Hybridsportwagen Fisker: Grüne Attacke auf Porsche

Hybridsportwagen Fisker: Grüne Attacke auf Porsche

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Das Karma Cabrio S auf der Motor Show in Detroit. Das Modell soll Schnelligkeit und Sparsamkeit vereinen.

von Matthias Hohensee

Schnell und ultrasparsam: Mit einem neuen Hybridsportwagen will Autodesigner Henrik Fisker Porsche angreifen.

Rasen beim Reisen. Wenn Henrik Fisker durch Deutschland fährt, holt er nach, was dem Autodesigner in seiner Wahlheimat Kalifornien so fehlt: der Gasfuß am Bodenblech. „Die Deutschen fahren souverän“, sagt er und stilisiert das fehlende Tempolimit auf Autobahnen gleich zum Wettbewerbsvorteil: „Das beflügelt deutsche Fahrzeugkonstrukteure, an die Grenzen zu gehen.“

Das will auch Fisker. Denn der 46-jährige Däne, der bereits für BMW und Ford Autos entwarf, will sportliches und umweltverträgliches Fahren vereinen. Ein Ziel, das in Zeiten steigender Spritpreise und verschärfter Umweltgesetze alle Autohersteller umtreibt.

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Die Antwort des Dänen ist eine schnittige Limousine namens Karma. Das gemeinsam mit dem deutschen Ingenieur Bernhard Köhler entwickelte Auto hat eine Spitzengeschwindigkeit von 200 Stundenkilometern. Dabei soll der 403 PS starke Karma in weniger als sechs Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen – und doch im Schnitt nur 3,5 Liter Benzin pro 100 Kilometer verbrauchen. Für die bisher einmalige Liaison von Leistung und Sparsamkeit soll eine Kombination aus Elektro- und Benzinantrieb sorgen. Zwei Elektromotoren beziehen ihre Energie auf den ersten 80 Kilometern aus einem 22 Kilowattstunden starken Lithium-Ionen-Akku. Den Fahrstrom für weitere bis zu 400 Kilometer liefert ein Generator, der von einem Zwei-Liter-Benzinmotor mit Turbolader und 260 PS Leistung gespeist wird.

Reichweite bei Elektroautos zu gering

Autoentwickler nennen das Konzept „Plug-in-Hybrid“ – ein Mischantrieb, dessen Akkus sich durch Einstöpseln in eine Steckdose (englisch: „plug-in“) aufladen lassen. Sein Stromspeicher, verspricht Fisker, sei in vier Stunden voll. Von reinen Elektroautos wie dem Tesla Roadster oder dem Leaf von Nissan hält er nichts: „Die Reichweite ist zu gering“. Sein Urteil deckt sich mit dem vieler Automanager, die sich sehr für die Plug-in-Hybridtechnik interessieren.

Der Karma soll im September herauskommen, zeitgleich in Europa und den USA. 2011 folgt das Cabrio Karma S und 2012 ein Mittelklassemodell, Codename Nina. Rund 88 000 Dollar wird der Karma kosten, der Nina rund 40 000 Dollar.

288 Millionen Dollar hat Fisker für sein mit dem kalifornischen Batterie- und Elektroantriebsspezialisten Quantum Technologies gemeinsam gegründetes Unternehmen Fisker Automotive bei Investoren eingesammelt. Weitere 529 Millionen Dollar gibt die US-Regierung als Kredit dazu. Was die Investoren überzeugte, war der Ansatz, stärker als üblich Externe in Entwicklung und Fertigung einzubinden. General Motors etwa stellt den Benzinmotor bereit. Den zu entwickeln hätte Fisker 150 Millionen Dollar gekostet. Das Chassis wiederum kommt von Opels Beinahe-Käufer Magna.

Erfolg hängt von der Wirtschaftslage ab

Mit dem Karma würde Fisker zeitgleich mit dem ebenfalls im September erwarteten Chevrolet Volt von General Motors erscheinen. Beide Autos nutzen die gleiche Antriebstechnologie, zielen aber auf unterschiedliche Märkte: Der Chevy soll lediglich 40 000 Dollar kosten, weniger als die Hälfte des Karma. Während der 150 PS starke Volt eher für genügsames Fahren steht, visiert Fisker sportliche Fahrer an.

Größter Konkurrent des Sport-Stromers aber ist ohnehin der Tesla-Roadster, der bereits seit Juni 2009 für rund 110 000 Dollar auf dem Markt ist. Tesla bereitet derzeit einen Börsengang vor. Die Fahrzeuge des Unternehmens fahren allerdings rein elektrisch. Solange es nicht ausreichend Stromtankstellen zum Nachladen gibt, ist ihre Reichweite begrenzt.

Auch deshalb kalkuliert Fisker mit einer großen Nachfrage. Er will 15 000 Karmas pro Jahr verkaufen und mit dem Mittelklassemodell gar in Regionen von 100 000 Autos vordringen – mehr als Porsche derzeit in den USA verkauft. Ob ihm das gelingt, hängt entscheidend von der Wirtschaftslage ab: Ein neuer Krisentiefpunkt und damit fallende Benzinpreise, Probleme mit den Zulieferern oder ein spektakulärer Elektrounfall – schon droht Fiskers Karma-Kracher der Kurzschluss.

Maryann Keller, Chefin des Beratungsunternehmens Maryann Keller and Associates aus Greenwich, Connecticut, ist jedenfalls skeptisch, ob Startups wie Tesla und Fisker eine Zukunft haben: „Die Autoindustrie favorisiert Großunternehmen.“

Insofern ist der Name des Wagens gut gewählt. Soll der Karma ein Erfolg werden, braucht der Däne eine Menge davon.  

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