Mobiles Holzhaus vom Tischler: Tiny House auf Rädern

Mobiles Holzhaus vom Tischler: Tiny House auf Rädern

, aktualisiert 04. Januar 2016, 10:40 Uhr
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Wände und Dach sind mit 80 Millimeter starken Holzweichfaserplatten gedämmt. Die diffusionsoffene Bauweise sorgt für ein angenehmes und gesundes Wohnklima und gute Isolierung.

Quelle:Handelsblatt Online

Caravan oder Wohnwagen, das heißt bewusster Verzicht, Besinnung aufs Wesentliche, Abwerfen von Ballast. Das gilt sogar, wenn das Haus auf Rädern ein echtes Holzhaus ist. Was bleibt, ist die freie Wahl des Wohnorts.

In den USA liegen minimalistische Behausungen bereits seit einigen Jahren im Trend: Tiny Houses (winzige Häuser), häufig mobil auf Rädern. Ihre Besitzer verzichten freiwillig oder aus finanziellen Gründen auf geräumige Häuser und komfortable Wohnungen. Sie leben stattdessen auf vergleichsweise winzigem Raum, der aber oft mobil ist. Der Gedanke hinter den Mini-Häusern: Bewusster Verzicht, Besinnung auf das Wesentliche und das Abwerfen von unnötigem Ballast. Obendrein spart man Miete und Nebenkosten und kann das Haus, sofern es auf Rädern montiert ist, relativ unkompliziert bei einem Wohnortwechsel „umsetzen“.

Jetzt bietet Tischlermeister Christian Bock aus dem nordhessischen Bad Wildungen eine rollende Behausung – natürlich aus Holz – auch in Deutschland an. Die Idee des „Downsizings“ gewinnt auch in Europa und in Deutschland immer mehr Anhänger. In den USA bieten bereits eine ganze Reihe von Firmen solche Tiny Houses an. Hierzulande mangelt es zumindest momentan aber noch an Anbietern der kleinen Behausungen.

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Bereits seit einiger Zeit macht sich Tischlermeister Christian Bock mit seinem Team Gedanken über das Konzept eines transportablen kleinen Hauses, das natürlich aus Holz gebaut werden sollte. Der Handwerker aus Bad Wildungen-Braunau erklärt: „Ich wollte mir schon lange eine kleine, mobile Behausung bauen, mit der man einfach und unabhängig irgendwo leben kann.“ Anfangs dachte Bock „an einen Bau- oder Zirkuswagen.“ Schließlich stolperte der Tischler über die Tiny-House-Bewegung.

Und er gibt zu: „So kam ich auf die Idee, ein mobiles Haus für deutsche und europäische Straßen zu bauen.“ Der erste Schritt waren für Bock und sein Team dann etliche Zeichnungen und Bauskizzen, die während der Planungsphase ständig verbessert wurden. Neue Ideen und Lösungsansätze flossen während der Projektphase auch in den Bau eines maßstabsgetreuen Modells ein.

Die konkrete Umsetzung gestaltete sich dann jedoch alles andere als einfach. Einerseits kennt Nordamerika keinen deutschen TÜV und keine rigiden Zulassungsvorschriften, andererseits sind dort nicht nur die Autos größer und zugstärker, sondern auch die Straßen und Parkplätze erheblich weiträumiger als bei uns. Kurz und gut: In Deutschland gelten nun mal andere Vorschriften und Regeln als in den USA.

Hierzulande müssen etwa bestimmte Maße und Gewichte eingehalten werden, wenn man mit einem Wohnanhänger am Straßenverkehr teilnehmen will. Zudem empfiehlt Bock, „den Aufbau als Ladung auf dem Anhänger zu sichern und ihn nicht mit dem Anhänger zu verschrauben.“ Ansonsten gehört der Aufbau nämlich zum Anhänger und muss extra abgenommen und geprüft werden.

Auch das mit dem Gewicht ist so eine Sache. Zu schwer darf der Anhänger mit Aufbau nicht werden, da sonst nur noch große Zugwagen mit entsprechender hoher Anhängelast im Gespannbetrieb zum Einsatz kommen können.
Daher war für Christian Bock und sein Team eine der größten Herausforderungen beim Bau des deutschen Tiny Houses eine möglichst leichte Konstruktion, die „nebenbei“ auch noch zulassungsfähig sein musste.

Wie bei einem echten Haus gibt es Dach, Wände, Türen und Fenster – halt eben nur auf acht Quadratmetern Grundfläche. Aber selbst für eine Veranda fand sich noch Platz auf dem Anhänger. Wände und Dach sind mit 80 Millimeter starken Holzweichfaserplatten gedämmt.

Die diffusionsoffene Bauweise sorgt für ein angenehmes und gesundes Wohnklima und gute Isolierung. An der Außenfassade schützt eine speziell hinterlüftete Lärchenverschalung das kleine Häuschen. Mit entsprechender Isolierung und einem eingebauten Holzofen ist die mobile Hütte so selbst im Winter nutz- und bewohnbar.


Schlafzimmer unterm First

Durch die Gewichtsbegrenzung musste sich Tischlermeister Bock bei seiner rollenden Behausung in der Größe beschränken. Er findet das nicht weiter tragisch, aber Projekte wie in Amerika, die auch für vierköpfige Familien taugen, seien eben ausgeschlossen.

Für eine Einzelperson oder ein Paar ist Bocks Tiny House hingegen durchaus ausreichend ausgestattet. Es verfügt bei einem Innenmaß von 210 x 390 Zentimetern plus Erker über eine Küchenzeile mit Schränken, ein Kochfeld, eine Spüle und eine einfache Wasserinstallation sowie zwei Einbauschränke. Im Wohn- und Essbereich ist ein holzbefeuerter Gussofen installiert. Hier gibt es zudem einen zum Schreibtisch umgestaltbaren Esstisch und einen Sessel sowie einige Regale.

Das Schlafzimmer mit einem Doppelbett befindet sich im „Dachgeschoss“. Vor dem Tiny House ist eine kleine Veranda installiert, um den Eingangsbereich vor widrigen Witterungseinflüssen zu schützen. Und, ganz wichtig, auch eine per Schiebetür abgetrennte Komposttoilette ist mit an Bord.

Die Kosten für Bocks rollende Holzhütte liegen mit der beschriebenen Ausstattung bei 35.000 Euro netto, allerdings ohne Gussofen und Toilette. Gewichtsmäßig lässt sich ein Tiny House – je nach Ausstattung – ab etwa 2,5 Tonnen realisieren.

Für weitere Tiny Houses ist die Ausstattung des Wohnraums völlig individuell plan- und umsetzbar. So ergeben sich vielfältige Einsatzmöglichkeiten, etwa als Wohnraum für einen Single oder ein Paar, als Ferien- oder Wochenendhaus, Angler-, Ski- oder Jagdhütte, als Unterkunft für Gäste, als mobiler Büro-, Konferenz- oder Verkaufsraum, als Atelier oder Strandhaus. Statt eines Holzofens lassen sich auch eine Gas- oder Elektroheizung realisieren.

Einen Tipp hat Tischlermeister Bock noch für all jene, die dauerhaft in einem Tiny House leben möchten. „Das Grundstück, auf dem das mobile Heim abgestellt werden soll, muss eine solche Nutzung zulassen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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