hybride besonders beliebt sind, dem Prius das Wasser nicht reichen. So setzte Honda 2009 dort nur 20 572 Autos ab, während der Prius ganze 139 682 Mal verkauft wurde. Möglicherweise liegt das an dem hohen Prestige, dass das rein elektrische Fahren darstellt. In Deutschland betrug der Hybridanteil an den Gesamtzulassung spärliche 0,2 Prozent, deshalb sind die Ziele Hondas mit 5000 verkauften Insights pro Jahr (200 000 weltweit) ehrgeizig.  

Fazit: Der 4,40 Meter lange Insight ist ein absolut alltagstauglicher Wagen für Ökofreaks, denen das Knausern an sich eine Lust ist. Soll es mal flotter vorwärts gehen, klappt das auch, nur die Fahrfreude bleibt bei den Begleitgeräuschen etwas auf der Strecke. 

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