Motorsport: Auf der Jagd nach einer verlorenen Zeit

Motorsport: Auf der Jagd nach einer verlorenen Zeit

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Ein Oldtimer auf der Mille Miglia

von Franz W. Rother

Alte Autos, Landschaften wie aus dem Bilderbuch und ein roter Pfeil: Die Mille Miglia Storico, das aufregendste Oldtimer-Rennen der Welt, erinnert an eine Zeit, in der Emotionen noch wichtiger waren als Emissionen.

Ein paar Sekunden länger und am 1415 Meter hohen Monte Carpegna hätte die Mille Miglia für die Insassen des metallicgrünen Porsche 356 Sport mit der Startnummer 300 ein abruptes Ende gefunden. Die beiden Debütanten aus Deutschland, die mit Huschke von Hansteins ehemaligem Dienstwagen an der härtesten Oldtimer-Rallye der Welt teilnahmen, haben am Passo Cantoniera, mitten in einer Prüfung, ein wenig die Übersicht verloren.

Eigentlich sollte der Messpunkt nach einer Fahrzeit von exakt zwei Minuten 30 Sekunden überrollt sein, um damit die Zeitnahme auszulösen. Doch weil der sowohl übermotivierte wie übermüdete Beifahrer die Stoppuhr exakt einmal zu viel gedrückt hat und er offensichtlich zudem bei der Lektüre des 146 Seiten starken Bordbuchs mit dem Zeigefinger eine Zeile zu tief gerutscht ist, geht das Team von einer geforderten Fahrzeit von drei Minuten aus – und parkt den Wagen sekundenlang vor der Einfahrt in die Zielzone. Erst als das Geschrei der Streckenposten immer lauter wird und sich die Insassen der nachfolgenden Autos anschicken, den Porsche zur Seite zu tragen, geben die Insassen ihren Kampf gegen die Zeit auf. Der Fahrer des 356, Porsche-Museumsleiter Achim Stejskal, gibt Gas und das Ziel der Zeitprüfung „Provo Cronometrata 16“ für den Rest des Feldes frei.

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Dabei sein ist alles – in Deutschland verströmen Oldtimer-Rallyes oft die Atmosphäre von Kaffeefahrten, bei denen Schnauferl-Freunde ihre automobilen Preziosen politisch korrekt, unter strikter Beachtung von Lärmschutzzonen und Tempolimits, durch schöne Landschaften bewegen. Unterwegs werden Rätsel gelöst und kleine Geschicklichkeitsübungen bewältigt. Und spätestens nach zwei Tagen endet die fröhliche Ausfahrt in der Regel mit Sektempfang und Siegerehrung.

Dabei sein ist alles? Nicht in Italien bei der Mille Miglia Storico. Da gilt das olympische Motto für die meisten Teilnehmer allenfalls noch bis zur Startlinie. Dabei versteht sich das einst berühmteste Autorennen der Welt seit seiner Wiederauflage 1977 als Gleichmäßigkeitsfahrt und Oldtimer-Rallye über 1000 Meilen oder rund 1600 Kilometer durch Italien. So steht es in der Ausschreibung. 1957 wurde das Autorennen auf öffentlichen Straßen 30 Jahre nach seiner ersten Austragung verboten: Ein schrecklicher Unfall kostete damals zwölf Menschen das Leben.

Verkehrsregeln gelten für die Oldtimer nicht

Aber am 12. Mai des Jahres 2011 ist spätestens am Ortsausgang von Verona die Mille, wie ihre Liebhaber sie gerne nennen, wieder ein echtes Autorennen. Dann, wenn die ersten Prüfungen anstehen und tollkühne Carabinieri auf schweren BMW-Motorrädern mit hektischen Handzeichen signalisieren, dass das Rotlicht an der Straßenkreuzung für historische Fahrzeuge nicht gilt und das Tempolimit auf der Landstraße großzügig ausgelegt werden darf. Blitzlichter sehen die Fahrer nur bei den umjubelten Einfahrten in die Dörfer und Städte. Die Radarfallen entlang der Strecke, das hat sich schnell herumgesprochen, sind abgeschaltet oder zugeklebt.

Die 376 Teilnehmer, Auto-Enthusiasten aus 25 Nationen, lassen sich da nicht lange bitten. Die „Forza, Forza“-Rufe der Tifosi, die an den Straßen von Brescia über Bologna bis Rom und über Siena, Florenz und Parma zurück nach Brescia bis weit in die Nacht hinein Spalier stehen, erwecken in fast allen Teams das Rennfieber.

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