Mercedes setzt auf selbstfahrende Autos: Autos werden bald nicht mehr verunglücken

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InterviewMercedes setzt auf selbstfahrende Autos: Autos werden bald nicht mehr verunglücken

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Thomas Weber

von Franz W. Rother

Thomas Weber sieht das Auto an einem Wendepunkt: Fahrzeuge werden bald nicht mehr verunglücken. Und vor allem fahren sie selbst. Was der Mercedes-Entwicklungschef sonst noch vor hat.

WirtschaftsWoche: Herr Weber, ein Mercedes ist kürzlich von Mannheim nach Pforzheim gefahren, ohne dass der Fahrer ins Lenkrad griff oder Pedale betätigte – vollkommen automatisch. Der Versuch zeigte, was technisch machbar ist. Aber wollen wir das wirklich – die Kutsche ohne Kutscher?

Weber: Den „Big Brother“, der einen permanent bevormundet, will niemand. Ich bin aber überzeugt, dass es im Alltagsverkehr viele Situationen gibt, wo der Fahrer sehr dankbar für Unterstützung ist. Das Hauptmotiv für die Entwicklung des autonomen Fahrens ist das Bestreben, das Risiko aus dem Autofahren herauszunehmen. Dazu braucht es Technologien, die den Menschen unterstützen, wenn er ermüdet, wenn er unaufmerksam ist oder wenn hochkomplexe Fahrsituationen einen Gelegenheitsfahrer überfordern.

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Der Autofahrer kriegt eine Art Vormund?

Nein, nicht, wenn er es sich nicht wünscht. Auch wenn es Situationen gibt, wo es für den Fahrer, die Insassen und alle anderen Verkehrsteilnehmer besser wäre, wenn die Technik das Kommando übernehmen würde. Wir zwingen aber niemanden dazu, die Hände vom Steuer zu nehmen.

Wo liegen noch die größten Herausforderungen beim automatisierten Fahren?

Zunächst einmal muss die Straßenverkehrsordnung fit gemacht werden für die Zukunft – nicht nur in Deutschland und Europa, sondern auch in den USA und China. Wir haben die Hoffnung, dass sich diese Prozesse harmonisieren lassen. Zum Zweiten brauchen wir Bordrechner, die in der Lage sind, die immense Datenflut extrem schnell zu verarbeiten und die richtigen Schlüsse zu ziehen. Und schließlich brauchen wir perfekte Karten – je detaillierter und aktueller die Informationen über die Strecke sind, desto einfacher ist die Steuerung des Fahrzeugs.

Verkehrsunfälle werden also schon bald Vergangenheit sein?

Ein Show-Car zu bauen ist relativ einfach. Ein Auto zu entwickeln, das in jeder Lebenslage zuverlässig arbeitet, ist eine ganz andere Herausforderung. Der Mercedes S500 Intelligent Drive ist ein Forschungsauto – basiert in der Basis aber komplett auf Serientechnologie. Damit steht die Grundarchitektur für diese Zukunftstechnologie. Wichtig dabei, auch die Modulstrategie stimmt. Das macht mich zuversichtlich, dass das autonome Fahren bis 2020 in einem Mercedes Realität wird.

Selbstfahrende Autos

Fürchten Sie nicht, dass die Politik auf die Idee kommt, alle Roboterautos per Funk von Verkehrsleitzentralen fernzusteuern?

Das wäre für mich eine Horrorvision. Die individuelle Mobilität muss erhalten bleiben – inklusive die Freiheit, zu entscheiden, wann und wie ich ein Ziel anfahre. Natürlich müssen wir auf die Verkehrs- und Umweltsituation Rücksicht nehmen. Aber Sicherheits- und Umweltaspekte wird man in Zukunft gegen das Auto kaum mehr ins Feld führen können, da die Technik für ein unfallfreies und – zumindest in sensiblen Regionen – auch für ein emissionsfreies Fahren sorgen wird.

Gutes Stichwort: Die deutsche Autoindustrie hat den Beginn des Zeitalters der Elektromobilität ausgerufen. Stehen wir wirklich schon an einem Wendepunkt?

Man hat der deutschen Autoindustrie lange vorgeworfen, eine Entwicklung zu verschlafen und nicht zu wissen, wohin die Reise gehe. Die Kritiker wurden auf der IAA eines Besseren belehrt: Alle deutschen Autohersteller zeigen, dass sie den neuen Kurs konsequent verfolgen.

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