Oldtimer-Messe Techno-Classica: Jung sucht Alt

Oldtimer-Messe Techno-Classica: Jung sucht Alt

, aktualisiert 08. April 2016, 19:27 Uhr
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Ein Futurliner von General Motors von 1939 steht vor der Grugahalle in Essen. Dieses und andere Fahrzeuge werden auf der Techno-Classica vom 6. bis 10. April 2016 gezeigt.

Quelle:Handelsblatt Online

Ältere Männer mit grauen Haaren und Tweed-Sakkos, die gern in Erinnerungen an die Fahrzeuge aus ihrer Jugend schwelgen: so das Klischee über Oldtimer-Freunde. Doch die Techno-Classica zieht immer mehr junge Liebhaber an.

EssenEines wurde gleich schon auf der Fahrt mit der U-Bahn 11 vom Essener Hauptbahnhof in die Gruga-Halle deutlich: Vom Klischee, dass die Techno-Classica nur für ältere Männer mit grauen Haaren und Tweed-Sakkos interessant sei, ist nicht mehr viel übrig.

Vielmehr tummelten sich auf dem Weg zur Handelsmesse für Oldtimer und andere Liebhaberfahrzeuge – laut Veranstalter SIHA die größte ihrer Art, rund 2500 Autos stehen zum Verkauf – auch jüngeres Publikum, das teilweise sogar den 30. Geburtstag noch vor sich hat.

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Diese Beobachtung macht auch Claus-Henning Guthard. „Der Nachwuchs geht der Branche so schnell nicht aus. Es gibt immer junge Leute, die alte Autos fantastisch finden“, sagt der Verkaufsberater des Böblinger Oldtimer-Händlers Arthur Bechtel Classic Motors, der seine chromblitzenden Oldtimer in Halle 1A ausstellt.

Und das, obwohl die Preise für die Liebhaberstücke seit Jahren steigen. „Die Entwicklung ist schon enorm. Für bestimmte Modell-Typen haben sich die Preise in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt. Für den dort hinten beispielsweise“, sagt Guthard und zeigt in Richtung Nachbarstand.

Dort steht ein Porsche 911 Carrera RS aus dem Jahr 1973. Weißer Lack, schwarzes Leder, 210 PS. Gerade einmal etwas mehr als 1300 Stück wurden davon zwischen 1972 und 1973 produziert. „Hier auf der Messe wird dafür inzwischen ein Preis von bis zu 750.000 Euro aufgerufen“, erklärt Guthard.

Für manche eine perfekte Wertanlage, für die jüngere Klientel allerdings eher weniger erschwinglich. Doch gebe es trotzdem genügend Autofreunde, die tief ins Portemonnaie griffen, um sich ihren Traum vom Klassiker zu erfüllen.

Teilweise würden sogar abenteuerliche Preise bezahlt. „Da schütteln wir manchmal schon mit dem Kopf, wenn wir sehen, was anderswo bezahlt wird“, sagt Verkaufsberater Guthard. Sein Unternehmen jedoch ist mit dem Verlauf der Messe zufrieden. „Die Frequenz ist hoch, es läuft gut.“


Amerikanische Klassiker und britische Blickfänge

Zu diesem Ergebnis kommt auch Rüdiger Lange. Er ist Geschäftsführer der Oldtimerzentren Classic Remise Berlin/Düsseldorf, der Stand des Unternehmens in Halle 1 ist ob seiner Größe kaum zu übersehen. 20 Autos stehen dort zur Ansicht, mehr als die Hälfte waren bereits bis Freitagmittag verkauft. „Besonders beliebt sind Sportwagen, egal ob deutsche, italienische oder amerikanische“, sagt Lange.

Speziell Modelle aus den USA würden immer beliebter, der Ford Mustang beispielsweise. Davon sind bei Classic Remise gleich zwei zu sehen: ein 1967 Fastback GT Big Block und ein 67er GT S-Code Fastback. „Wie in allen anderen Bereichen auch, gibt es bei Oldtimern ebenfalls Moden“, so der Geschäftsführer. Derzeit seien amerikanische Klassiker eine davon.

Aber auch deutsche Modelle sind beliebt, insbesondere bei der jüngeren Klientel. „Der BMW dort beispielsweise“, sagt Lange und zeigt auf einen weißen M3. Das 200-PS-starke Coupé wurde 1987 gebaut und kostet jetzt rund 55.000 Euro. „Oft finden die Kunden die Autos am interessantesten, die sie aus der eigenen Jugend kennen.“

Wer den Blickfang am Stand von Axel Schuette Fine Cars aus seiner Jugend kennt, muss definitiv älteren Semesters sein. Der grüne Bentley stammt aus den Jahren 1932/33 und ist ein Einzelstück. Laut Händler ist er seinerzeit eigens für den britischen Multimillionär und Flugzeugpionier Captain Vivian Hewitt hergestellt worden.

Zum Verkauf steht der grüne Viersitzer allerdings nicht. Im Gegensatz zu seinem prämierten Nachbarn. Der rot-blitzende Ferrari 250 GT SWB Berlinetta aus dem Jahr 1961 wurde als schönstes Auto der Show ausgezeichnet und wurde dementsprechend häufig von den Besuchern in Augenschein genommen.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Schuette diesen Preis gewonnen, damals ebenfalls mit einem Ferrari, dem 250 GT Pinin Farina Cabriolet Serie 1. Dementsprechend erfreut war das Team des Oldtimer-Händlers auch jetzt wieder, allerdings nicht nur über den gewonnenen Preis.

„Wir sind sehr zufrieden mit dem Kaufverhalten der Kunden, Zahlen verraten wir allerdings nicht“, so eine Mitarbeiterin freundlich lächelnd. Wenn es um Zahlen geht, sind Händler schließlich häufiger mal verschwiegen. Ganz ohne Klischees geht es also auch in diesem Jahr nicht auf der Techno-Classica.

Quelle:  Handelsblatt Online
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