Innovative Autoräder: Die Neuerfindung des Rads

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Innovative Autoräder: Die Neuerfindung des Rads

von Jürgen Rees

Ab November müssen Neuwagen den Reifendruck überwachen, um vor Pannen zu warnen. Damit es erst gar nicht so weit kommt, erfinden die Ingenieure gerade buchstäblich das Rad neu.

Der schottische Tierarzt John Boyd Dunlop liebt seinen Sohn Johnny wirklich. Doch das Dreirad mit den Metallreifen, mit dem sein Filius lautstark durchs Wohnzimmer kurvt, nervt ihn Anfang des Jahres 1888 kolossal. Johnny das geliebte Dreirad einfach wegzunehmen, das bringt Dunlop dann doch nicht übers Herz. Stattdessen bastelt der Vater dem Sohn in den kommenden Wochen ein neues, dessen Holzreifen er mit selbst zusammengeklebten Gummischläuchen ummantelt. Im Wohnzimmer war fortan Ruhe, und Dunlop meldete im Dezember 1888 das Patent für den ersten luftgefüllten Fahrradreifen an. Ohne seine Erfindung hätten Zweiräder und wenig später das Auto kaum ihren Siegeszug antreten können.

Luftlose Reifen bestehen aus der Lauffläche aus Gummi oder speziellem Kunststoff; Elastische, energieschluckende Speichen aus farbigem Kunststoff ; Nabe für Verbindung mit Achse (von außen nach innen). Quelle: PR

Luftlose Reifen bestehen aus der Lauffläche aus Gummi oder speziellem Kunststoff; Elastische, energieschluckende Speichen aus farbigem Kunststoff ; Nabe für Verbindung mit Achse (von außen nach innen).

Bild: PR

Die neuartigen Motorwagen brachten aber erst die französischen Brüder André und Edouard Michelin im Jahr darauf mit den komfortablen und leisen Luftreifen so richtig in Schwung. Sie hatten ihn noch um einen Schlauch im Inneren ergänzt, um die Dichtigkeit zu verbessern.

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Heute sind luftgefüllte Reifen aus dem automobilen Alltag nicht mehr wegzudenken. Und die Forschung an den schwarzen Gummiwalzen geht immer weiter, um die Reifen sparsamer, sicherer und leichter zu machen. Die Hersteller arbeiten sogar daran, die Luft wieder aus den Pneus herauszulassen.

Schwere Unfälle

Denn die hat einen entscheidenden Nachteil: Sie entweicht langsam und meist unbemerkt. Laut einer Studie des japanischen Reifenherstellers Bridgestone aus dem vergangenen Jahr fuhren europaweit von den fast 40 000 überprüften Fahrzeugen mehr als ein Drittel mit zu niedrigem Luftdruck herum. Das wiederum kann zu Pannen und schweren Unfällen führen. Und es erhöht den Spritverbrauch um bis zu einen halben Liter pro 100 Kilometer. Der Gesetzgeber reagiert darauf: Ab November 2014 sind elektronische Reifendruckkontrollsysteme für Neuwagen Pflicht.

Die Geschichte des Reifens

  • 1844

    Der Amerikaner Charles Goodyear meldete 1844 das Vulkanisieren von Gummi zum Patent an.

  • 1845

    Der Schotte Robert William Thompson meldete den vulkanisierten Gummireifen für Fahrräder zum Patente an. Abnehmer für seine Idee fand er allerdings nicht.

  • 1888

    John Dunlop, ebenfalls Schotte, ließ sich einen einfachen Fahrradluftreifen patentieren.

  • 1889

    Dem Franzosen Edouard Michelin gelang mit der Erfindung des Luftreifes mit Schlauch der wirtschaftliche Durchbruch.

  • 1903

    Friedrich Veith begann mit der Einführung von Reifen in Norm-Größe und der Durchsetzung entsprechend geformter Felgen.

  • 1904

    Die Firma Continental aus Hannover entwickelte als erstes Unternehmen der Welt Profilreifen für Autos.

Diese Vorgabe erfüllt der amerikanische Reifenriese Goodyear recht elegant. Mit seiner Air Maintenance Technology (AMT) kann ein Reifen ganz ohne externe Pumpen, elektronische Systeme oder Eingriffe des Fahrers den optimalen Druck halten. Die Goodyear-Entwickler nutzen aus, dass durch das Rollen der Reifen ein Luftdruck entsteht, und pumpen ihn bei jeder Umdrehung ein wenig auf.

Das passiert mittels einer von außen nach innen verlaufenden Schlauchpumpe in der Seitenwand und einem Ventil, das sich unter Druck öffnet und dem Reifen die notwendige Luft zuführt. Der Druck befindet sich dadurch immer im optimalen Bereich. Joe Zekoski, Goodyears Entwicklungschef, ist sich sicher: „AMT wird den Verbrauch senken und die Lebensdauer der Reifen verlängern.“ Noch testen Zekoski und sein Team die neue Technik. Den genauen Marktstart verrät er noch nicht.

Um Spritsparen geht es auch dem südkoreanischen Hersteller Hankook. Bei seinem Konzeptreifen namens eMembrane ändert sich die Lauffläche je nach Umdrehungszahl des Reifens und dem einwirkenden Druck. Die Techniker verändern dazu die Struktur in seinem Inneren. Im Ökomodus heben sie das Profil in der Mitte an, der Rollwiderstand und damit der Verbrauch sinken.

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