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Rohstoff-Boom: Die tödlichen Nebenwirkungen eines deutschen Autos

von Alexandra Endres Quelle: Zeit Online

Autos sind aus Stahl, Kupfer und Alu. Ihr Abbau richtet in den Ursprungsländern große Schäden an. Hilfsorganisationen fordern: Die Autohersteller müssen das verhindern.

Qualmende Reifen stinken, oder? Nicht unbedingt: Kumho kann auch anders. Angeblich äußerst beliebt bei asiatischen Kunden sind die Duftreifen des japanischen Herstellers. Bislang gibt es nur die Duftnote Lavendel, geplant sind aber Orangenblüte, Rosmarin und Jasmin. Zur Technik: Die Reifen verströmen ihren Duft sobald eine bestimmte Wärme der Reifen erreicht ist und das sogar in einem Umkreis von ca. zehn Metern. Im Reifen eingearbeitet sind hitzeresistente Öle, die dann den Lavendelduft verströmen. Die Reifen basieren auf dem Modell Ecsta HM KH31. Der Duft bleibt laut Hersteller für mindestens ein Jahr erhalten. Die Firma hat übrigens auch den Coloured Smoke Tire entwicket. Das Highlight für Tuningfreunde verqualmt bei durchdrehenden Antriebsrädern wahlweise rot, blau oder gelb. Eine Zulassung ist noch offen, die Pneus könnten bei Angebern zu übertrieben rasanten Ampelstarts führen. (Quelle: Thomas Pospiech, Auto - Das große Sammelsurium; eigene Recherche)

Bild: Pressefoto

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Wer weiß schon genau, woher sein Auto stammt? Vorsicht: Gemeint ist hier nicht der Ort der Montage. Woher kommen die Teile und Rohstoffe, die in dem Wagen stecken? Kaum ein Autofahrer wird das beantworten können – häufig wissen nicht einmal die Autokonzerne selbst, woher die Bauteile ihrer Fahrzeuge im Detail stammen. Das wurde durch das Erdbeben von Fukushima klar.

Damals fehlten manchen Unternehmen Teile, ohne dass sie hätten sagen können, wer genau der Hersteller war. Offenbar gelingt es den Automobilherstellern nicht immer, in ihrer globalisierten Branche, in der sie selbst nur noch ein Viertel der Wertschöpfung zum Produkt beitragen, den Überblick über ihre komplexen Lieferbeziehungen zu behalten.

Millionen Tonnen von Metallen werden jedes Jahr in der Automobilindustrie verarbeitet. Vor allem Eisen und Stahl, Kupfer und Aluminium stecken in den Fahrzeugen. Zusammengenommen machen sie zum Beispiel in einem VW Golf – genauer: dem VW Golf VI 2.0 TDI – zwischen 70 und 75 Prozent des Gewichts aus. Doch der Abbau der Rohstoffe, die für ein Auto gebraucht werden, führe in den Ursprungsländern oft zu schweren Menschenrechtsverletzungen, sagen Hilfsorganisationen.

Der statistische Trend ist eindeutig: Die Deutschen kaufen im Durchschnitt - und allen Debatten um das Weltklima zum Trotz -, immer stärkere Neuwagen. So hatten laut der Statistik des Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg die zwischen Januar und April in Deutschland neu zugelassenen PKW 2011 eine durchschnittliche Leistung von 134 PS - und damit so viel wie nie zuvor. Im gesamten Jahr 2011 lag der Wert bei 130 Pferdestärken. 
Den Grund für den Anstieg sieht Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des CAR, in dem zunehmenden Diesel-Anteil, und der hängt wiederum mit der Beliebtheit von SUV zusammen, deren Absatz stetig steigt und die in 67 Prozent der Fälle mit Selbstzündern unter der Haube ausgeliefert werden. Und da der Trend anhält, wird auch die durchschnittliche PS-Zahl weiter steigen, prophezeit Dudenhöffer. 

Allerdings sind moderne und teils geländetaugliche SUV nicht die Serienwagen, mit den höchsten CO2-Ausstößen. Diese zweifelhafte "Ehre" gebührt den Sportwagen ...

Bild: Pressefoto

"Blutdiamanten", Stahl und Kupfer

Bisher wurden in der Öffentlichkeit eher andere, seltenere Rohstoffe mit Menschenrechtsverletzungen in Zusammenhang gebracht. Zum Beispiel Gold, dessen Abbau häufig große Umweltschäden verursacht; oder Coltan und Diamanten, die auf dem Weltmarkt so teuer verkauft werden können, dass die Erlöse aus dem Handel Konflikte wie den Bürgerkrieg im Kongo befeuern. Aber die Gewinnung von Stahl, Kupfer und Aluminium kann ebenfalls schlimme Konsequenzen zeitigen. Das zeigt die Studie Vom Erz zum Auto, die Misereor, Brot für die Welt und Global Policy Europe auf einer Anhörung am Donnerstag in Berlin vorstellten.

Zum Beispiel Eisen und Stahl: Der als Beispiel gewählte VW Golf besteht zu 65 Prozent aus diesen beiden Metallen, am Gewicht gemessen. Stahl wird aus Eisenerz gewonnen, und dessen Förderung verbraucht immense Flächen und große Mengen an Wasser – etwa im indischen Jharkhand, wo der Eisenerz-Bergbau Tausende Menschen von ihrem Land verdrängte und die Armutsraten, auch wegen der Vertreibungen, viel höher sind als im Durchschnitt Indiens.

Zugleich benötigt die Verhüttung des Erzes zu Roheisen riesige Mengen an Energie, und die Abgase und Abwässer der Branche verschmutzen die Luft. In Brasilien beispielsweise haben die Behörden wegen der Umweltwirkungen eines Stahlwerks Anklage gegen ThyssenKrupp erhoben.

"Grüne Wüste" nennen die Brasilianer jene Plantagen von Eukalyptusbäumen in der Bergbauregion im Norden des Landes, aus denen die Holzkohle für die Eisenerzverhüttung gewonnen wird. Der Anbau brauche riesige Flächen Land, das den Anwohnern weggenommen werde, berichtete der Anwalt und Aktivist Danilo Chammas in Berlin. Nach maximal drei Pflanzzyklen bleibe der Boden von Pestiziden verseucht zurück. "Die Nahrungssicherheit der Menschen ist in Gefahr."

Auf Fotos, die Chammas zeigte, bedecken braune Staubwolken den Himmel. Die Eisenhütten bliesen den Staub in die Luft, er bedecke das Land in einer dichten Schicht, sagte Chammas. "Die Menschen können nicht anders, als ihn ständig einzuatmen."

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 18.09.2012, 06:33 UhrMV_

    Langsam kann ich das dumme Geschwätz nicht mehr hören: Ein gewaltiger Vorteil der arbeitsteiligen Freien Marktwirtschaft besteht eben darin, dass man die ökonomische und effiziente Zusammenarbeit leistet, OHNE sich in die Lebenswelt des Geschäftspartners rein zu hängen! Es ist auch enorm friedensstiftend, sich allein auf die Einhaltung der Veträge zu konzentrieren und sich nicht als deutscher Gutmensch vom Dienst in Alles und Jedes tantenhaft einzumischen.

  • 17.09.2012, 14:33 UhrMatthias

    Seit wann ist Stahl ein eigenes Metall ?

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