Oldtimer als Investment-Alternative: Altes Blech rentabler als Edelmetall

Oldtimer als Investment-Alternative: Altes Blech rentabler als Edelmetall

, aktualisiert 05. Februar 2016, 19:26 Uhr
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Der zweisitzige Sportwagen mit langgezogenem Heck wird von einem 5,4 Liter großen Achtzylinder-Kompressormotor mit 180 PS angetrieben und war schon in seinem Baujahr (1937) ein höchst exklusives Auto.

von Frank G. HeideQuelle:Handelsblatt Online

Nach jahrelangem Boom flauen die Preissteigerungen bei hochwertigen Oldtimern zwar ab. Eine Blase lässt sich allerdings bislang noch nicht erkennen. Dennoch eignet sich ein Investment weiter nur für Kenner und Liebhaber.

DüsseldorfWenn Tagesgeld auf Tauchstation geht, einst glorreiche Banken kränkeln und Börsenkurse abschmieren, dann schauen sich Anleger nach alternativen Investments um. Sie bevorzugen Sachwerte. Auto-Enthusiasten bestaunen bei der Suche nach neuen Anlagen vor allem die Renditeentwicklung von Oldtimern. Was sie sehen, kann begeistern. Rallye-Fahrzeuge, die man einst als Poster im Kinderzimmer an die Wand pinnte, erreichten in den vergangenen Jahren Rekordergebnisse auf Auktionen.

Sportliche Alltagsfahrzeuge, mit deren Kauf man in den 80er-Jahren noch geliebäugelt hatte, kosten plötzlich eine Million Euro. Indizes und Rankings für die Preisentwicklung von Oldtimern, also Fahrzeugen mit einem Mindestalter von 30 Jahren, zeigen: Bei Sammlern besonders begehrte Fahrzeuge können langfristig Börsenindizes, aber auch anderen klassischen Anlageformen mit ihren durchschnittlichen Wertsteigerungen den Auspuff zeigen.

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So verdeutlicht der von den Preisexperten von classic-analytics aus Bochum für den VDA errechnete „Deutsche Oldtimer Index“, dass der aus 88 Fahrzeugen aus sieben Nationen ermittelte Durchschnittswert sich in zwölf Jahren nahezu verdoppelt hat.

Besonders edles Blech, etwa ab 150.000 Euro aufwärts, steigt seit etwa 2002 steil im Wert, wie auch der Top Index der Historic Automobile Group International (HAGI) zeigt.

HAGI beobachtet und erfasst, ähnlich wie classic-analytics, internationale Auktionsergebnisse. Deren regelmäßige Auswertung zeigt, dass erstklassige Classic Cars in der Wertentwicklung den Börsenindex S&P 500 deutlich schlagen. Mit einer durchschnittlichen rechnerischen Rendite von rund 16 Prozent pro Jahr seit 1980 fährt man mit ausgewählten Prestige-Klassikern mittelfristig oftmals besser als mit Gold.

Eine Folge dieser Entwicklung: Der Markt für Oldtimer hat sich dramatisch verändert. Neben dem ursprünglich vorherrschenden Typus des leidenschaftlichen Hobbysammlers, Technikfreaks und den unvermeidlichen Schrauber-Königen haben sich längst professionelle Investoren und Kapitalanleger sowie deren Berater in Stellung gebracht. Sie setzten im Hochpreissegment eine Wachstumsspirale in Gang, deren Ende nicht absehbar ist.

Wer zwei Picasso im Wohnzimmer hat, möchte neben dem Bugatti künftig auch einen Ferrari mit Rennhistorie in der Garage haben, könnte man meinen. Die Zeiten, in denen Klassiker in Scheunen gefunden und zu Schnäppchenpreisen verhökert wurden, sind offenbar endgültig vorbei.

Für die zehn begehrtesten Oldtimer des Jahres 2015 gaben wohlhabende Sammler allein bei Auktionen insgesamt fast 237 Millionen Dollar aus – siehe Liste – , 2011 waren es noch 70 Millionen Dollar gewesen. Die Versteigerungen sind ein Magnet für Superreiche, Auktionen in Paris, Goodwood, und Pebble Beach sind Treffpunkte von Millionären und Milliardären. Nach der Einschätzung von Experten machen die hier erzielten Preise aber höchstens ein Drittel des gesamten Marktumsatzes aus.


„Es wird sehr gezielt gekauft“

Die spektakulären Millionenwerte der High-End-Oldtimer sollten laut classic-analytics daher über eines nicht hinwegtäuschen: „Die Spitzenergebnisse zeigen zwar, welche extremen Summen finanzstarke Sammler für wirklich außergewöhnliche Exemplare zahlen. Diese Summen sind aber die Ausnahme, nicht die Regel“, sagt HAGI-Geschäftsführer Frank Wilke.

Der Durchschnittswert eines Oldtimers liegt bei rund 15.000 Euro – aber den meisten Besitzern ist der Spaß am Auto ohnehin viel wichtiger als sein Wert“, ergänzt Profi Wilke. Nach Erfolgsmeldungen und Rekordverkäufen der vergangenen Jahre habe sich der Preisanstieg im oberen Preissegment beruhigt. Marktbeobachter stellen auf den jüngsten Auktionen und Messen fest, dass selbst seltene Mercedes- und Porsche-Modelle auch mal nicht verkauft werden.

Ende Januar blieb bei großen Auktionen im texanischen Scottsdale etwa jedes fünfte Fahrzeug unverkauft stehen. Sind das erste Anzeichen für eine Marktsättigung, oder sind die Verkäufer zu gierig. Platzt vielleicht bald eine Preisblase?

Wilke beruhig: „Die Frage wird seit Jahren gestellt. Fakt ist aber, eine Blase ist nicht erkennbar.“ Der Markt sei transparent, die Käufer im Hochpreissegment gut informiert und arbeiteten fast ausschließlich mit eigenem, nicht mit geliehenem Geld. Es werde sehr gezielt gekauft, sehr hohe Summen würden nur für außergewöhnliche Autos bezahlt.

Weitestgehend Glückssache

HAGI-Analyst Carl-Christian Jancke ergänzt: „Der Markt hat sich beruhigt. Nach einem rasanten Anstieg haben wir ein Hochplateau erreicht. Der Top-Index, der 50 hochwertige Fahrzeuge monatlich misst, wuchs 2013 um über 40 Prozent. 2015 waren es nur 16 Prozent, das ist in etwa das langjährige Mittel. Klar ist aber: Der Markt ist keine Einbahnstraße, und die Werte können auch wieder wie Anfang der 90er für mehrere Jahre sinken.“

Als Investment, da sind sich die Experten einig, eignet sich ein klassisches Auto nur, wenn die erzielbare Wertsteigerung den Kaufpreis und die Aufwendungen für Betrieb, Erhaltung, Aufbewahrung, aber auch Reparatur, Steuer und Versicherung deutlich übersteigt. Das gilt etwa ab einer Schwelle von 100.000 Euro, wenn man eine jährliche Rendite von fünf bis zehn Prozent durch Wertsteigerung annimmt.

Die vielleicht wichtigsten Regeln für Oldtimer-Liebhaber, die zum ersten Mal eine Auktion besuchen, kommen von Bentley-Fan Wilke. Er warnt: „Sie müssen sich darauf einstellen, in weiten Teilen die Katze im Sack zu kaufen. Ein Motorprobelauf ist manchmal möglich, eine Probefahrt nie. Das Auktionshaus tritt nur als Vermittler auf und haftet nicht für Mängel.“

Sein Ratschlag: bloß nicht vom Bietfieber mitreißen lassen. Wenn der Traum von Auto plötzlich vor einem steht, brennen schnell die Sicherungen durch! Aber auf den Preis des Zuschlags kommen noch Aufgeld und Mehrwertsteuer obendrauf. Dadurch wird das Auto plötzlich um bis zu 30 Prozent teurer.


„Anfänger sollten den Markt in Ruhe beobachten“

Aber wahre Freunde alter Autos haben längst eine neue Nische entdeckt, in der sich Hobby und Geldanlage in überschaubaren Größen miteinander verbinden lassen: die Youngtimer. In Deutschland existieren laut einer Statistik des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) fast sieben Millionen Autos im Alter zwischen 15 und 30 Jahren. Stetiger Nachschub ist garantiert. Diese Autos bieten mit großer Vielfalt eine preisgünstige Möglichkeit, in das Klassiker-Hobby einzusteigen.

Gewisse Voraussetzungen sollten Neueinsteiger in die Old- und Youngtimer-Szene aber erfüllen. Eine Garage oder ein Schuppen gehören dazu, ein Freundeskreis Gleichgesinnter, der mit Rat und Tat zur Seite steht und auch mal mit anpackt. Markenclubs sind eine gute Info-Andresse, die auch bei der Anschaffung mit Rat und Tat zur Seite stehen, damit der Novize nicht auf Schrott und Blender reinfällt.

Die Handelsplattform Classic Trader hat unlängst ausgerechnet, dass der Betrieb so genannter „emerging classics“ kostengünstiger sein kann als der eines Neufahrzeuges: Kein oder nur ein geringer Wertverlust steht bei diesen Young- und Oldtimern mit besonderem Potenzial einem höheren Verbrauch und möglicherweise höheren Wartungskosten gegenüber. Ein Investment als Alternative zu Wertpapieren sind sie aber dennoch meist. Um eine ordentliche prozentuale Rendite zu erzielen, ist ihr absoluter Wert zu niedrig.

Sofort wirksam ist andererseits der Prestigegewinn: Einen Youngtimer zu fahren, gilt vor allem bei jungen Autofans als Kult. Und der persönliche Fahrspaß, wenn mal nicht geschraubt wird, sowie der Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten, zählen als Dividende.

Bevor es auf Tour geht, steht aber die Analyse an: Wie können Anfänger bei ihrer Liebhaberei für klassisches Blech möglichst wenig Geld verlieren? Experte Frank Wilke rät sich viel Zeit zu nehmen, den Markt in Ruhe beobachten, sei es in Oldtimer-Zeitschriften oder in Internetportalen. Die typischen Schwachstellen des eigenen Traumautos recherchieren. Danach ein Auto im guten Zustand zum marktgerechten Preis kaufen, denn Restaurierungen lohnen sich wirtschaftlich nur bei außergewöhnlichen Fahrzeugen.

Quellle:  Handelsblatt Online
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