IAA: Akkus für Elektroautos werden billiger

IAA: Akkus für Elektroautos werden billiger

von Jürgen Rees

Dem Siegeszug der lautlosen Elektroautos stehen bisher ihre geringe Reichweite und die immensen Kosten für die Batterien entgegen. Zumindest die Preise für die Akkus sinken jetzt dramatisch.

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Aufladestecker für Elektroautos

Zum ersten Mal haben die leise surrenden Elektroautos eine eigene Halle auf der 64. Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt, die am 15. September beginnt. Alle großen Hersteller zeigen darin Autos, die dank eines Elektromotors und einer Batterie zumindest lokal ohne Emissionen unterwegs sein können. Nur zu kaufen gibt es noch nicht allzu viele Elektroautos. Einer der wenigen ist beispielsweise der Mitsubishi i-MiEV – ein Kleinwagen zum stolzen Preis von 35 000 Euro.

Der Grund dafür ist klar: Die Batteriepreise sind die größte Hürde auf dem Weg zum Elektroauto-Massenmarkt. Noch vor einem Jahr kostete eine Kilowattstunde rund 1000 Euro. Für einen Kleinwagen bedeutete das, dass alleine der Energiespeicher 15 000 Euro kostet. Zu viel für Autos, die damit nur eine Reichweite von rund 100 Kilometer haben.

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Deutsche Hersteller auf Aufholjagd

Doch weil Autohersteller, Zulieferer und traditionelle Batteriehersteller sich inzwischen ein weltweites Wettrennen um die größte, effizienteste und billigste Produktion der Lithium-Ionen-Akkus eröffnet haben, sinken die Preis schneller als erwartet. Konzerne wie LG Chem, Johnson Controls oder A123 investieren kräftig in neue Batteriewerke - zum Teil mit Autoherstellern. LG kooperiert in Nordamerika beispielsweise mit General Motors. Zulieferer mischen ebenfalls, denn sie fürchten unter die Räder zu kommen, wenn eines Tages kein Hersteller mehr ihre Getriebe, Zündkerzen und Vergaser benötigt. Bosch kooperiert mit dem koreanischen Hersteller Samsung – sie gründeten das Gemeinschaftsunternehmen SB Limotive. Die Firma hat in Korea gerade eine Fabrik eröffnet, die bald Zellen für 180.000 Autos im Jahr produzieren soll. Daimler baut im sächsischen Kamenz sowohl Zellen als auch fertige Batteriesysteme. Die Stuttgarter haben dazu zwei Gemeinschaftsunternehmen mit dem Essener Spezialchemiehersteller Evonik gegründet - die Firmen Li-Tec und Deutsche Accumotive.

Die Aufholjagd der deutschen Hersteller geht weiter: Gerade baut beispielsweise das Lübecker Unternehmen OMT in Geesthacht bei Hamburg die bald größte Fabrik für Lithium-Ionen-Batterien in Europa. OMT liefert unter anderem die Zellen für das Stadtstromer Streetscooter, der derzeit in Aachen entsteht (siehe Wirtschaftswoche Heft 37) und der als Prototyp auf der IAA gezeigt wird. „Die Preise sind bereits auf unter 500 Euro pro Kilowattstunde für qualitativ hochwertige Akkus gesunken", bestätigt OMT-Geschäftsführer Detlef Repenning. Damit haben sich die Preise halbiert. Und Repenning glaubt, dass sie noch viel schneller auf 250 Euro sinken werden, als dies viele Experten vorhergesagt haben. „Ich glaube, das wird vor dem Jahr 2015 sein. Der Preis für qualitativ einfachere Akkus, die deutlich weniger Ladezyklen überstehen und meist aus China kommen, liegt sogar bei rund 300 Euros. Doch OMT will in Geesthacht hochwertige Batterien bauen, die beispielsweise im Streetscooter eine Reichweite vom mindestens 130 Kilometern und mehrere tausend Ladezyklen garantieren.

Preise für Akkus fallen

Den tiefen Fall der Akkupreise bestätigt auf der IAA auch Masahisa Nagata, Forschungschef beim japanischen Hybridpionier Toyota, der mit Panasonic ein Batteriefabrik betreibt. „Wir beobachten den Preisverfall, aber sie dürfen gerne noch weiter runtergehen", sagt Nagata.

Denn erst dann hat auch der Kunde Kostenvorteile durch die Elektromobilität. Ähnlich wie beim Diesel sollen geringere Unterhaltskosten den Unterschied zum höheren Kaufpreis nach ein paar Jahren wettmachen. Mit etwa 1,50 bis zwei Euro Stromkosten pro 100 Kilometer rechnen Experten. Ein sparsamer Diesel kommt auf etwa vier bis fünf Euro - und die Tendenz ist angesichts steigender Kraftstoffpreise wohl weiter steigend.

Wenn die Batterie so lange hält wie das Fahrzeug und die Reichweite der Autos deutlich steigen, steht einem Siegeszug der lautlosen Stromer wenig entgegen.

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