Roboterautos: Das Ende von Linienbus und Straßenbahn

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Roboterautos: Das Ende von Linienbus und Straßenbahn

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Ist das die Zukunft des Öffentlichen Nahverkehrs? Autonomer Minibus von Navya oder selbstfahrende Autos vom Fahrdienst Uber.

von Andreas Menn

Autonome Fahrzeuge stellen nicht nur die Autobranche vor Herausforderungen. Am schnellsten überrollt werden dürfte der öffentliche Transport.

John Zimmer fuhr vor ein paar Jahren auf der Autobahn nach New York City, als ihm etwas merkwürdig vorkam.

Überall um ihn herum waren diese leeren Sitze: Autos, in denen nur der Fahrer saß. Zimmer, damals noch Student an der Cornell University, kam auf eine Geschäftsidee. Im Jahr 2007 gründete er Zimride, einen Onlinedienst für Mitfahrgelegenheiten: Autofahrer konnten die leeren Plätze in ihrem Wagen an Passagiere vermarkten.

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Zimride heißt jetzt Lyft und ist mit rund zwei Milliarden Dollar Venture Capital eines der bestfinanzierten Start-ups weltweit. Und Zimmer hat inzwischen viel radikalere Pläne für die Mobilität der Zukunft entwickelt. Vor ein paar Tagen veröffentlichte er auf der Onlineplattform Medium einen Masterplan, der in den nächsten Jahren nichts anderes als eine „Revolution der Mobilität“ lostreten soll.

Zusammen mit dem Autokonzern General Motors, der 500 Millionen Dollar in Lyft investiert hat, will Zimmer schon 2017 selbstfahrende Taxis einsetzen. Sie sollen noch langsam, auf festen Routen und nicht bei jedem Wetter fahren. Ein bis zwei Jahre später will der Unternehmer die Roboterautos auf variablen Strecken einsetzen. 2021 soll Lyft die Mehrheit seiner Fahrten mit selbstfahrenden Autos erledigen. „Gegen 2025“, resümiert er, „wird privater Autobesitz den Weg der DVD gehen.“ Also den ins Abseits.

Ein Pilotversuch in Helsinki soll zeigen, dass autonome Busse sicher durch den Verkehr kommen. Die WirtschaftsWoche ist mitgefahren.

Zimmers Pläne klingen nach einer kühnen Vision. Aber der Unternehmer ist nicht der einzige Avantgardist. Auch Konkurrenten wie Uber und Google sowie Autokonzerne arbeiten an ähnlichen Konzepten – die Forscher rund um den Globus für ziemlich realistisch halten. Nicht nur auf die Automobilbranche rast damit der Express der Umwälzung zu: „Die Existenz des heutigen öffentlichen Nah- und Fernverkehrs wird durch das autonome Fahrzeug bedroht“, warnt ein Positionspapier des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen.

ICE und TGV ein Fall fürs Museum

Denn was regionale Verkehrsbetriebe, Schienenverkehr und Co. heute leisten, können Lyft und Konsorten bald effizienter und günstiger. Werden ICE und TGV, Straßenbahn und Underground bald ausrangiert und landen auf einem Platz im Museum?

Die Vorboten der Revolution sind längst im Einsatz: Weltweit testen Google, Lyft, Daimler und Dutzende andere Unternehmen ihre Roboterautos auf der Straße. Das Start-up Nutonomy etwa setzt in Singapur selbstfahrende Autos schon für den Taxiverkehr ein. Der Fahrtenvermittler Uber kutschiert in Pittsburgh Fahrgäste per Autopilot. Und in Helsinki, der Stadt Sitten in der Schweiz und in Gelderland in den Niederlanden sind bereits selbstfahrende Minibusse unterwegs.

Gewaltiges Plus an Lebensqualität

Laut einer Studie des Weltverkehrsforums, einer internationalen Organisation der OECD, brächte die Verkehrswende, an der hier leise gearbeitet wird, Stadtbewohnern ein gewaltiges Plus an Lebensqualität. Sie kämen in Robotertaxis schneller zum Ziel, ohne Umsteigen und lange Wartezeiten. Die Fahrten kosteten, auch ohne Subventionen, halb so viel wie heutige Tickets im öffentlichen Nahverkehr. 95 Prozent der Parkplätze könnten für neue Häuser, Cafés, Geschäfte, Parks genutzt werden. Staus wären Vergangenheit, der Straßenverkehr ginge um bis zu 37 Prozent zurück.

PremiumRoboterbusse aus Berlin Unikate von deutschen Fließbändern – danke, Roboter!

Das Start-up Local Motors will in Berlin Roboterbusse bauen und als Flotte betreiben. Es ist nur ein Beispiel dafür, wie Maschinen die Industrie revolutionieren. Deutschland wird als Fertigungsstandort wieder attraktiv.

Olli ist ein Kleinbus mit Autopilot des Start-Ups Local Motors. Alles an Olli ist außergewöhnlich: das Konzept selbst; die Art, wie es entstanden ist; und die Weise, wie Local Motors den Wagen fertigen will. Mitten in Berlin will das Start-up Anfang 2017 eine Kleinserienproduktion starten. Quelle: Presse

Die Szenarien klingen so verlockend, dass Wissenschaftler wie Berater ausgiebig hoch- und vorrechnen, worauf sich die Städte der Zukunft vorbereiten sollten. So simulierten Experten des Weltverkehrsforums am Computer gut 1,1 Millionen Trips an einem Werktag in der Stadt Lissabon und berechneten anhand von Fahrzeiten und Wahrscheinlichkeitsmodellen, welches Verkehrsmittel die Menschen präferieren würden. Auch Berater der Boston Consulting Group (BCG) haben die Folgen der autonomen Mobilität untersucht. Die Ergebnisse müssen vor allem Verkehrsverbünde und die Deutsche Bahn aufhorchen lassen.

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