Peter Schreyer: "Wie ein Wassertropfen"

InterviewPeter Schreyer: "Wie ein Wassertropfen"

Der Hyundai-Chefdesigner über Gestaltungssünden, Schneeflocken als Inspiration und die Arbeit unter Firmenpatriarchen.

WirtschaftsWoche Online: Reden wir über Designsünden moderner Autobauer: Mein Sohn klagte jüngst nach der Fahrt in Mercedes’ neuer A-Klasse, er könne vom Rücksitz nicht rausschauen. Der Hyundai i30 sieht ähnlich aus. Keilform mag ja sportlich wirken, aber rechtfertigt das alles?

Die Gürtellinie hoch anzusetzen und Autos so sportlicher aussehen zu lassen ist auch eine Modeerscheinung. Wir nehmen die extreme Keilform schon wieder zurück. Andererseits sind Designer nicht allein verantwortlich, wenn Autos unübersichtlich werden.

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Wer denn sonst?

Autos sind heute auch deswegen unübersichtlicher als vor 30 bis 40 Jahren, weil wir viele Sicherheitsvorschriften berücksichtigen müssen.

Die geben die Keilform vor?

Nein, aber beispielsweise die Anforderungen an die A-Säule, die die Windschutzscheibe umfasst. Die ist heute stärker und daher breiter als früher. So bleibt das Dach etwa bei einem Überschlag im Wesentlichen heil – und die Insassen überleben den Unfall. Autos von vor 30 Jahren wären danach platt.

Wer bestimmt denn die Formen, der Käufer oder der Designer?

Wir versuchen, die Bedürfnisse der Kunden von morgen zu ergründen und ihn mit unseren Entwürfen zu überraschen.

Zur Person

  • Peter Schreyer

    Schreyer, 61, ist Chefdesigner der südkoreanischen Autohersteller Hyundai und Kia. Einst gestaltete der gebürtige Bayer Autos wie den VW New Beetle, den Golf IV oder den Audi TT. Jetzt sitzt er als erster Nichtkoreaner im Präsidium des koreanischen Familienunternehmens.

Dann setzen Designer die Trends?

Ja, klar. Oder wissen Sie heute, welches Auto Ihnen in fünf Jahren gefällt?

Nein. Aber wenn Sie mir heute etwas zeigen, was ich in fünf Jahren kaufen kann, wüsste ich, ob es mir liegt.

Die meisten Menschen wissen das aber nicht. Deshalb mag ich solche sogenannten Kliniktests nicht. Kommt etwas Ungewohntes, lehnen die Probanden es erst mal ab. Darauf zu reagieren und etwa das Heck des neuen Autos umzugestalten kann gutes Design kaputt machen. Ich gebe wenig auf solche Tests.

Gibt es Autodesign, das weltweit gefällt? Bei Ford oder Fiat sind Versuche, Weltautos zu bauen, gescheitert.

Das eine, einzige Weltauto gibt es nicht. Aber es gibt schon Produkte, die global ihre Fans finden: etwa Apples iPhone. Warum sollte das bei Autos anders sein? Wenn man die unterschiedlichen Ansprüche an Fahrzeuge in den Märkten beachtet, klappt das.

Global verträgliches Design und emotional ansprechende Fahrzeuge für regionale Märkte, passt das überhaupt?

Wir wollen noch etwas emotionaler werde. Ich könnte mir gut ein Cabrio und einen Sportwagen vorstellen. Der Zeitpunkt steht aber noch nicht fest.

Weitere Artikel

Wie grenzen Sie denn den Charakter der Schwestermarken Kia und Hyundai ab?

Unser Vize-Chairman, der Sohn von Konzernpatriarch Chung Mong-koo, hat es so formuliert: Kia ist wie eine Schneeflocke, Hyundai wie ein Wassertropfen.

Apropos Chung Mong-koo, früher haben Sie für VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch gearbeitet und jetzt für den Hyundai-Patriarchen. Gibt es da Parallelen?

Sie sind sich ähnlich, nicht nur beim Alter. Beide sind absolut leidenschaftlich und von ihrer Vision überzeugt.

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