Technik-Coach statt Rechts vor Links: Fahrlehrer suchen Weg aus Krise

Technik-Coach statt Rechts vor Links: Fahrlehrer suchen Weg aus Krise

Muss man das Autofahren bald überhaupt noch lernen oder gibt es bald schon Assistenzsysteme, die das Auto von selbst steuern? Ein Blick in die Zukunft des Fahrlehrer-Berufs.

Probleme haben die deutschen Fahrschulen wahrlich genug. Der eigene Berufsstand ist völlig überaltert. Das Auto als Statussymbol hat für viele junge Menschen ausgedient. Und beinahe wöchentlich macht irgendwo eine Fahrschule dicht. Lichtblicke? Zuletzt eher Fehlanzeige. Hoffnung setzt die Branche mittelfristig ausgerechnet in die Digitalisierung des Straßenverkehrs. Denn zuletzt ging die Zahl der Fahrschulen ebenso deutlich zurück wie die der praktischen Prüfungen. Wurden 2007 noch knapp 1,37 Millionen Prüfungen für den Autoführerschein abgelegt, waren es sieben Jahre später nur noch knapp 1,15 Millionen.

Und der Berufsstand des Fahrlehrers? „Völlig überaltert“, sagt der Vorsitzende des Bundesverbands deutscher Fahrschulunternehmen (BDFU), Rainer Zeltwanger, in Stuttgart. Laut Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF) sind drei von vier Fahrlehrern älter als 45 - und fast jeder Dritte über 60.

Hinzu kommt: Als Statussymbol habe das Auto für viele junge Menschen ausgedient, sagt der BVF-Vorsitzende Gerhard von Bressensdorf. Diese Rolle hätten Smartphones, Reisen und Kleidung übernommen. Vor allem in Großstädten mit gut ausgebautem Nahverkehr ist der Führerschein heute oft überflüssig. Oder, wie Zeltwanger es ausdrückt: „In der Stadt ist ein Auto Mist.“ In ländlichen Regionen seien junge Menschen indes froh, wenn sie mit 17 die Fahrerlaubnis in der Tasche hätten. Aber braucht es den Führerschein überhaupt noch, wenn das digital vernetzte Auto ohnehin alle Aufgaben des Fahrers übernimmt? Braucht es die Fahrschulen bald noch?

Welche Assistenzsysteme es schon gibt und wann Roboter das Steuer komplett übernehmen

  • 2013

    • Spurwechselassistent
    • Spurhalteassistent
    • Parkassistent (teilautomatisch)

  • 2013 - 2014

    Notbremsfunktion und Fußgängererkennung

  • 2015

    • Parken per Smartphone-App
    • Baustellenassistent
    • Notausweichassistent

  • 2016

    Stauassistent

  • 2017

    • Automatischer Notausweichassistent
    • Kreuzungsassistent

  • 2018 - 2020

    • Smartphonegesteuerter Einparkassistent
    • Autobahnpilot (teilautomatisch)

  • 2020 - 2025

    • Autobahnchauffeur (vollautomatisch)
    • Automatisches Fahren in der Stadt
    • Voll automatisiertes Parken

  • Nach 2025

    Hochautomatisiertes Fahren (von Tür zu Tür)

Zeltwanger sagt ja. Von Bressensdorf auch: „Ich denke, dass es immer noch einen großen Bereich gibt, wo der Fahrer in der Verantwortung ist.“ Der Fahrer müsse die Assistenten verstehen und im Notfall schlagartig eingreifen können. Dementsprechend werde sich das Berufsbild des Fahrlehrers ändern. „Die Systeme müssen verstanden und gelehrt werden“, sagt von Bressensdorf. Fahrlehrer würden mehr und mehr zu Coaches, die Technik erklären, meint Kollege Zeltwanger.

Ein Aspekt, der den Beruf auch für Jüngere wieder attraktiv machen könnte, glaubt von Bressensdorf. Denn Nachwuchs wird händeringend gesucht. Junge Fahrlehrer als Technik-Coach wirken auf einen 16-Jährigen wohl auch glaubwürdiger als der Kollege im Rentenalter. Apropos Rentenalter: Jetzt schon würden ältere Fahrer regelmäßig nach Schulungen für die neuen Assistenzsysteme fragen, sagt Zeltwanger. Überflüssig, da sind sich beide Branchensprecher natürlich einig, werden Fahrlehrer in absehbarer Zeit nicht.

Eine Einschätzung, mit der sie nicht alleine sind. In allen Stufen bis zum automatisierten Fahren sei die Anwesenheit eines Fahrers erforderlich, der bei Bedarf die Kontrolle über den Wagen übernimmt, heißt es aus dem Bundesverkehrsministerium in Berlin.

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Wie gut Autokonzerne auf Angriffe von Apple & Co. vorbereitet sind

  • BMW

    Vernetzung

    Gutes Angebot mit Connected Drive, DriveNow-Carsharing, Kooperation mit chinesischer Suchmaschine Baidu

    Elektromobilität

    Innovatives Angebot mit eigener Elektro-Modelllinie i3, i8

    Autonomes Fahren

    Testmodelle für autonomes Fahren, erste Features ab 2016 in der nächsten 7er-Reihe

    Fazit

    Viel Erfahrung mit E-Mobilen, Kooperation mit Toyota, wenig Chancen für Apple und Google

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • Daimler

    Vernetzung

    Umfangreiches Angebot mit Comand-System, Car2Go -Carsharing per Smartphone

    Elektromobilität

    Lange Erfahrung mit Elektromobilität (vollelektrisch, Plug-in-Hybride, Brennstoffzelle); Kooperation mit Tesla

    Autonomes Fahren

    S-Klasse und C-Klasse bereits in Serie teilautonom unterwegs; autonome Trucks

    Fazit

    In allen Bereichen sehr gut aufgestellt; Kooperation mit Apple oder Google allenfalls punktuell

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • Fiat- Chrysler

    Vernetzung

    Blue&Me-Entertainment (mit Microsoft entwickelt), Carsharing-Dienst Enjoy in Mailand und Rom

    Elektromobilität

    Sehr überschaubares Angebot: ein E-Modell (Fiat 500e); Jeep stellt Hybridmodelle in Aussicht

    Autonomes Fahren

    Keine konkrete Ankündigung

    Fazit

    Finanziell angespannte Lage, könnte bei E-Mobilität, Vernetzung und autonomem Fahren starke Partner brauchen

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • Ford

    Vernetzung

    Befriedigendes Angebot mit Ford Sync-System (mit Microsoft entwickelt); stark in den USA, in Europa im Aufbau

    Elektromobilität

    Überschaubares Angebot: Focus Electric Drive; C-Max Plug-in-Hybrid, Mondeo Hybrid

    Autonomes Fahren

    Bremsassistent im Test, Parkassistent im Focus; neues Forschungszentrum im Silicon Valley

    Fazit

    Aktuell noch Schwächen beim autonomen Fahren, aber starke Investitionen in das Thema, Partner sind denkbar

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • General Motors (Opel)

    Vernetzung

    Befriedigendes Angebot mit GM On Star Infotainment

    Elektromobilität

    Geringes Angebot: ein Hybrid (Chevrolet Volt), ein Elektro-Auto angekündigt (Bolt)

    Autonomes Fahren

    Pläne für teilautonome Fahrzeuge bis 2017

    Fazit

    Wenig eigene Lösungen; Google oder Apple könnten zum Mitmachen verführen

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • Hyundai/Kia

    Vernetzung

    Befriedigendes bis ausreichendes Angebot, Kooperation mit chinesischem Suchmaschinenanbieter Baidu

    Elektromobilität

    Ein Elektroauto (Kia Soul); Vorsprung bei Brennstoffzelle mit Hyundai iX 35

    Autonomes Fahren

    Arbeitet am teilautonomen Fahren für Autobahnen und Parkassistenz; keine Serienreife

    Fazit

    Stark bei neuen Antriebstechnologien, schwach bei autonomem Fahren, Aufholbedarf bei Vernetzung

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • PSA Peugeot Citroën

    Vernetzung

    Befriedigendes bis gutes Angebot mit Peugeot Connect, Carsharing Mu

    Elektromobilität

    Überschaubares Angebot: zwei Elektroautos Peugeot iOn, Citroën C-Zero, eine Plug-in-Studie Quartz

    Autonomes Fahren

    Noch im Forschungsstadium

    Fazit

    Finanziell angespannte Situation, wenig eigene Lösungen. PSA könnte starken Partner wie Google und Apple brauchen

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • Renault/Nissan

    Vernetzung

    Befriedigendes Angebot mit Nissan connect und Renault My Z.E. connect

    Elektromobilität

    Breites Angebot beider Marken an Elektroautos, Nissan Leaf ist meistverkauftes E-Auto weltweit

    Autonomes Fahren

    2020 will Nissan erschwingliche autonomfahrende Autos auf den Markt bringen

    Fazit

    Renault/Nissan sind bei der Elektromobilität mit vorne, Nissan setzt auf autonomes Fahren, Vernetzung ausbaufähig

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • Toyota

    Vernetzung

    Befriedigendes Angebot mit T-connect, Testlauf zu Vernetzung mit Elektrovehikeln in Grenoble

    Elektromobilität

    Hybridpionier; sehr viel Erfahrung mit Batterie-und Brennstoffzellenfahrzeugen (Mirai 2015 in Serie)

    Autonomes Fahren

    Testautos; bis 2017 bei Nobeltochter Lexus Autobahn- und Sicherheitsassistenten

    Fazit

    Stark bei Antrieben, schwach bei Konnektivität, Mittelmaß beim autonomen Fahren – Google könnte Druck machen

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • Volkswagen-Konzern

    Vernetzung

    Wachsendes Angebot etwa durch CarNet und Audiconnect; Übernahme der Blackberry-Forschung in Bochum

    Elektromobilität

    Wachsendes Angebot an Plug-in-Hybriden und E-Modellen bei VW, Audi, Porsche; keine Brennstoffzellen in Serie

    Autonomes Fahren

    900 km Testfahrt im selbstfahrenden Audi A7, 2016 sollen A7, Q7 teilautonom fahren können; autonomes Parken

    Fazit

    Volkswagen-Konzern beherrscht Elektromobilität und Connectivity, Umsetzung neuer Technologie in Serie dauert

    Quelle: eigene Recherche, Statista

Erst beim autonomen Fahren, der höchsten Automatisierungsstufe also, „übernimmt das System das Fahrzeug vollständig vom Start bis zum Ziel“. So steht es in einem Strategie-Papier von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Der Fahrer wird zum Passagier. Doch das ist Zukunftsmusik. Stand jetzt wird das autonome Fahren gerade mal auf wenigen Strecken getestet - etwa auf der A9 in Oberbayern.

In der Stadt kommt das vollautomatisierte Fahren laut Verband der Automobilindustrie (VDA) voraussichtlich erst ab 2030 - komplett fahrerlos wird es noch später. Und dann wird es noch Jahrzehnte dauern, bis der gesamte Auto-Bestand auf deutschen Straßen gegen Digital-Wagen ausgetauscht wurde. Nicht zu sprechen von der Infrastruktur, die Datenübertragung im höchsten Tempo sowie Sensoren in Bauwerken und Signalanlagen erfordert.

Weitere Artikel

Ulrich Chiellino, Verkehrspsychologe des ADAC in München, vergleicht den Autofahrer von morgen mit dem Piloten von heute. „Der fliegt auch automatisiert, ist aber hin und wieder gezwungen, die Maschine zu übernehmen.“ Deshalb ermuntert er Autofahrer dazu, die Assistenten ab und zu auszuschalten und - etwa das Einparken - wieder selbst zu übernehmen.

„Der Fahrlehrer wird weiter gebraucht“, sagt VDA-Sprecher Eckehart Rotter. Aufgabe des Fahrlehrers sei auch, jungen Menschen deutlich zu machen, wie viel Aufmerksamkeit der Straßenverkehr erfordert - auf der Autobahn, auf der Landstraße und in der Stadt. Denn im Notfall trage der Fahrer auch künftig die Verantwortung für seinen Wagen. „Er ist der Chef und er bleibt auch noch viele Jahre der Chef. Allerdings wird er von immer mehr Assistenten unterstützt.“

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