Hybridsportwagen: Autodesigner Fisker: Hybridauto Prius ist langweilig

InterviewHybridsportwagen: Autodesigner Fisker: Hybridauto Prius ist langweilig

von Matthias Hohensee

Autodesigner Henrik Fisker über den sparsamsten Sportwagen der Welt, Probleme der Autoindustrie und Träume.

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Henrik Fisker, Gründer und Chef von Fisker Automotivevor dem Fisker Karma. Der Wagen soll neue Maßstäbe setzen.

Herr Fisker, was war die größte Herausforderung, bei der Entwicklung des Karma?

Die Mentalität meiner Mitarbeiter zu ändern. Ich habe Ingenieure von meinem Exarbeitgeber BMW und Daimler geheuert. Dort gibt es zwar auch ein Budget. Wenn das überzogen wird, ist das nicht gut, aber es wird später ausgebügelt. Bei einem Startup geht das nicht. Unser Budget beträgt ein Viertel von dem, was bei Serienfahrzeugen üblich ist.

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Wie haben Sie das Umdenken erreicht?

Flache Hierarchien geben meinen Mitarbeitern mehr Entscheidungsfreiheit, aber auch die direkte Verantwortung. Wir sind wahrscheinlich der einzige Autobauer der Welt, der keine separate Produktentwicklung hat. Diese Trennung hat mich schon immer gestört. Bei einem Autohersteller sollte das Management auch die Produkte planen, schließlich muss es für ihren Erfolg sorgen.

Wie viele Gespräche mussten Sie mit Investoren führen?

Hunderte. Die Fahrzeugbranche ist ja momentan bei Investoren aus gutem Grund unbeliebt. Wichtig war klarzumachen, dass wir anders als traditionelle Hersteller aufgestellt sind, dass wir ein gefragtes Produkt haben und dadurch deutlich profitabler sein werden. Seien wir ehrlich: Niemand braucht noch eine neue Fahrzeugmarke nach altem Muster.

Warum braucht die Welt Ihr Auto?

Weil eine neue Technologie und Philosophie dahintersteht, für die Kunden ihre Automarke wechseln werden. Ich vergleiche das mit Apples iPhone. Hätte man denen ein Telefon abgekauft, wenn es sich nicht von den üblichen Nokia-Han-dys unterschieden hätte? Wir haben auch so ein radikal neues Produkt – ein Fahrzeug, das in der Reichweite nicht eingeschränkt ist, weil sein Strom bei langen Fahrten von einem per Benzinmotor angetriebenen Generator erzeugt wird.

Am Karma arbeiten über tausend Leute, nur ein Bruchteil ist bei Ihnen angestellt.

Richtig. Wir haben weniger als hundert Mitarbeiter. Dafür binden wir die Zulieferer sehr eng ein. Zudem haben wir uns entschieden, die Montage komplett an Valmet in Finnland zu geben, die auch Porsches Boxster und Cayman fertigen.

Das spart sicherlich Kosten. Aber wie stellen Sie die Qualität sicher?

Das Zulieferermodell ist in der Autoindustrie durch jahrzehntelange Praxis erprobt. Nur das Design und die Integration der Antriebstechnik kommen von uns und die Integration der gesamten Teile ins Fahrzeug. Das ist eine echte Herausforderung und gleichzeitig unser strategischer Vorteil gegenüber traditionellen Herstellern. Denn wir alle stehen vor völlig neuen Fragen: Wo bringt man den Akku unter, wo platziert man den Verbrennungs- und Elektromotor? Und wie stimmt man beide so ab, dass sie harmonieren? Wir mussten die Integration der Teile neu erfinden und dabei die Gewichtsverteilung beachten. Nun ist alles sehr dicht gepackt. Der Akku zieht sich durch einen Tunnel in der Mitte des Fahrzeugs. Da lässt er sich leicht montieren und bei Bedarf austauschen.

Hatten Sie beim Design dann überhaupt noch Freiheiten?

Durch die neue Konstruktion haben wir eine ganz andere Form hinbekommen. Ein Traum für Designer. Jetzt sitzt man im Karma so tief wie im Porsche 911, weil unser Tank kleiner ist. Im Normalfall liegt der unterm Rücksitz, so haben Designer bei der Höhe keine Wahl.

Wann kommt der Karma nach Europa?

Im September, wenn wir auch in den USA starten. Die meisten Vorbestellungen aus Europa kommen derzeit aus Deutschland, gefolgt von der Schweiz.

Elektroautos sind eine winzige Nische. Selbst der Hybridabsatz ist trotz des Erfolgs von Toyotas Prius überschaubar.

Reine Elektrofahrzeuge werden ein Nischenprodukt bleiben. Wer sich darauf konzentriert, verschwendet Zeit und Geld. Die Reichweite ist zu gering. Und auch Hybridfahrzeuge werden von den Plug-in-Hybriden abgelöst, weil die das Beste beider Welten vereinen.

Als international bekannter Fahrzeugdesigner haben Sie Dinge erreicht, von denen viele träumen. Warum haben Sie Ihren Job bei Aston Martin aufgegeben und sind Unternehmer geworden?

Meine Träume gingen schneller in Erfüllung, als ich dachte. Aber ich kann ohne Träume nicht leben. Genauso wenig ohne spannende Autos. Niemals könnte ich mich mit etwas Langweiligem wie dem Prius abfinden. Nur drohte die Gefahr, dass Politiker uns eines Tages diese Fahrzeuge aufzwingen. Warum also nicht ein Auto bauen, das Lust am Fahren weckt und dabei die Umwelt schont, ohne dass ein Kilometer- oder Tempolimit verordnet werden muss? Das ist mein Traum.

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