Kosten beim Treibstoff: Erdgasautos sind um die Hälfte billiger

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Kosten beim Treibstoff: Erdgasautos sind um die Hälfte billiger

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von Jürgen Rees

Diesel oder Benziner? Weder noch. Mehr und spritzigere Erdgasautos sind die grünere und kostengünstigere Alternative. 

Tanken für 70 Cent pro Liter Treibstoff? Das war einmal und ist längst vorbei. Stimmt nicht. Das geht immer noch. Zumindest dann, wenn der Wagen Erdgas tankt. Denn umgerechnet kostet der Liter Erdgas im Vergleich zu Diesel und Benzin nur 70 Cent. Da der Energiegehalt von Erdgas höher ist, verbrennt er effektiver.

Doch die meisten Autofahrer sehen den Preisvorteil kaum, weil der Preis für Erdgas an der Tanke in Kilogramm ausgewiesen ist und deshalb im Vergleich zum Literpreis etwas höher liegt, derzeit bei etwa 1,09 Euro pro Kilogramm.

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Erdgasautos fristen hierzulande bislang ein Nischendasein - zu Unrecht. Nur langsam steigen die Zulassungszahlen. In den ersten drei Monaten des Jahres 2014 wurden 2174 Erdgasfahrzeuge zugelassen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das ein Zuwachs von 20 Prozent. Damit ist Erdgas zwar nach wie vor die beliebteste alternative Antriebsform bei den Neuzulassungen, doch verglichen mit dem Gesamtmarkt ist die Übermacht der Diesel und Benziner immer noch gewaltig.

Wie weit kommen die unterschiedlichen Antriebe mit 10 Euro?

  • Benzin

    97 km

    *Basis: Opel Zafira Tourer (vergleichbare Motorisierung, 130 bis 150 PS), Verbrauchs- und Kraftstoffdurchschnittswerte, Stand: Januar 2013; Quelle: Erdgas mobil

  • Diesel

    148 km

  • Autogas (LPG)

    169 km

  • Erdgas (CNG)

    201 km

Dabei lässt es sich günstiger und grüner derzeit mit einem Verbrennungsmotor nicht fahren. In Deutschland setzt der Konzern VW auf den Gasantrieb. Das Portfolio an Erdgasautos reicht vom kleinen Eco up über den Golf bis zum Passat. Die Tochtermarken nutzen die Vorteile des Baukastensystems und haben mit vom Kleinwagen bis zum Golfgegner Seat Leon oder dem Skoda Octavia ein immer attraktiveres Angebot. Aber auch Opel, Mercedes oder Fiat haben Erdgasautos im Angebot.

Der Brennstoff (CH4, Methan) gilt unter Autobauern als einer der saubersten und effizientesten überhaupt. Fossil gefördert stößt Erdgas bei seiner Verbrennung gut 25 Prozent weniger CO2 in die Atmosphäre als es Benzin oder Diesel tun würden.

Regenerativ gewonnen, zum Beispiel als Biogas oder aus Windkraft, werden die Erdgaswagen sogar zu klimaneutralen Öko-Strebern. 100 Kilometer mit dem neuen Golf TGI kosten bei einem Normverbrauch von 3,5 Kilogramm lediglich 3,70 Euro. Lediglich ein Elektroauto hält von den reinen Fahrkosten her mit dem Erdgasauto Schritt. 

Dem Stromer voraus aber haben die neuen Modelle wie der Golf TGI oder das Schwestermodell Seat Leon TGI seine uneingeschränkte Alltagstauglichkeit. Angefangen bei der Reichweite. Sie beträgt bei Erdgasbetrieb 420 Kilometer. Automatisch und ganz ohne dass der Fahrer etwas davon merkt, schaltet das bivalente System dann auf Benzin um, und beschert dem Fahrer weitere 940 Kilometer – insgesamt also nach Normverbrauch 1360 Kilometer.

Die reale Reichweite ist zwar geringer, weil sich im Wiwo-Test zeigte, dass der Erdgastank häufig schon bei 360 Kilometer leer ist. Doch mit Reichweiten von mehr als 1000 Kilometer sind die Erdgaswagen endlich auch für Vielfahrer interessant.

Der Tankvorgang selbst dauert ähnlich wie beim Benzin nur wenige Minuten und ist denkbar einfach. Der Nachteil: Nicht an jeder Straßenecke gibt es eine Erdgas-Tankstelle. Deutschlandweit sind es etwas mehr  als 900, davon 180 mit Biogas. Gut, dass die in den Navis aber auch in Apps hinterlegt sind. Denn nur im Erdgasbetrieb ist der Wagen dann tatsächlich der große Sparmeister.

Verunsicherte Kunden, unwissende Händler

Die Frage ist: Was hält die Kunden noch ab? Manchmal schlicht auch das Unwissen der Händler: „Selbst Berater in Autohäusern ständen nicht immer hinter der Erdgastechnologie, sagt Ulrich Eichhorn, Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie. „Heute geht der Kunde mit einem Wunsch nach einem CNG-Fahrzeug in ein Autohaus, fährt aber trotzdem mit einem Diesel nach Hause."

Noch immer sprechen die Erdgaswagen vor allem die Pfennigfuchser unter den Kunden an. Doch die aktuellen  Modelle sind dank neuer Benzinmotoren mit Turboladern und Kompressoren viel flotter unterwegs als ihre Vorgänger und halten mit den Konkurrenten mit Benzin und Dieselantrieb locker mit. Das bestätigte jüngst Ende Mai das Fachblatt Autobild in einem größeren Vergleichstest.

Die Tester ließen Autos von VW, Seat, Fiat, Mercedes und Opel in einer Diesel, Erdgas- und Benzinvariante antreten. Am Ende waren selbst die Profis überrascht, dass vor allem der Seat Leon TGI und der VW Touran ihren Benzin- und Dieselvarianten überlegen waren: Im Fahrbetrieb ebenbürtig, bei den Kosten überlegen lautete das Fazit.  228 Kilometer schaffte der Seat mit zehn Euro, sein Dieselbruder schaffte 156 Kilometer und die Benzinvariante sogar nur 111 Kilometer.

Keine Frage: Erdgas ist ein Geschäft mit Zukunft. Zumindest für einige Jahrzehnte. Denn der Gaspreis koppelt sich vom steigenden Erdölpreis ab, weil die Fördermengen in vielen Ländern größer sind als angenommen. Ursache dafür sind neue Methoden der Gasförderung.

Verborgener Schatz

  • Konventionelles Erdgas

    Konventionelles Erdgas stammt meist aus Feldern oberhalb von Ölquellen und lässt sich relativ leicht ausbeuten

  • Schiefergas

    Schiefergas gehört zu den unkonventionellen Reserven, es ist in Schiefergestein eingeschlossen

  • Fracking

    Fracking heißt die Technologie, mit der das Tongestein bei der Gasförderung aufgebrochen wird

  • Flüssigerdgas

    Flüssigerdgas (LNG) entsteht, wenn Erdgas - egal, aus welcher Quelle - auf minus 161 Grad gekühlt wird

  • Eine Million BTU

    Eine Million BTU heißt die international gängige Maßeinheit für Gas. Sie entspricht etwa 26,4 Kubikmetern

Beim höchst umstrittenen sogenannten Fracking pumpen Maschinen Wasser und Chemikalien unter Druck ins Schiefergestein, um das dort eingeschlossene Erdgas freizubekommen. Dass Erdgas überhaupt ein Thema für die US-Autoindustrie ist, liegt am Fracking. Die Folge des wachsenden Gasangebots: In den USA ist der Rohstoff mehr als ein Drittel billiger als in Europa.

Präsident Barack Obama hat das ehrgeizige Ziel gesetzt, die Vereinigten Staaten zum größten Energieproduzenten der Welt und zum Nettoexporteur von Gas zu machen.

Das hinterlässt selbst auf dem konservativen US-Automarkt Spuren, wo Diesel und Erdgasautos lange als unsexy galten: Ausgerechnet in der Spielerstadt Las Vegas wurde ein Erdgasrenner namens Maxximus LNG 2000 vorgestellt. Mit 1600 PS und einem Stückpreis von einer Million Dollar ist das Geschoss das wohl schnellste straßentaugliche Fahrzeug, das auch mit Erdgas betrieben werden kann.

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Der erste Käufer soll jüngst ausgerechnet ein texanischer Ölmillionär gewesen sein.

Bei der Chrysler-Tochter Dodge ist man stolz darauf, dass der große Pick-up Ram mit sechs Litern Hubraum und 360 PS Leistung bereits ab Werk mit Erdgasantrieb bestellt werden kann. Der Erdgaspreis ist selbst in den USA, wo Benzin vergleichsweise günstig ist, attraktiv: CNG kosten in den USA mit umgerechnet 1,50 Euro für die Gallone (knapp vier Liter) deutlich weniger als Benzin.

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