IAA in Frankfurt: Der Mut der Verzweifelten bei der Autoshow

IAA in Frankfurt: Der Mut der Verzweifelten bei der Autoshow

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VW-Auftsichtsratschef Ferdinand Piech (li.) präsentiert zusammen mit VW-Chef Martin Winterkorn ein Volkswagen 1-Liter Concept-Auto

Die Automesse IAA hat heute ihre Pforten für die Öffentlichkeit geöffnet. Ein Gang über die Messe zeigt: Je verzweifelter die Hersteller sind, umso verwegener sind ihre Pläne für neue Antriebstechniken, meint WirtschaftsWoche-Redakteur Martin Seiwert.

Die Automesse IAA steht unter dem Motto „Erleben, was bewegt". Ja, was bewegt denn die Autos in Zukunft? Brennstoffzellen oder Biosprit? Solarstrom oder Starkstrom? Batterien oder Benzin? Flüssiggas oder Biogas? Nie war die Konfusion in der Autobranche größer über die Zukunft der Mobilität.

Die Entwickler halten Kurs auf das grüne Autofahren – und zwar in alle Richtungen gleichzeitig. Dieser technische Wettlauf kostet die Branche Milliarden. Und wer aufs falsche Pferd setzt, wird sein Geld nicht mehr wieder sehen. Das wissen die Automanager, doch eine Alternative haben sie nicht. Wer sich jetzt nicht so viele Optionen wie möglich für die Zukunft sichert, hat schon verloren, bevor das Rennen überhaupt richtig losgeht. Ein Gang über die IAA zeigt: Je verzweifelter die Autobauer sind, umso verwegener sind ihre Pläne für neue Antriebstechniken.

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Volkswagen: Im Erdgeschoss von Halle 3, wo der VW-Konzern seine Modelle in Szene setzt, ist von der Elektro-Revolution wenig zu spüren. Groß und unmissverständlich sind zwar die Ansagen von VW-Chef Martin Winterkorn („Die Zukunft gehört dem Elektroauto"). Doch die Konsequenzen, die der zweitgrößte Autokonzern der Welt daraus zieht, sind überschaubar. 2013 soll der elektrische Kleinwagen Up kommen. Das ist’s dann erst mal mit der Elektromobilität Made in Wolfsburg. Volkswagen schwimmt auf der Erfolgswelle, hat den Machtkampf mit Porsche für sich entschieden und fett von den Abwrackmilliarden profitiert. Statt eines hektischen Aufbruchs ins E-Auto-Zeitalter haben sich die Wolfsburger erstmal für ein fröhliches „Weiter so" entschieden.

Renault: Ganz anders die Lage ein Stockwerk höher, in Halle 3.1. Hier stiehlt Renault den anderen Ausstellern die Show. Die Geschäfte laufen schlecht für die Franzosen, ihre Oberklasse-Ambitionen mussten sie unlängst beerdigen. Nun versucht das Unternehmen sich mit einer spektakulären Strategie aus der Krise zu navigieren. Für diesen Zweck hat man sich mit dem amerikanischen Start-up-Unternehmen Better Place verbandelt. 100 000 Elektroautos will Renault bis 2016 an Better Place liefern, das Start-up soll die Batterien für die Fahrzeuge bereitstellen. In Israel und Dänemark werden die elektrischen Renaults zum Einsatz kommen, später könnten weitere Länder folgen. Better Place wird dafür sorgen, dass es dort ein Netz von Stationen gibt, an denen leere Batterien binnen weniger Minuten ausgetauscht werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel Quelle: AP

Bundeskanzlerin Angela Merkel (re.) und der BMW-Vorstandsvorsitzende Norbert Reithofer neben einem concept car BMW Vision

Bild: AP

Belustigt bis beunruhigt beobachten die Chefs anderer Autohersteller das Vorpreschen von Renault-Chef Carlos Ghosn. Schon einmal hat ihn in der Branche niemand ernst genommen und sich gewaltig getäuscht: Als er ankündigte, mit dem Billigauto Dacia Logan die Märkte in Schwellenländern aufzurollen.

Doch es hat geklappt, Renault verdient heute gutes Geld mit dem Logan. Wenn die E-Auto-Nummer ein ähnlicher Überraschungserfolg wird, werden sich die Wettbewerber schwarz ärgern. Wenn sich das Batterie-wechsel-Dich-Spiel jedoch als Irrweg entpuppt, wird es eng für Renault.

BMW: Für die Repräsentanten der „Freude am Fahren" in Halle 11 ist die grüne Welle im Automobilbau eine ganz besondere Hausforderung. Die Münchner müssen Fahrspaß und Klimaschutz auf Biegen und Brechen zusammenbringen, denn Fahrfreude ist die Seele ihrer Marke. Ein ordentliches Stück haben sie dabei schon zurückgelegt – die BMWs schlucken heute deutlich weniger als andere Edelkarossen. Dafür gab es vor der IAA sogar Lob von Greenpeace.

Doch beim Elektroauto bleibt BMW extrem vorsichtig. „In der ersten Hälfte den kommenden Jahrzehnts" soll das erste Elektroauto aus dem Hause BMW kommen, sagt BMW-Chef Norbert Reithofer. Genaueres ist nicht zu erfahren.

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