
Der Mann scheint Gedanken lesen zu können: „Ja, nach dem Heck wird es viele Fragen geben. Das muss man erklären. Schließlich gibt es noch kein Schrägheckfahrzeug in der Oberklasse“, sagt Michael Mauer. „Aber ich finde es sogar die Schokoladenseite an dem Fahrzeug.“
Der 46-jährige Designchef steht im Hinterhof des Porsche-Designzentrums im schwäbischen Weissach und fährt mit den Händen über die hinteren Kotflügel eines Porsche Panamera aus der sogenannten Nullserie. An einem solchen Vorserienfahrzeug üben die Porsche-Mitarbeiter und -Zulieferer für die spätere Serienfertigung. Anzusehen ist das dem silbergrauen Flitzer nicht. Fugen, Karosseriespalte, Oberflächen im Innenraum – alles an dem Auto wirkt bereits so gediegen, wie es in diesem Herbst auch einmal in der Serie aussehen soll.
Mauer fährt mit der Hand Richtung Heckscheibe über die Karosserie und erklärt: „Dadurch, dass wir das Auto als reinen Viersitzer konzipiert haben, konnten wir die hinteren Einzelsitze etwas enger zusammenrücken und dem Auto die typischen, stark ausgeprägten Schultern geben.“ Nicht ohne Stolz fügt er hinzu. „Die Proportionen des Autos sind sogar noch etwas dramatischer als beim 911. “
Ungewöhnlich flach und breit
Was der Porsche-Designchef mit dramatisch meint, fällt allerdings erst auf, wenn der Panamera direkt neben dem zweisitzigen Konzernbruder Cayman steht, der zusammen mit dem Boxster den Einstieg in die Porsche-Welt markiert. Die viertürige Sportlimousine ist ein tief geduckter Riese. Mit 1,40 Metern ist der Panamera für diese Fahrzeugklasse ungewöhnlich flach, in der Breite dagegen übertrifft er mit 1,93 Metern sogar die S-Klasse von Mercedes deutlich. Selbst in der Länge hat das Daimler-Flaggschiff nur eine Fingerlänge Vorsprung. „Intern haben wir das Konzept Space-Coupé genannt“, erklärt Mauer.
Was er damit meint, zeigt er nebenan im virtuellen Designstudio. In einem abgedunkelten Raum projiziert Mauer eine 3-D-Animation des Panamera an die Wand und erklärt, mit welchen Designelementen das Auto auf den typischen Porsche-Look getrimmt wurde. Der Designer markiert die gewölbten Kotflügel, die Kontur der Motorhaube und die vorderen Lufteinlässe mit roten Linien – und schon erscheint das typische Porsche-Gesicht. „Auf diese markentypischen Merkmale zu verzichten wäre Wahnsinn“, sagt Mauer.
Ungünstiges Timing für die Neuerscheinung des Porsche
Alles andere wäre wohl auch zu riskant gewesen. Vom Panamera hängt viel ab für Porsche. Seit mehr als drei Jahren ist die vierte Baureihe von Porsche neben Boxster/Cayman, Cayenne und 911 angekündigt, und die Erwartungen sind groß: 20.000 bis 25.000 Fahrzeuge pro Jahr will Porsche von seinem neuen Hoffnungsträger verkaufen. Die Mehrzahl davon soll auf die leistungsstärkeren Achtzylinder-Varianten entfallen, die mit ein paar Extras deutlich über 100.000 Euro liegen.
Leicht wird das aus Sicht von Experten nicht: „20.000 Autos klingt nach nicht sehr viel. Aber betrachtet man andere Fahrzeuge in dem Segment wie etwa den Maserati Quattroporte, der nur auf wenige Tausend Einheiten kommt, dann wirkt das sehr ambitioniert“, sagt Gregor Matthies, Autoexperte bei der Unternehmensberatung Bain & Company.
Vor allem das Timing für die Neuerscheinung hält Matthies für unglücklich: „Porsche kann wegen der langen Entwicklungszyklen der Branche nichts dafür, aber das Auto kommt mitten in der Wirtschaftskrise natürlich zur Unzeit.“ Auch wie ein solches Fahrzeug in einer andauernden Klimadiskussion bei der Kundschaft ankommt, ist aus Sicht des Experten fraglich.
Porsche verspricht zwar trotz eher konventioneller Technik außergewöhnlich niedrige Verbrauchswerte für die neuen Modelle. So soll sich die 400-PS-Ausführung mit 10,8 Liter Super Plus auf 100 Kilometer begnügen. Doch „was solche auf dem Prüfstand ermittelten Angaben wert sind, muss sich erst in der Praxis erweisen“, sagt Matthies. „Technologisch hätte man von Porsche erwarten können, dass das neue Auto vom Start weg mit neuen, hocheffizienten Motoren inklusive eines spritsparenden Hybridantriebs und mit extremem Leichtbau glänzt.“











