Oldtimer-Auktionen: In Pebble Beach werden wieder Millionen für Alteisen gezahlt

Oldtimer-Auktionen: In Pebble Beach werden wieder Millionen für Alteisen gezahlt

, aktualisiert 14. August 2017, 11:25 Uhr
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Der 1970iger Porsche 917 Kurzheck war im Filmepos Le Mans (mit Steve McQueen) zu sehen und soll zwischen 13 und 16 Millionen Dollar kosten.

von Carl Christian JanckeQuelle:Handelsblatt Online

Zu den Highlights jedes Oldtimer-Auktionsjahres zählen die Versteigerungen rund um das kalifornische Pebble Beach. Rekordpreise über 30 Millionen Euro sind aber diesmal eher unwahrscheinlich.

Berlin/DüsseldorfAb Mittwoch fällt rund um den Golfplatz des Kalifornischen Pebble Beach wieder der Hammer. Sechs Auktionshäuser versteigern auf zehn Events mehr als 1.000 Autos, weist die Preis-App „Hammerprice“ aus. Und vom 2007er Mercedes SLK 350 über den 1977er Pontiac Grand Prix, einen klassischen Straßenkreuzer bis zum Porsche 917 Kurzheck, für den zwischen 13 und 16 Millionen Dollar erwartet werden, ist für fast jeden Geldbeutel was dabei. Eins scheint aber auch sicher: Neue Rekordpreise über 30 Millionen Euro sind unwahrscheinlich, auch wenn die Propaganda-Maschinerie der Auktionshäuser das Gegenteil suggeriert.

Der Markt für „Garagengold“ hat sich längst zum Käufermarkt gewandelt. Anders als 2013/14 wird längst nicht mehr jeder Wagen, den die großen Auktionshäuser wie Bonhams, Gooding oder RM Auctions ins Rampenlicht schieben, für einen Rekordpreis verkauft.

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Einige Angebote sind sogar in den vergangenen Monaten gescheitert, weil die Verkäufer wegen der hohen Preise aus den vergangenen Jahren zu hohe Erwartungen hatten. Auch scheint der Markt für Supersportwagen aus den Sechziger Jahren, für die deutlich zweistellige Millionenbeträge aufgerufen werden, derzeit gesättigt. Das Angebot ist reichhaltig, die Nachfrage bescheiden. Im Grunde eine gute Gelegenheit für den Einstieg.

Man darf deshalb gespannt sein, wie der von Gooding angebotene 1966iger Ferrari 275 GTB/C abschneidet, für den die Auktionatoren eine Bandbreite von 12-16 Millionen Dollar nennen. Der „Reserve“ genannte Mindestpreis, der erreicht werden muss, ist wie immer geheim, dürfte sich aber ebenfalls im niedrigen zweistelligen Millionenbereich bewegen.

Möglich, dass der Eigentümer den Wagen wieder mit nach Hause nimmt und ihn erst in einer geheimen Nachverhandlung los wird. Nach Auktionsende ergibt sich mitunter noch ein schwunghafter Handel auch weil das Auktionshaus sich in der Regel auch noch ein paar Monate das Recht sichert, den Wagen gegen die fällige Provision anderweitig zu vermarkten.

Die Preise für exklusive Fahrzeuge stabilisieren sich dabei auf einem „Hochplateau“, wie ein Händler gegenüber der Historic Automobile Group International (HAGI) formulierte. Der HAGI-TOP-Index, mit dem 50 historische Automobile mit einem Durchschnittswert von rund einer halben Million Euro gemessen werden, bewegt sich nach exponentiellem Wachstum in 2013 und 14 in diesem Jahr seitwärts.

Seit Jahresanfang hat er rund 3,5 Prozent verloren, im letzten Monat dagegen wieder rund einen Prozent zugelegt. Klassische Porsche gaben um 2,64 und historische Ferrari um mehr als vier Prozent nach. Lediglich Mercedes konnte seit Jahresanfang um sechs Prozent zulegen.

Generell lässt sich der Trend beobachten, dass auch eingedenk der exorbitant gestiegenen Preise das Interesse etwa an den diversen Modellen des Ferrari 250 oder 275 spürbar nachlässt. Das Drang zu Supersportwagen á la Porsche Carrera GT oder Jaguar XJ 220 aus den vergangenen 30 Jahren ist dagegen ungebrochen.

Die Wagen notieren deutlich unter einer Million Euro, bieten zeitgemäßen Fahrspaß und sind somit für eine breitere Klientel interessant. Allerdings sind hier erhebliche Preisschwankungen zu beobachten.


Preis-Orientierung per App

RM Sothebys bringt eine ganze Sammlung von 13 Ferraris aus allen Epochen an den Start. Hier soll ein 1965er 275 GTB/6C mit seltener Aluminium-Karosserie „nur“ zwischen 2,9 und 3,4 Millionen Dollar bringen. Ein 1991er Ferrari F40 wird von RM Auctions ohne „Reserve“ angeboten. Erwartet werden zwischen 1,3 und 1,5 Millionen Dollar.

In 2017 ist bisher kein Auto für einen zweistelligen Millionenbetrag versteigert worden. Schon diese Tatsache deutet darauf hin, dass aus dem Markt die Luft raus ist, bevor überhaupt eine Blase platzen könnte. Bei der Gooding wird ein Porsche 917 K (für kurz) feilgeboten, für den zwischen 13 und 16 Millionen Euro erwartet werden.

Weil der Wagen nicht nur an den 24 Stunden von Le Mans teilnahm sondern auch in dem sagenumwobenen Film eine Rolle spielte, den einst Steve McQueen über dieses Rennen drehte, könnte der Verkäufer Glück haben. Fraglich mag allerdings bleiben, ob der Wert des Wagens so hoch bleibt, wenn der Ruhm des Schauspielers verblasst ist.

Trotz verlagertem Interesse bleiben die Auktionshäuser auf die großen Rennwagen abonniert und der Beobachter muss erkennen, wie sehr man denen nachhängt. RM Sothebys haben einen 1956iger Aston Martin DBR 1 im Angebot. Hier erhofft man sich 20 Millionen Dollar. Immerhin hat das Auto wohl drei Mal an den 24-Stunden-Rennen in Le Mans teilgenommen. Und u.a. unter der Rennfahrer-Legende Stirling Moss, der die 1000 Meilen am Nürburgring wohl auf der legendären Nordschleife damit bewältigte und gewann.

Generell ist eine Schwerpunktverschiebung festzustellen. Autos aus der Epoche zwischen 1970 bis heute haben an Charme gewonnen. Spannend sind Fahrzeuge wie der McLaren F1, ein Derivat des Le Mans Siegers mit BMW Zwölfzylindermotor. Rund 75 Stück sind von der Straßenversion verkauft worden und die Eigentümer erträumen sich einen zweistelligen Millionenerlös. Wo der genau liegt ist schwer vorherzusagen.

Genauer kalkulieren kann man dagegen den Wert des von RM Sothebys angebotenen 2006er Ford GT. Einen ordentlichen Zuschlag wird der „Low Mileage“ Zustand bringen. Der Wagen hat keine 100 km auf der Uhr.

Mit einem Blick aufs Telefon bekommt man Orientierung: „Hammerprice“ zeichnet immerhin rund 46 Auktionsergebnisse für den Wagen seit 2015 auf und Ergebnisse von 300.000 Dollar im Mai oder 275.000 im Juni lassen die Bandbreite zwischen 275.000 und 350.000 Dollar als realistisch erscheinen.

Aber die App erweist sich nicht nur bei der Recherche von vergangenen Ergebnissen als nützlich. Statt sich beim Live-Stream auf den Seiten der Auktionshäuser die Nacht um die Ohren zu schlagen und zu zittern, dass der nicht gerade abbricht, wenn der Auktionator kunstvoll den Hammer schwingt, kann man in Echtzeit oder am nächsten Morgen in Ruhe auf dem Bildschirm des Smartphones die Auktionsergebnisse erkunden.

Eine wesentliche Funktion bleibt dabei besonders aufschlußreich: Hammerprice notiert auch die Höchstgebote der Wagen, die nicht versteigert wurden. Die werden nämlich von den Auktionshäusern im Anschluss verschwiegen, bieten aber für Interessenten gerade geläufigerer Autos wie etwa einem Mercedes SL oder Jaguar E-Type interessante Informationen über den gegenwärtigen Marktwert.

Der Autor ist Analyst bei der Historic Automobile Group International (HAGI)

Quelle:  Handelsblatt Online
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