Spar-Auto: Wie sich Volkswagens 1-Liter-Auto XL1 fährt

Spar-Auto: Wie sich Volkswagens 1-Liter-Auto XL1 fährt

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Volkswagen XL1

von Jürgen Rees

Volkswagen hat mit dem XL1 das erste seriennahe Ein-Liter-Auto der Welt gebaut. Ob es für den Alltag taugt, konnte Jürgen Rees in Dubai prüfen.

Elegant sieht anders aus. Der Fahrer windet sich zum silberfarbenen Wagen hinunter, rutscht über den Seitenschweller und fädelt sich zwischen dem Lenkrad und dem dünn gepolsterten Fahrersitz ein. Mit einer Höhe von 1,16 Metern ist der Zweisitzer 30 Zentimeter niedriger als der VW Polo. Er startet per Knopfdruck. Lautlos beschleunigt der Elektromotor bis auf 80 Kilometer pro Stunde. Dann schaltet sich der noch rau laufende, weil vollkommen ungedämmte Minidiesel hinzu.

Es ist eine Sensation, was da in Doha, der Hauptstadt des Wüstenemirats Katar, über die breiten Straßen rollt: Der XL1, den VW-Vorstandschef Martin Winterkorn vergangene Woche als Prototyp vorgestellte, ist das erste Hybridauto, das nur noch 0,9 Liter Diesel auf einer Strecke von 100 Kilometern verbraucht. Die VW-Fahrzeugstudie L1 aus dem Jahr 2009 brauchte noch 1,38 Liter.

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Möglich wird der Fortschritt durch massenhaft Hochtechnologie: Angefangen mit der Außenhaut, für die das VW-Design-Center in Potsdam eine strömungsgünstige Delfinform mit verkleideten Hinterrädern entwickelt hat. Zudem kommt der XL1 ohne Außenspiegel aus: Den Blick zurück ermöglichen Kameras, deren Bild auf Monitoren in der Seitenverkleidung der Türen angezeigt wird.

Werkstoff mit Tücken

Weil das Auto für den Miniverbrauch aber nicht nur strömungsgünstig, sondern auch leicht sein muss, kam Stahl für die Karosserie nicht infrage. Stattdessen setzten die Entwickler auf ultraleichte, kohlenfaserverstärkte Kunststoffe (CFK), wie sie bereits im Flugzeugbau oder bei Formel-1-Autos verwendet werden.

Doch der Werkstoff hat Tücken: Er ist teuer und schwierig zu verarbeiten. Das weiß niemand besser als VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch. Der Auto-Patriarch saß 2002 im ersten Ein-Liter-Auto, das wegen der hintereinanderliegenden Sitze eine aerodynamisch günstige, aber wenig alltagstaugliche Zigarrenform hatte. Damals kostete allein die Karosserie des L1 getauften Autos mit Ein-Zylinder-Dieselmotor 35.000 Euro. „Heute sind es noch 5000 Euro“, versicherte Piëch der WirtschaftsWoche in Doha.

Um den Preis der Karosserie zu senken, haben die Ingenieure ein Verfahren weiterentwickelt, das die Sportwagenbauer des VW-Konzerns bereits bei Lamborghini einsetzen: In einem Spritzverfahren wird in eine Art Backform, die aus zwei Hälften besteht, das Kunststoffgewebe eingelegt. Nachdem die Form geschlossen ist, wird dünnflüssiges Harz eingespritzt. Die Komponenten verbacken dabei miteinander und das Karosserieteil ist im Schnitt nach einer halben Stunde fertig.

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