Im Elektroauto um die Welt: Wechselstrom tanken in Kasachstan

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Im Elektroauto um die Welt: „In Kasachstan kann ich wieder Wechselstrom tanken“

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Bei der Fahrt in den USA immer dabei: Das Kölner Numernschild - Rafael de Mestre mit seinem Elektrowagen am Salt Lake in US-Bundesstaat Utah.

von Miguel Zamorano

Der Kölner Unternehmer Rafael de Mestre befindet sich auf einer Weltumrandung mit seinem Elektroauto Tesla Roadster. Die größten Hürden sind nicht der Wüstensand oder fehlende Tankstellen, erzählt de Mestre im Interview.

Rafael de Mestre fährt ein Wettrennen. Die Route: Einmal um die Welt in 80 Tagen. Das Fahrzeug: Ein Tesla Roadster.
Ein französisches Team befindet sich in einem Citroen Z-Cero auf ähnlicher Tour: Beide Teams wollen die erste Weltumrundung in einem reinen Elektroauto schaffen.

De Mestre befindet sich zurzeit Mitten in der chinesischen Taklamakan-Wüste.

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WirtschaftsWoche Online: Herr de Mestre, sie wollen die Welt in ihrem Elektroauto in 80 Tagen umrunden. Seit wann sind sie unterwegs?

Rafael de Mestre: Am 11. Mai bin ich in meiner Heimatstadt in Barcelona gestartet, dann kamen die Stationen Frankreich, Schweiz und Deutschland. Der Wagen ist in Köln zugelassen. Von Frankfurt aus, bin ich mit dem Wagen nach New York geflogen. Als ich in San Francisco angekommen war, bin ich in den Flieger nach Tianjin gestiegen. Seit dem 19. Juni bin ich in China.

Was haben sie auf ihrer Fahrt so erlebt?

In Chicago wollte ich einen Stau umfahren. Ohne daran zu denken, dass es dort auch Viertel gibt, wo so ein Roadster auffällt. Plötzlich befand ich mich in einem Viertel voller Schwarzer, ich war der einzige Weiße in so einem Auto. Zum Glück, dachte ich, dass die Flucht in meinem Roadster nach vorne immer möglich ist.

Hatten sie überhaupt genügend Batterieladung, um schnell davon zu kommen?

Ja, zum Glück schon. Aber die Leute, die meinem Wagen näher gekommen sind, waren erst sehr erstaunt, keinen Auspuff zu sehen. Dann waren sie sehr neugierig, haben aber das Auto gar nicht angefasst. Ihre Reaktion war vor allem: Wow, ein elektrisch-angetriebenes Auto.

Dabei kann so ein Elektroauto doch nicht durch lautes Fahren beeindrucken, oder?

Am Anfang hört man gar nichts, sondern nur die Straße und die Steine unter den Reifen. Fährt man schneller fällt der Wind auf, und ab 100 oder 120 Kilometer pro Stunde hört man ein Turbinengeräusch in hoher Frequenz. Das reizt mich viel mehr als so ein Brummen oder so ein Krachen.

Ach kommen Sie, es gibt doch nichts Schöneres als ein lauter Verbrennungsmotor mit ordentlichen PS unter der Haube.

Nee, finde ich nicht. Ein Roadster klingt so ein bisschen wie im Science-Fiction-Film Tron, wo die futuristischen Motorräder ein ähnliches Turbinengeräusch drauf haben. Klar, für Tuningfans ist das nichts, die werden das Geräusch vermissen und den Ölgeruch. Für mich ist das aber so was von Oldschool. Diese Wagen werden sowieso alle aussterben. Ich warte noch auf den „James Bond“-Film, in dem der Agent alle anderen mit seinem Elektroauto überholt. Einfach lautlos. Sodass die Menschen bald denken: Wer viele Geräusche macht, ist langsam, und wer leise fährt, ist schnell. Momentan ist das ja gerade umgekehrt.

Wettrennen mit einem getunten Honda

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Sieht aus wie der US-Bundesstaat Colorado, meint De Mestre über seinen Twitter Account. In Wirklichkeit befindet sich der Kölner Unternehmer in Gansu, China.

Wie schnell sind sie denn in den USA gefahren?

Am Salt Lake wollte ein Fahrer in einem getunten Honda mit mir Rennfahren spielen. Seine Freundin saß auf dem Beifahrersitz. Ich habe mich einfach darauf eingelassen. Dabei war ich noch fair, er hat länger beschleunigt und dann habe ich erst aufs Pedal gedrückt. Ich bin an ihm vorbei gezogen. Das ist natürlich für jemand, der mit durchgedrücktem Gaspedal fährt, sehr frustrierend.

Wie schnell beschleunigt der Wagen? Und was bringt er in der Spitze?

Von Null auf Hundert benötigt der Wagen 3,9 Sekunden.

Wie oft müssen sie die Batterien aufladen?

Das kommt darauf an, wie schnell ich unterwegs bin.  Ich fahre wenn möglich 120km/h, in der Regel 95-100, nur wegen der Verkehrs- und Straßenbedingungen komme ich auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 60-80 km/h. Damit komme ich maximal vierhundert Kilometer weit, bis ich den Wagen nochmal aufladen muss. Mit 70 Ampere brauche ich dann ungefähr drei Stunden fürs Aufladen.

Haben Sie auch auf der Strecke auch andere Tesla-Fahrer kennengelernt?

Ja, meist sind wir dann ein Teil der Strecke gemeinsam gefahren und waren anschließend essen. Es gibt auch Tesla-Fahrer, die den Wagen gleich nach der Akquise sofort in die Garage stellen. Die limitierte Produktionszahl des Tesla Roadsters machen diese Elektroauto-Version ja auch zu einem Geldanlageobjekt.

Wollen Sie ihren Tesla am Ende auch verkaufen?

Ich sag mal so: Mein Preis liegt im sechs- oder siebenstelligen Bereich.

Ihre Einreise in China hat längere Zeit gedauert. Was ist passiert?

Es war eine Odysee: Ich habe aufs Visum gewartet, auf die Auto-Zulassung, auf Versicherungspapiere. Es ist richtig ärgerlich – mittlerweile habe ich mehr Zeit im Wartemodus verbracht, als im Auto. Sechzig Tage sind es nun, vierzig habe ich fürs Warten verwendet, zwanzig Tage war ich auf der Autobahn.

Wieso sind die chinesischen Behörden bei der Anreise nicht einfach zu überzeugen?

Die wollen alles ganz genau machen, anders als die Amerikaner. Und wenn sie beim Ausfüllen von Formularen nicht weiter wissen, dann übergeben sie die Angelegenheit der nächsthöheren Instanz. Und so weiter. Diese nehmen sich Zeit, um die Angelegenheit genau zu prüfen. Zeitweise war ich in der Hierarchie sehr hoch angekommen. Die Beamten forderten zusätzliche Sicherheitstest und weitere Zulassungen. Am Ende hatte ich so viele Formulare, ich dachte ich hielt ein Buch in der Hand. Das Auto war irgendwann zugelassen, dann hatte ich Probleme mit dem dann ausgelaufenen Visum, das ich aber habe lösen können. Trotzdem habe ich viel Zeit verloren - losfahren konnte ich in China schließlich erst am 12. Juli.

"Der Papierkrieg hat mich graue Haare gekostet"

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"Ohne Benzin können sie ja das Zollgelände nicht verlassen", meinten die Flughafenbehörden in New York. Im Bild: Der Tesla Roadster von De Mestre, bei der Abfertigung am Flughafen in Frankfurt.

Auch in den USA hatten sie Probleme bei der Einreise?

Ja, die Flughafenbehörden in New York hatten meinen Roadster fälschlicherweise als Gepäck deklariert. Die Behörden sagten mir: „Sie wissen ja, ein Viertel des Tanks muss mit Benzin gefüllt sein, damit sie die Fluggenehmigung bekommen.“ Ich habe aber kein Benzin, sagte ich dann und die meinten dann: „Dann können Sie nicht fahren. Sie können das Zollgelände ja nicht verlassen.“ Aber ich habe doch Batterien, antwortete ich. Und sie so: „Tja, mit Batterien dürfen sie erst recht nicht fliegen, die explodieren ja in der Luft.“ Darauf antwortete ich, nein, das sind Notebookbatterien, die werden zu tausenden transportiert. Es sind am Ende einige Tage vergangen, bis sie verstanden haben, dass es sich tatsächlich um ein Elektroauto handelt. Dann haben Sie weitere Unterlage gefordert.

Hatten Sie somit viel Aufwand gerechnet?

Ich hatte nicht erwartet, dass es so lange dauern würde. Den größten Stress hat die Versicherung gemacht. Eine Police für Amerika ist zum Beispiel fast nicht zu machen. Die Versicherungen setzen hohe Hürden an. K.O. Kriterien sind zum Beispiel: Es darf kein Sportwagen sein, nicht mehr als 70.000 Euro kosten und es darf kein Geschäftswagen sein.

Das alles trifft aber auf ihren Wagen zu.

Richtig. Die Amerikaner dürfen nicht ausländische Wagen versichern und die deutschen Versicherer trauen sich nicht eine Zusatzversicherung fürs Ausland zu machen. Firmenfahrzeuge dürfen sowieso nicht versichert werden – mein Wagen ist aber bei meiner Firma angemeldet. Das hat mich echt graue Haare gekostet.

Und hatten sie die Versicherung als sie in New York gelandet sind?

Letztlich hat sich dann doch ein deutscher Versicherer meiner erbarmt. Ich habe aber nicht mehr gewartet, bis ich die Police tatsächlich in der Hand hielt. Ich bin einfach nach New York geflogen und habe gehofft, dass das Ding da ist, wenn ich loslege. Das war zum Glück der Fall. Ich habe jetzt die gesamten USA durchquert – doch keiner hat mich danach gefragt.

Ihre Konkurrenten von Citroen hatten weniger Probleme bei der Einreise. Können sie die noch einholen?

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Die Franzosen haben den Vorteil, dass sie Sponsoren haben, bestimmt ein Jahr die Route vorgeplant haben und nun ihren Citroen C-Zero eine Stunde laden müssen, um 100 Kilometer weiterzukommen. In China muss mein Wagen bis zu 24 Stunden an die Strombüchse, um zwei- bis dreihundert Kilometer zu schaffen. Dass liegt daran, dass die Franzosen mit Gleichstrom oder Wechselstrom tanken, ich kann das aber nur mit Wechselstrom tun. Und in China gibt es an den Stromtankstellen derzeit nur Gleichstrom.

Sie haben Kasachstan, Russland und noch ganz Europa vor ihnen, bevor sie in Barcelona über die Schlusslinie fahren. Schaffen sie das?

In Kasachstan werde ich wieder 70 Ampere Wechselstrom tanken können. Der Citroen C-Zero der Franzosen kann dagegen nur maximal 30 Ampere laden und wird länger brauchen. Ganz klar das Rennen wird in der kasachischen Steppe entschieden. Ein platter Reifen kann mich noch den Sieg kosten.

Viel Erfolg beim Rennen.

Wer über die Welttour von Rafael de Mestre mehr erfahren möchte, kann die Fahrt auf seiner Webseite live mitverfolgen. Er twittert bei @Chargelocator.

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