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Mobilität: Ganz legale Geisterfahrer

von Jürgen Rees

Lange waren selbstfahrende Autos nur ein Traum. Nun werden Serienautos schneller als erwartet zu autonomen Co-Piloten: Sie greifen in brenzligen Situationen ein, steuern durch Autobahnbaustellen und warnen andere Fahrer bei Glatteis. Kein Unternehmen ist mit der neuen Technik so weit wie Google.

Bis 2017 sollen weltweit 90 Millionen Autos mit automatischem Co-Pilot fahren Quelle: dapd
Die Autoindustrie entwickelt sich rasant. Bis 2017 sollen weltweit 90 Millionen Autos mit automatischem Co-Pilot fahren. Quelle: dapd

Wie ein Pilz ragt das silberne Gerät aus dem Dach des dunkelblauen VW Passat. Damit rast der Wagen über eine Teststrecke in Mountain View im Herzen des Silicon Valley – mit Vollgas rückwärts. Nach 200 Metern schleudert er in bester James-Bond-Manier exakt in eine mit zwei roten Plastikhüten begrenzte Parklücke. Perfekt geparkt – ohne Fahrer. Der Passat ist eines von acht selbstfahrenden Autos des Web-Giganten Google.

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Die autonome Fahrzeugflotte der Kalifornier hat in knapp zwei Jahren rund 300.000 Testkilometer zurückgelegt, im Stadtverkehr, auf kurvigen Landstraßen und auf staugelähmten Autobahnen. Dabei haben sie gezeigt: Fahrerloses Fahren ist keine Träumerei mehr. Es ist möglich. Und das hat enorme Folgen für die gesamte Autoindustrie.

Technologien jenseits des Google-Kerngeschäfts

Denn die Technologie soll den Verkehr völlig unfallfrei machen. Sie kann auch helfen, ältere und behinderte Menschen mobil zu halten, Staus zu vermeiden, die Verkehrsdichte zu erhöhen und Sprit zu sparen. Vor allem aber bietet sie Autofahrern, die via Chauffeurstaste den Autopiloten einschalten, bald nie dagewesenen Komfort – vorausgesetzt, alle rechtlichen Probleme werden gelöst. Aus all den Gründen sei das Feld für den Internet-Konzern von großer strategischer Bedeutung, sagte Google-Mitgründer Sergey Brin kürzlich auf der Internet-Konfererenz Web-Summit in San Francisco.

Brin hofft auf ein Milliardengeschäft: Denn die elektronischen Helfer im Auto brauchen intelligente Software, und an der arbeiten viele seiner Kollegen: Zehn Prozent der rund 31 000 Google-Beschäftigten befassen sich mit innovativen Projekten jenseits des Google-Kerngeschäfts. Das mit Abstand wichtigste dieser neuen Projekte sei laut Brin das autonome Fahren.

Nicht nur bei Google. Autohersteller, Zulieferer und zahlreiche Forschungseinrichtungen drängen in das Feld. Continental, Bosch und Daimler haben Kameras entwickelt, die Fußgänger und Radler besser erkennen, vor einer Kollision bremsen und Autos sicher durch enge Baustellen navigieren können, Volkswagen lässt seinen Autopiloten zeitweise alleine fahren. Autos von BMW, Ford, Volkswagen, Daimler und Audi sprechen miteinander, damit sie Informationen über Staus und Glatteis schnell weiterleiten.

"Wir wissen, dass unsere Kunden im Stau gerne einen Autopiloten hätten", sagt Ralf Guido Herrtwich, der die Erforschung und Entwicklung von Fahrerassistenzsystemen bei Daimler in Stuttgart leitet. Den sollen sie nun bekommen.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 21.11.2011, 16:10 UhrAtnms2011

    Die deutsche Forschung braucht sich bei diesem Thema keinesweges zu verstecken. Das AutoNOMOS Projekt an der Freien Universität hat es bei der DARPA 2007 als Außenseiter ins Semifinale geschafft und testet das Fahrzeug "MadeInGermany" bereits seit Juni im Straßenverkehr von Berlin. Auf youtube kann man die Experimente auch regelmäßig mitverfolgen.

  • 18.11.2011, 10:25 UhrMFe

    Keine Ahnung wer hier falsch gerechnet hat, aber an den Zahlen zu Reaktionszeit und Bremsweg stimmt so gut wie gar nichts.

    Fangen wir mit dem Bremsweg an: Bei einer Notbremsung bei 120 km/h beträgt der BREMSWEG (Achtung nicht der Anhalteweg) ca. 72m, nicht 60m wie im Artikel genannt.

    Addieren wir nun die "Schrecksekunde" des Menschen dazu, komme ich bei 120 km/h ca. 33m zusätzlich (Reaktionsweg). Ergo beträgt der Anhalteweg (=Bremsweg+Reaktionsweg) ca. 105m!

    Jetzt hieß es das System braucht 250 Millisekunden, um die Bremsung auszulösen. Hier ist dann ein ganz großer Schnitzer passiert.
    Das "Milli" in Millisekunden kommt von dem Lateinischen "mille" und bedeutet tausend (1.000). In Kombination mit "Sekunde" heißt es so viel wie eine tausendstel Sekunde. Da es von dieser aber 250 gibt, braucht also das Assistenzsystem 1/4 Sekunde, um den Bremsvorgang auszulösen. Damit ist das System aber "nur" 4x Schneller und nicht wie im Artikel geschrieben 1.000-mal!

    Um das Ganze zu einem Ende zu bringen: Laut der genannten Zahlen verkürzt sich der Anhalteweg von ca. 105m auf ca. 80m.
    Das ist eigentlich sehr beindruckend, daher wäre es schön wenn die Zahlen im Artikel die gleiche Qualität hätten.

    Durch einen solchen Fauxpas stellt sich für mich immer die Frage wie seriös die Aussagen in dem Artikel insgesamt sind?

    MFe

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