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Oldtimer-Preisentwicklung: Automobile Klassiker setzen Wachstum fort

von Carl Christian Jancke Quelle: Handelsblatt Online

Wer in Classic Cars investiert, sollte sie als alternative Asset-Klasse begreifen und nicht alle Karten auf ein Auto, eine Marke oder einen Fahrzeugtyp setzen. Das zeigt auch die Entwicklung des HAGI-Preisindex.

Teure Ikone 300 SL: Immer häufiger sieht man hervorragende Exemplare des Mercedes-Roadsters bei einer Million Euro. Foto: Leo Konopaizky, Jewels Events
Teure Ikone 300 SL: Immer häufiger sieht man hervorragende Exemplare des Mercedes-Roadsters bei einer Million Euro. Foto: Leo Konopaizky, Jewels Events

Berlin50 repräsentiv ausgewählte historische Automobile konnten im Vergleich zum Jahresanfang mehr als zehn Prozent an Wert zulegen. Im Vergleich zum langjährigen Jahresmittel (12 Prozent p.A.) ist der Top Index der Historic Automobile Group International (HAGI) damit überdurchschnittlich gewachsen. Erfahrene Sammler deckten sich offensichtlich schon vor den alljährlichen Versteigerungen der großen Auktionshäuser in Pebble Beach mit den gewünschten Fahrzeugen ein.

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Lediglich klassische Ferrari, die im Vergleich zum Vormonat nur um 0,37 Prozent stiegen, konnten im HAGI F Index mit 9,49 Prozent die Zehn-Prozent-Schwelle noch nicht durchbrechen, während klassische Porsche um 10,63 Prozent zulegten und besser abschnitten als der Top Index insgesamt.

Außergewöhnlich ist das Wachstum des sonstigen Segments, das Fahrzeuge wie Aston Martin, Bentley oder Ikonen wie den Mercedes 300 SL oder den BMW 507 umfasst. Nachdem im Vormonat der HAGI Top Index ohne Porsche und Ferrari um 6,52 Prozent gesunken war, konnte er im Juni um mit einem Wachstum um 8,79 Prozent zuzulegen.

IndexZeitraumPunktemonatl.Veränderungseit 01.01.2012
HAGI TopJuni 2012152,25+ 4,39%+ 10,33%
HAGI Top ex P + FJuni 2012163,81+ 8,79%+ 10,95%
HAGI FJuni 2012139,75+ 0,37%+ 9,49%
HAGI PJuni 2012154,59+ 1,88%+ 10,63%


Das ausgesprochen starke Marktwachstum erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass in den folgenden Monaten eine Beruhigung eintritt. Potenzielle Investoren müssen dabei beachten, dass die Preise einzelner Fahrzeuge genauso schwanken können wie die unterschiedlicher Marken und Typen.

Aufgrund seines 40-jährigem Jubiläums sind insbesondere Porsche 911 Carrera RS gefragt. Aber auch die ersten 250 Exemplare des 911 aus 1965, die für den Motorsport homologiert wurden und dort gegen den 904 antreten konnten, notieren um die 100.000 Euro. Sie sind eben gerade durch den Motorsporteinsatz mit einer geringen “Survivor-Rate” geschlagen.


Schwergewicht im Markt bleibt der Mercedes 300 SL aus den Fünfziger Jahren, obwohl von dieser Ikone mehr als 3.000 Exemplare gebaut wurden. Exzellente Stücke wurden für deutlich über eine Million Euro gehandelt. Originalität schlägt bei der Wertentwicklung die perfekte Restaurierung.

Wenn man mit einem makellosen Fahrzeug beim Concours d´Elegance im kalifornischen Pebble Beach antritt, kann man zwar bei den Preisrichtern punkten, für den Wert des Fahrzeugs ist die originale Lichtmaschine mit Gebrauchsspuren wichtiger als eine dem Original nachempfundene neuwertige.

So kam ein Verkauf eines seltenen Porsche noch nicht zustande, weil der Verkäufer das originale Kurbelgehäuse noch in Australien auf dem Regal in der Garage hatte. Nun ist es wieder bei dem Wagen und die Transaktion kann über die Bühne gehen.


Im Ferrari-Segment können Fahrzeuge wie die “Spider”  275 GTS und der 365 GTS über die erhöhte Nachfrage nicht klagen, nachdem sich jahrelang das Interesse auf die legendären 250er Modelle konzentrierte, mit deren Rennerfolgen Enzo Ferrari einst den Ruf der Marke zementierte.

Trotzdem gilt seit der Veröffentlichung des ersten HAGI-Top Index, dass Porsche um 54,59 Punkte zulegten und Ferrari “nur” 39.75 Punkte gut machten.
Stabil bleibt das Wachstum auch bei den englischen Klassikern. Perfekte Bentley Continental R  Coupés, die wahren Sportwagen für den Gentleman nach dem zweiten Weltkrieg werden heute um die 600.000 Euro gehandelt.


Wer in historische Automobile investiert, sollte sie nur als alternative Asset-Klasse begreifen und vor allen Dingen nicht alle Karten auf ein Auto, eine Marke oder einen Fahrzeugtyp setzen. Obwohl die HAGI-Indizes sich stabil nach oben entwickeln, können einzelne Modelle auch immer mal eine Schwächeperiode durchlaufen.
Gefragt ist zudem gründliche, unabhängige Expertise, um zu erkennen, ob es sich auch wirklich um ein makelloses Exemplar handelt. Und deshalb sollte man immer auch Kosten für Beratung und Gutachten einplanen. In den meisten Fällen können die Hersteller dank ihrer Archive etwa anhand der Fahrgestellnummer viele Details über ein bestimmtes Fahrzeug verraten, die eine Überprüfung erleichtern.


Daneben bleibt zu beachten, dass Autos sich anders als Aktien kaum einfach in das Bankschließfach wegsperren lassen. Sie erfordern Unterhalt, Wartung und eine sichere Aufbewahrung, die die Originalität konserviert. Als wirkliches Investment taugen deshalb nur Fahrzeuge, die diese Kosten kompensieren können, weil sie einen ausreichend hohen Wert haben, so dass nach Bestreitung dieser Kosten auch noch eine Rendite übrig bleibt.
Deshalb ist die Prognose nicht schwer, dass die meisten Anleger, die in automobile Klassiker investieren, auch Benzin im Blut haben. Das macht das “Garagengold” für sie noch wertvoller.

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