Serie Wirtschaftswelten 2025: Freude am Gefahrenwerden

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Serie Wirtschaftswelten 2025: Freude am Gefahrenwerden

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In Zukunft übernimmt ein Roboter das Fahren, was nicht bedeutet, dass kein Mensch mehr wachsam am Steuer sitzt

von Jürgen Rees

Intelligente Roboter-Autos chauffieren uns schon in wenigen Jahren durch die Städte – und machen dabei auch den eigenen Wagen überflüssig. Was wird aus der stolzen Automobilindustrie?

Er rast nicht. Er flucht nicht, wenn ein Radler ihn schneidet. Er sieht gut, obwohl dieser Dezember-Tag verregnet und düster ist. Er gewährt kurz nach dem Start der Testfahrt in Göteborg einem Lastwagen die Vorfahrt, achtet auf Fußgänger und ist auch nach stundenlanger Fahrt putzmunter. Der hellblaue Volvo-Kombi vom Typ V60 bewegt sich höflich und so vorbildlich, wie sich Polizei und Unfallforscher das wünschen. Nur: Kein Mensch fährt so.

Und so ist es auch kein Mensch, der an diesem Tag den Volvo über den Autobahnring um die schwedische Großstadt navigiert, sondern eine Maschine. Volvo-Ingenieur Erik Coelingh hat nach dem Einsteigen einen Knopf gedrückt, das Kommando über das Fahrzeug abgegeben – und bei seinem Beifahrer ob des Übertragens jeglicher Kontrolle auf eine schnöde Maschine Unbehagen ausgelöst.

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Dieses Gefühl des Loslassens im Auto-Cockpit entpuppt sich als Moment großer Ungewissheit. Stark der Impuls, sich dagegen zu wehren, jeden Einfluss aufzugeben; nicht kleiner das Unbehagen, wohin die Maschine einen nun wirklich lenkt.

Freude am Gefahrenwerden? Na ja.

Welche Assistenzsysteme es schon gibt und wann Roboter das Steuer komplett übernehmen

  • 2013

    • Spurwechselassistent
    • Spurhalteassistent
    • Parkassistent (teilautomatisch)

  • 2013 - 2014

    Notbremsfunktion und Fußgängererkennung

  • 2015

    • Parken per Smartphone-App
    • Baustellenassistent
    • Notausweichassistent

  • 2016

    Stauassistent

  • 2017

    • Automatischer Notausweichassistent
    • Kreuzungsassistent

  • 2018 - 2020

    • Smartphonegesteuerter Einparkassistent
    • Autobahnpilot (teilautomatisch)

  • 2020 - 2025

    • Autobahnchauffeur (vollautomatisch)
    • Automatisches Fahren in der Stadt
    • Voll automatisiertes Parken

  • Nach 2025

    Hochautomatisiertes Fahren (von Tür zu Tür)

Dann aber dreht sich das Lenkrad von allein. Der Volvo beschleunigt und bremst selbsttätig, er scannt seine Umgebung und reagiert so vorausschauend wie kaum ein menschlicher Fahrer. Und langsam wandelt sich die Skepsis des Passagiers in die Faszination darüber, was die Technik kann.

Das ist auch gut so: Denn was Volvo-Ingenieur Coelingh hier am Einzelfall vorführt, soll den Verkehr in Göteborg auf immer verändern. Noch sind es Forschungsautos, aber ab 2017 sollen 100 Kunden für ein Jahr Volvos zuschaltbare Selbstfahrtechnik im Alltag erproben. In einem weiteren Schritt soll diese Technik dann in knuffige Robo-Taxis münden, die in einem neuen Stadtteil am ehemaligen Freihafen die Privatautos ersetzen.

Göteborg ist damit ein Testlabor für die Zukunft des Autos. Fast alle großen Hersteller wie Audi, BMW, Ford, Mercedes oder General Motors arbeiten an ähnlichen Konzepten. Erst vergangene Woche ließ Audi eine selbstfahrende Version seiner Oberklasse-Limousine A7 per Autopilot zur Elektronikmesse CES nach Las Vegas rollen.

Statt wie früher die CEOs von Fernsehherstellern oder Spielkonsolen-Anbietern traten dort Daimler-Chef Dieter Zetsche und Ford-Boss Mark Fields als Innovationsführer auf und berichteten von der neuen Autowelt, in der wenig so sein wird, wie es war. Vor allem, weil die Fahrzeuge immer schlauer werden, die Maschine den Menschen auch am Lenkrad überflügelt. „Es ist keine Frage mehr, ob die Selbstfahrerautos kommen, sondern wann“, sagt Zetsche.

Serie "Wirtschaftswelten 2025"

  • Zur Serie

    Nichts wird bleiben, wie es ist. Das Internet verändert unsere Wirtschaft, unsere Gesellschaft, das ganze Leben. Datenanalyse ersetzt Bauchgefühl (Big Data), Brillen sprechen mit Autos (Internet der Dinge). Unternehmen müssen sich neu erfinden, Märkte bilden sich neu (informationsökonomische Revolution). Was bedeutet das für Arbeit, Mobilität, Geld, medizinische Versorgung? Und was wird aus uns? In der Kurztextgalerie finden Sie alle im Rahmen der Serie erschienenen Artikel.

  • Künstliche Intelligenz: Genies vom Fließband

    Lange waren denkende Computer nur Science-Fiction. Nun aber beantworten die smarten Maschinen schon E-Mails, planen unseren Urlaub und arbeiten als Dolmetscher. Bald sind sie klüger als wir - und können jeden Job übernehmen. Hier geht es zum Artikel.

  • Deutschland fehlt die Vision einer digitalen Gesellschaft

    Viele Menschen fürchten, im Zuge der Digitalisierung von Maschinen ersetzt zu werden. Doch diese Angst trübt den Blick für die Vorteile neuer Technologien, schreibt Gesche Joost.

  • Die Maschinen holen uns ein

    Maschinen lernen aus Daten, und zwar sehr schnell. Wie gut, dass wir ihnen etwas Entscheidendes voraushaben, meint Viktor Mayer-Schönberger.

  • Roboter übernehmen das Steuer

    Intelligente Roboter-Autos chauffieren uns schon in wenigen Jahren durch die Städte – und machen dabei auch den eigenen Wagen überflüssig, meint WirtschaftsWoche-Redakteur Jürgen Rees.

  • Technologie muss eingeschränkt werden

    Künstliche Intelligenz zu verbieten, ist sinnlos. Doch wenn sie nicht eingeschränkt wird, wird sie uns nicht nur gewaltige Vorteile bringen - sondern auch gewaltige Nachteile, schreibt Gary Marcus.

  • Maschinen werden keine Revolten anzetteln

    Intelligente Maschinen werden die Arbeitswelt verändern. Es könnte zu Revolten kommen. Aber nicht durch die Maschinen - sondern durch jene Menschen, die von den Maschinen ersetzt wurden, warnt Patrick Ehlen.

  • Werden uns Roboter töten?

    Wir werden auch in Zukunft die Kontrolle über Maschinen behalten – falls wir uns klug und menschlich verhalten. Das ist möglich. Aber keinesfalls sicher, schreibt David Gelernter.

  • Wahre künstliche Intelligenz wird alles ändern

    Ist das Ende 40.000-jähriger, durch den Homo sapiens sapiens dominierter Geschichte in Sicht? Selbstlernende künstliche neuronale Netze erledigen manche Aufgabe schon heute besser als Menschen.

  • Mensch und Maschine wachsen zusammen

    Wichtige ethische Fragen sind bislang nicht nur unbeantwortet. Sie sind nicht einmal gestellt, mahnt Bernhard Rohleder.

  • Revolution der Maschinen

    Die Maschinen nähern sich einem Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt. Als speicherprogrammierte Rechner die ersten Befehle ausführen konnten, begannen die Maschinen die Kontrolle zu übernehmen, schreibt George Dyson.

  • Roboter werden zu Gefährten und Kollegen

    Roboter könnten uns eines Tages als Arbeitskollegen oder Gefährten unterstützen, glaubt der Wissenschaftler Guy Hoffman. Aber wie viel Kontrolle wollen wir den Maschinen überlassen?

  • Wie in Zukunft Krieg geführt wird

    Globale Vernetzung und immer billigere Waffen machen Kriege erschwinglich für alle. Wie sich Kriegsführung und -abwehr verändern, beschreibt das fiktive Protokoll einer Attacke aus dem Jahr 2025.

  • So erlebt ein Joghurt die Industrie 4.0

    Maschinen entscheiden, Werkstücke erteilen Befehle: Die digitale Fabrik verspricht die Annäherung an das Extrem einer Produktion ohne den Menschen. Die deutschen Unternehmen müssen aufpassen, dass die USA nicht vor ihnen in der Zukunft ankommen. Lesen Sie hier wie es um die Industrie 4.0 in Deutschland steht.

Zu verlockend sind die Versprechungen:

  • So soll „ab 2020 niemand mehr in einem Volvo bei einem Unfall getötet werden“, verspricht Volvo-Chef Hakan Samuelsson. Das wird aber nur gehen, „wenn Rechner und Sensoren den Menschen ablösen“, stellt sein Forschungschef Peter Mertens klar. Heute sterben weltweit jedes Jahr 1,2 Millionen Menschen im Straßenverkehr.
  • Maschinen-Autos werden drastisch weniger Sprit verbrauchen. Kleine, leichte /Robo-Cars benötigen bei Nutzung aller Potenziale nur ein Zehntel der Energie heutiger Fahrzeuge, erwartet die Rand Corporation, ein US-amerikanischer Thinktank.
  • Staus und Lärm in den Städten werden weniger. Teilten sich gar mehrere Mitfahrer ein Robotertaxi, würden bis zu 90 Prozent der Fahrzeuge in den Metropolen überflüssig, hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ausgerechnet. Und die Kommunen können nach und nach ihre teuren Busse, Straßen- und U-Bahnen abschaffen. Wie in Göteborg können die Planer menschen- statt autogerechte Innenstädte entwerfen.
  • Menschen bleiben bis ins hohe Alter mobil – auch wenn die Sehkraft und die Reaktionsgeschwindigkeit nachlässt.

Und nebenbei entsteht ein lukrativer Markt. So rechnet die Unternehmensberatung Roland Berger ab 2025 global mit Umsätzen von stolzen 60 Milliarden US-Dollar allein mit neuer Hard- und Software.

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