Standards: Der Stecker-Trick aus dem Sauerland

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Standards: Der Stecker-Trick aus dem Sauerland

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Der Streit um das Design eines EU-weit einheitlichen Ladesteckers für E-Mobile nähert sich einem Ende.

von Jürgen Rees

Jahrelang gab es Streit um einen EU-weit einheitlichen Stecker für Elektroautos. Nun wird eine Technik aus dem Sauerland zum Standard.

Vier Jahre lang haben vor allem Frankreich, Italien und Deutschland darum gestritten, wie ein einheitlicher europäischer Ladestecker für E-Mobile aussehen soll. Ohne eine Einigung drohte Autofahrern der Albtraum: Würden sie mit ihrem Elektroauto oder ihrem Plug-in-Hybrid durch Europa reisen, müssten sie sich vorher zig Adapter kaufen, um den Wagen auch im Urlaub laden zu können.

Der Streit nähert sich dem Ende. Denn das als Mennekes-Stecker bekannte Ladegerät für Elektroautos steht europaweit kurz vor dem Durchbruch. Dieser blaue, siebenpolige und mit Pistolengriff versehene Stecker ist in Deutschland bereits etabliert. Die EU-Kommission will, dass alle Hersteller, die Autos in Europa verkaufen, diesen sogenannten Typ-2-Stecker einsetzen. Nun muss nur noch das Europaparlament zustimmen.

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Quelle: rtr

Der Stecker, der nun groß rauskommt, wurde von dem mittelständischen Unternehmen Mennekes Elektrotechnik aus dem sauerländischen Kirchhundem entwickelt. Geholfen hat den Entwicklern am Ende ein kleiner Trick: Denn bis zum Schluss bestand vor allem Frankreich auf einen in Italien hergestellten Stecker, der angeblich einen besseren Kinderschutz bietet, weil er eine Abdeckung bietet, die sich beim Einstecken an die Seite schiebt. „Der Einigungsprozess dauerte so lange, weil auch wirtschaftspolitische Interessen eine Rolle spielten“, weiß Mario Beier von der Geschäftsstelle Elektromobilität im Deutschen Institut für Normung (DIN) in Berlin.

Mittlerweile bietet auch der Mennekes-Stecker die gefragte Kinderschutz-Funktion. Auch wenn er „die gar nicht braucht“, sagt Stecker-Erfinder, Volker Lazzara. Mennekes schützt Kinder mit einem weitaus raffinierteren System als die mechanische Sicherung: Wenn an der Ladestation kein Strom abgerufen wird, bleibt die gesamte Station stromfrei. Auf einem offenen Stecker ist also nie Spannung. Die EU wollte den Kinderschutz trotzdem.

Zudem arbeitet der kommende Standardstecker nicht nur mit der heute üblichen Wechselspannung. Er kann auch an künftigen Ladesäulen andocken, die mit Gleichspannung arbeiten. Diese Technik soll die Ladezeiten auf weniger als 15 Minuten verkürzen.

Weltweit gibt es als Konkurrenz noch den Typ-1-Stecker, der in Asien und Amerika üblich ist. Mennekes’ Typ 2 ermöglicht jedoch höhere Ladeleistungen und kürzere Ladezeiten. Das französische System wäre Typ 3 gewesen.

Überall, wo heute Starkstrom fließt, ist ein Mennekes-Stecker im Einsatz. 102 Millionen Euro setzte das Unternehmen im vergangenen Jahr mit solcher Technik um. Der Umsatz mit den Autoladeanschlüssen war dagegen mit knapp acht Millionen Euro 2012 noch bescheiden. Doch das wird sich jetzt ändern. Viele Abnehmer haben nicht in Infrastruktur für Elektroautos investiert, weil sie abwarten wollten, welches System sich durchsetzt.

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Den Markt wird sich Mennekes allerdings mit rund zehn weiteren Herstellern teilen müssen. Auf die eigene Entwicklung hat Mennekes kein Patent und daher auch kein Monopol. Nicht, dass Entwickler Lazzaro das vergessen hätte. „Hätten wir unsere Entwicklung patentieren lassen, hätten unsere Stecker keine Chance gehabt“, sagt er. „Ein Monopolprodukt wäre niemals zu einer Norm für eine ganze Region erhoben worden.“

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