Kei Car-Spektakel in Japan: Das fantastische Rennen der Bonsai-Boliden

Kei Car-Spektakel in Japan: Das fantastische Rennen der Bonsai-Boliden

, aktualisiert 09. Februar 2016, 11:15 Uhr
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Gleich gehts raus auf die Piste ...

von Martin KöllingQuelle:Handelsblatt Online

Fahrspaß setzt nicht erst bei mehreren hundert Pferdestärken ein. Drei Kaffeetassen Hubraum reichen, das beweist ein siebenstündiges Ausdauerrennen in Japan.

Fuji SpeedwayDie Kulisse könnte für das größte Rennen der Welt für kleinste Autos nicht passender sein. Majestätisch hebt der japanische Nationalberg Fuji seinen schneebedeckten Vulkankegel in den Himmel. Und auch die Rennstrecke ist geadelt. Früher röhrten hier Formel-1-Renner über den Fuji Speedway. Doch an diesem Sonntag gehört die Piste dem beliebtesten Rennen Japans, dem K4 Grand Prix.

Zuschauer zieht das siebenstündige Ausdauerrennen zwar keine an. Auch im Pressezentrum herrscht gähnende Leere. Aber 98 oft kreativ gezeichnete Bonsai-Boliden drängen sich in den Boxen. Denn das Rennen ist einmalig auf der Welt.

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Ob Serienmodell, Ferrari-Fake oder Fantasiekarosse - alles ist erlaubt bei dieser Feier purer Raserfreude. Die Autos müssen nur eine Bestimmung erfüllen: die Regeln für Kei-Cars einhalten.

Dabei handelt es sich um eine eine steuerbegünstigte Klasse der Leichtwagenklasse in Japan, die sich pro Jahr mehr als eine Million mal verkaufen. Und für PS-Puristen mögen sich die technischen Limits wie Folter anhören.

Neben Beschränkungen der Breite und Länge bedeutet vor allem, dass die Motoren nicht mehr als 660 Kubikzentimeter Hubraum haben dürfen. Doch Katsushi Takahashi vom Hula-Racing Team mit einem fantasievollen Ferrari-Fake im Rennlook der 60er Jahre schwärmt: „Die Wagen verbrauchen nicht viel, sind leicht und haben irrsinnig Power.“ Und der Grund ist das Verhältnis von PS und Gewicht.

Die Kei-Cars wiegen von Fabrik aus schon weniger als Kompaktautos. Da ihre Besitzer zusätzlich Sitze, Verkleidungen und jedes überschüssige Gramm ausbauen, kratzen die schnellsten der vermeintlich untermotorisierten Renner auf der Geraden des Fuji Speedway an der Marke von 200 Kilometern pro Stunde. Und sie tun dies für einen Bruchteil dessen, was ein schweres PS-Monster kostet. 

Dieses Faktorenbündel hat auch den ehemaligen Autojournalisten Justin Gardiner zu einem Stammgast des Rennhappenings gemacht. Doch dieses Jahr ist das Gefühl auch für ihn neu: Erstmals nimmt der heutige Japan-Chef der britischen Supersportwagenmarke Caterham mit „seinem“ Kind an dem Rennen teil: einem Caterham, der die Kei-Car-Bestimmungen erfüllt.

Ein Supersportwagen mit drei Kaffeetassen Hubraum? Die Idee ist dem Japan-Kenner Gardiner gekommen, weil er in Japan arbeitete. Glücklicherweise überzeugte das Management in England. Und so bauten Sportwagenfans einen Mini-Motor vom Kei-Car-Riesen Suzuki in ihren Caterham Seven. Und siehe da: Der Fahrfreude tat dies keinen Abbruch.


Ein Loblied auf das Downsizing

Der „Caterham Seven 160“ holt zwar keinen Porsche auf der Autobahn ein, weil ihm bei 160 bis 180 km/h die Puste ausgeht. Aber auf kurvigen Strecken darf sich der Porsche keineswegs als sicherer Sieger wähnen. „Weil der Wagen weniger als 500 Kilogramm wiegt, beschleunigt auch dieser Motor das Auto in 5,9 Sekunden auf 100 km/h,“ erklärt der Hobbyrennfahrer Gardiner.

Seine Stärke spielt er in den Kurven aus. Durch die galoppiert der knochige Renner schneller als die gemästeten Luxusboliden, die heutzutage so in Mode sind.

Daher und wegen der Steuerbegünstigung entwickelte sich der Kei-Caterham in Japan zum Renner. Von den jährlich 500 produzierten Caterhams sind 100 Sparboliden. Und von denen verkauft Gardiner 80 Modelle. Doch, o Wunder, der Rest findet Abnehmer in Deutschland oder Frankreich.

Gardiners Verständnis für die Beliebtheit der offiziell Caterham Seven 160 genannten Gefährts ist beim K4-GP noch gewachsen. „Beim Test gestern haben wir festgestellt, dass wir unglaublich schnell sind“, erzählt Gardiner. „Wir haben locker die Topzeiten eingefahren.“

Für einen Platz auf dem Treppchen durfte dies dennoch nicht reichen. Die Veranstalter schwimmen nämlich auf der Ökowelle und beschränkten den Spritverbrauch kurzfristig auf 80 Liter. Und dies bedeutete für Gardiner und die drei anderen Piloten, dass sie 15 Sekunden langsamer und sehr vorausschauend fahren mussten.

Im fünften Gang durch die Kurven gleiten und sachte herausbeschleunigen, hieß die Vorgabe der rasch ausgeheckten Rennstrategie. Sonst würden der Sportwagen bei seinem Renndebüt lange vor dem Ziel schwunglos im Seitenstreifen ausrollen. „Denn unser Auto ist zwar das schnellste im Feld, aber nicht gerade das Sparsamste“, weiß Gardiner. Das Ergebnis: Auch der Caterham schaffte es ins Ziel. Am Ende sprang Platz 14 heraus.

Quellle:  Handelsblatt Online
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