Mobile World Congress: Autohersteller erobern die Mobilfunkbranche

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Mobile World Congress: Autohersteller erobern die Mobilfunkbranche

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Auf dem MWC präsentiert der schwedische Autohersteller Volvo einen Zustellservice, bei dem im Internet bestellte Waren direkt in das eigene Auto geliefert werden.

von Meike Lorenzen

Ford hat auf dem Mobile World Congress seinen neuen Focus vorgestellt. Und auch Volvo hat in Barcelona eine Produkt-Neuerung im Gepäck. Wird die Mobilfunkmesse nun wichtiger als der Genfer Autosalon?

Die Größen der Automobilbranche können mit dem Mobile World Congress in Barcelona noch nichts anfangen. Branchenkenner Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Lehrstuhls für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, hat noch nie von der Veranstaltung gehört und auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) reagiert auf Anfragen eher irritiert. Dabei zieht es langsam aber sicher immer mehr Autobauer auf die Fachmesse. Schließlich finden immer mehr Technologien im Auto ihren Platz, die auf Mobilfunk basieren.

Mit einem kleinen Projekt präsentiert sich in diesem Jahr zum Beispiel Volvo. Nicht weniger als die Paketzustellung ins Auto will der schwedische Autobauer möglich machen. Hintergrund sind Probleme bei der Lieferung von Produkten, die im Netz bestellt wurden. 60 Prozent der Online-Käufer weltweit sollen angeblich regelmäßig ihr Paket gar nicht oder an die falsche Adresse geliefert bekommen. Hinzu kommen Beschwerden über lange Warteschlangen in Postzentralen oder zerstörte Pakete aus Packstationen. Nicht zustellbare Erstlieferungen sollen die Industrie angeblich eine Milliarde Euro im Jahr weltweit kosten.

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Der schwedische Automobilhersteller scheint für dieses Problem nun eine technische Lösung gefunden zu haben. Die Vision: Künftig sollen Autobesitzer beim Online-Shopping ihr Fahrzeug als Zustellort für die Bestellungen nutzen können. Dazu wird ein sogenannter digitaler Autoschlüssel erstellt. Wenn der Lieferdienst die Waren zustellt oder Rücksendungen abholen möchte, wird der Nutzer per Smartphone oder Tablet benachrichtigt. Dann kann er den Schlüssel per Klick für den Boten freigeben und das Auto öffnen und anschließend wieder schließen. Sobald der Bote seinen Dienst getan hat, wird der Schlüssel gelöscht.

Das neue System will Volvo auf dem Mobile World Congress erstmalig offiziell vorstellen. Es basiert auf der Telematik-App "Volvo On Call". Zu deren Funktionen gehört beispielsweise auch das Vorheizen oder Kühlen des Fahrzeugs per Smartphone-Steuerung. Auch den Tankfüllstand oder den Standort des geparkten Autos können sich Nutzer so schon länger anzeigen lassen. Die neue Zustelltechnik wurde bereits in einem Pilotprojekt mit hundert Teilnehmern getestet. 86 Prozent der Teilnehmer bestätigten, dass sie durch den flexiblen Service Zeit gespart hätten.

Die aktuellen Trends auf dem Mobile World Congress

  • Günstige Smartphones

    Auch in Schwellen- und Entwicklungsländern nutzen immer mehr Menschen Computer-Telefone, dort sind aber vor allem günstige Geräte gefragt. Das befeuert den Aufstieg vor allem chinesischer Hersteller, die in großen Stückzahlen billige Smartphones mit dem Google-System Android absetzen können.

  • Tragbare Mini-Computer

    Zur neuen Geräteklasse der sogenannten „Wearables“ gehören zum Beispiel Computer-Uhren oder Datenbrillen wie Google Glass. Der Markt steht noch ganz am Anfang, aber die Wachstumsaussichten gelten als enorm. Die Marktforschungsfirma Canalys rechnet für dieses Jahr mit dem Absatz von acht Millionen „smarten Armbändern“ fürs Handgelenk. Ein Problem sind bisher die Batterielaufzeiten und die Anbindung an Smartphones.

  • Internet der Dinge

    Inzwischen werden auch immer mehr Alltagsgegenstände miteinander verbunden - Haustechnik, Zahnbürsten, Autos. Der Netzausrüster Ericsson geht von 50 Milliarden vernetzten Geräten zum Jahr 2020 aus. Das stellt ganz neue Ansprüche an die Netze. Die Industrie setzt vor allem auf den superschnellen LTE-Funk, um die Datenlawine umzuschlagen.

  • Fitness-Technik

    Pioniere wie FitBit oder Jawbone machten mit ihren Fitness-Armbändern den Anfang, inzwischen schwimmen auch Platzhirsche wie Samsung, Sony oder LG auf der Sport-Welle mit. Es geht darum, die Aktivität der Nutzer zu messen und sie zu mehr Bewegung sowie einem gesünderen Lebenswandel zu motivieren. Dabei sammeln sich auch eine Menge von Daten an, zum Beispiel über die Schlafqualität.

Das ausgefallene Konzept ist nur eine von vielen Möglichkeiten, das mobile Internet auch im Auto verstärkt zu nutzen. Integrierte Navigations- und Infotainment-Systeme, die ständig online sind, sind inzwischen bei allen großen Automobilherstellern die Regel. Die Branchen wachsen zusammen. Die Marktforschungsfirma Gartner schätzt, dass zum Jahr 2020 mehr als 80 Prozent alle Neufahrzeuge in den etablierten Märkten vernetzte Geräte sein werden. Und bereits 2017 könnte jeder vierte Autobauer Geld mit im Fahrzeug abgeschlossenen E-Commerce-Geschäften machen.

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