Öko-Antrieb: Zwei-Liter-Auto auf Geldsuche

Öko-Antrieb: Zwei-Liter-Auto auf Geldsuche

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Nur zwei Liter auf 100 Kilometern: der Loremo

In Marl basteln Ingenieure an einem 2-Liter-Auto. 2010 soll es in Serie gehen – wenn sich genug Geldgeber finden.

Trockene Baumnadeln bedecken den Parkplatz im Industriepark Dorsten/Marl. Der Duft von Tannenzapfen liegt in der Luft. Uli Sommer läuft zwischen den Bäumen zu einem weißen zweistöckigen Häuschen; hier hat die Loremo AG ihren Sitz. Die Nähe zur Natur hat auch etwas mit dem zu tun, woran Sommer arbeitet, wenn er an den Büros der Mitarbeiter vorbei in eine kleine Halle kommt. Da steht ein schnittiges graues Auto, das die Autoindustrie mit der Umwelt versöhnen soll. Der Loremo – so heißt das Öko-Gefährt von Chefentwickler Sommer und Geschäftsführer Stefan Ruetz – soll auf 100 Kilometer nur zwei Liter Diesel verbrauchen.

Sommer klappt Windschutzscheibe und Fronthaube hoch, klettert ins Wageninnere und sinkt in die Sitzschale. Kein Zwei-Liter-Auto wird einen bequemeren Einstieg haben, erklärt er, denn Umweltfreundlichkeit hat ihren Preis. Das Auto muss klein und niedrig sein. Der Loremo ist noch mehr. Er ist 550 Kilogramm leicht und aerodynamisch geformt, um den geringen Verbrauch auch bei einer Höchstgeschwindigkeit von 160 Stundenkilometern zu gewährleisten. Und das für einen Preis von 15.000 Euro. Sommer: „Ein umweltfreundliches Auto muss nicht teuer sein.“

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Bisher ließen sich deutsche Autos am besten verkaufen, wenn sie groß und schwer sind. Das ist der Loremo nicht. Aber genauso sicher, sagt Sommer. Er fährt mit der Hand über die teppichartige Innenverkleidung an der Seite. Darunter liegt einer der drei Längsträger, die mit mehreren Querträgern das Skelett des Wagens formen. Trotz des leichten Metalls seien sie stabil und schützen die Insassen zuverlässig bei einem Unfall, versichert Sommer.

Es ist sein Baby. Seit 1993 tüftelt der Ingenieur daran. Schon 60.000 potenzielle Kunden haben sich auf der Firmenhomepage unverbindlich einen Loremo reservieren lassen. Sommer rechnet vor allem mit Sportwagenfans und Kunden aus der Öko-Ecke. Wenn nur ein einstelliger Prozentsatz der Interessenten tatsächlich einen Wagen kauft, lohne sich die Produktion bereits. Ab 2010 will die Firma bis zu 10.000 Fahrzeugen jährlich produzieren, neben dem Zwei-Liter-Loremo soll es noch die GT-Version geben, der sportliche Fahrer mit Tempo 200 und einem Verbrauch von drei Litern locken soll. Eine Elektroversion ist auch in Arbeit, ein Zugeständnis an die Marketingabteilung. „Das umweltfreundliche Image lässt sich gut verkaufen“, erklärt Sommer. „Die Leute vergessen gerne, dass für den Antrieb auch Strom aus Kohle produziert werden muss.“

Nur Platz für Kinder

Dann schon besser Diesel, aber bitte ganz wenig. Energieeffizienz ist der rote Faden in Sommers Arbeit: 1999 hat er sein Konzept das erste Mal vorgestellt, da lag der Ölpreis bei zehn Euro pro Barrel und die Resonanz auf sein Spar-Auto war gering. Dabei ist der Stand der Technik schon lange weit genug für ein Öko-Auto, die Entwickler hätten nur eine leichte Karosserie mit einem Zweizylindermotor kombinieren müssen. „Ich kann bis drei zählen und simple Zusammenhänge erkennen“, sagt Sommer. „Was bringt der sparsamste Motor, wenn das Auto zu schwer ist?“

An diese Innovation glaubte auch die Regierung von Nordrhein-Westfalen. In Bayern, wo die Loremo AG ursprünglich ihren Sitz hatte, fanden die Politiker die Idee zu riskant. Daher zog das Unternehmen nach Marl, angelockt von 2,3 Millionen Euro an Fördergeldern, die das Bundesland und die EU zu je 50 Prozent aus dem „Technologie und Innovation“-Topf lockermachten. Das Geld zahlte die Loremo AG an eine Fertigungsfirma für die Herstellung eines Prototyps. Nun hofft das Unternehmen, das 17 Mitarbeiter beschäftigt, auf die nächste Finanzspritze. Laut Sommer hat seine Öko-Karosse starke politische Rückendeckung: „Allein wegen der 2,3 Millionen Euro wären wir nicht hergezogen.“ Das restliche benötigte Kapital soll von privaten Investoren kommen. Etwa 45 haben sich bis jetzt beteiligt und einen einstelligen Millionenbetrag zusammengetragen. Für die Serienproduktion braucht Loremo einen zweistelligen Millionenbetrag.

Risikofrei ist die Investition nicht, noch macht die Firma keinerlei Umsatz. Zudem erfordert das neuartige Modell ein Umdenken der Verbraucher. Der Fahrgastraum ist eng, es gibt nur einen kleinen Kofferraum, und die beiden hinteren Sitze sind gegen die Fahrtrichtung montiert. Hinten ist noch weniger Platz als vorne, daher sind diese Sitze nur für Kinder und Gepäck gedacht.

Doch Sommer sieht sich als Wegbereiter einer neuen Konsumkultur. Andere Autohersteller zögen bereits nach. Volkswagen habe seine Idee des Drei-Liter- und Ein-Liter-Autos wieder aufgewärmt, auch Renault denke über ein sparsames Modell nach. Eins steht aber fest: „Im Bereich der Ökologie und der Wirtschaftlichkeit wollen wir Marktführer sein.“

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