Telefon am Steuer: Tödliches Tippen

Telefon am Steuer: Tödliches Tippen

, aktualisiert 14. Juni 2016, 11:24 Uhr
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ARCHIV - ILLUSTRATION - Eine Frau schreibt am 11.08.2010 in Dresden in einem Auto eine «SMS» auf einem Mobiltelefon (Aufnahme mit Dreheffekt verfremdet). Foto: Arno Burgi/dpa(zu dpa "Umfrage: Telefonieren und Simsen lenkt Autofahrer am meisten ab" vom 10.06.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Quelle:Handelsblatt Online

Weil Autofahrer immer häufiger zu Handy oder Smartphone greifen, steigt die Unfallgefahr. Die Polizei versucht, gegenzusteuern und winkt Verkehrssünder von der Straße.

FreiburgHand und Ohr sind am Mobiltelefon, die Gedanken beim Gesprächspartner: Vom Straßenverkehr bekommt die junge Mutter am Lenkrad wenig mit, ihre Konzentration gilt dem Telefonat. Als die Polizei ihr Auto von der Straße winkt, hat die Frau Mühe, rechts ranzufahren. Mit einer Hand lenkt es sich schwer. „Ich weiß“, sagt sie den Polizisten: „Aber es ist wichtig.“ Und telefoniert weiter, ohne die Beamten zu beachten. Die Polizei, die am Straßenrand eine Kontrollstelle eingerichtet hat, muss warten.

„Wir haben es mit einem Phänomen zu tun, das uns große Sorge bereitet“, sagt Peter Veeser. Der 60 Jahre alte Erste Hauptkommissar ist Leiter der Verkehrsüberwachung im Polizeipräsidium Freiburg, seit 37 Jahren ist er Verkehrspolizist. „Die Ablenkung am Steuer hat eine Dimension angenommen, wie wir sie bislang nicht kannten“, sagt er. „Dadurch steigt die Unfallgefahr.“ Die Polizei versucht nun, gegenzusteuern – und hat den Kampf gegen Handy-Nutzung am Steuer, zum Beispiel in Baden-Württemberg, zu einem Schwerpunkt gemacht.

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Gemeinsam mit Kollegen kontrolliert Veeser Autofahrer, die während der Fahrt zu Handy, Smartphone oder Tablet greifen - an diesem Tag in Freiburg. Im Minutentakt ertappt ein Beamter in Zivil Verkehrssünder, Veeser winkt sie mit der Polizeikelle an den Straßenrand.

„Früher diente das Handy allenfalls zum Telefonieren“, sagt der Polizist: „Mit zunehmender Digitalisierung und verbesserter Technik sind die Geräte nun aber zum ständigen Begleiter geworden und werden auch von Autofahrern genutzt.“ Es wird telefoniert, getippt, gegoogelt, gechattet, gewischt, gesurft, gescrollt - selbst während der Fahrt. Doch das ist verboten. Die Polizei hat ein Auge darauf.

Besonders dreist ist an diesem Tag ein Mann. Er telefoniert mit dem Handy in der linken Hand, hält in der rechten Hand seinen morgendlichen Frühstückskaffee und lenkt mit seinen Knien das Auto durch den dichten Stadtverkehr – ein gefährliches Manöver.

„Die Gefahr, die durch Ablenkung am Steuer ausgeht, wird unterschätzt“, sagt Veesers Kollege Markus Häringer. „Wir wollen deshalb sensibilisieren und auf das hohe Unfallrisiko, das durch Handy-Nutzung ausgeht, aufmerksam machen.“


Die Dunkelziffer ist groß

Verlässliche Zahlen gibt es nicht, die Dunkelziffer ist groß. Der ADAC schätzt, dass in Deutschland jeder zehnte Unfall auf unzulässige Handy-Nutzung am Steuer zurückzuführen ist. Laut Europäischem Verkehrssicherheitsrat steigt das Unfallrisiko durch die Ablenkung um das 23-fache.

„Die meisten Autofahrer wissen genau, wieso wir sie anhalten. Sie wissen, dass es verboten ist - machen es aber trotzdem“, sagt Polizist Häringer. Regelmäßige Kontrollen könnten helfen, ein Umdenken zu erreichen und so die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Schreibt ein Autofahrer zum Beispiel eine SMS, verlangt dies laut einer Studie der Technischen Universität Braunschweig 70 Prozent seiner Aufmerksamkeit, das Telefonieren rund 62 Prozent.

„Diese Aufmerksamkeit hat er dann nicht für den Straßenverkehr“, sagt Veeser: „Bremst vor ihm ein Fahrzeug ab oder rennt gar ein Kind auf die Straße, reicht es nicht mehr, um zu reagieren.“ Zwei Sekunden Ablenkung bei Tempo 50 bedeuteten mehr als 27 Meter „Blindflug“, also Fahrt ohne Blick des Fahrers auf die Straße.

Fahrer, die mit Handy in der Hand ertappt werden, erhalten von den Polizisten mahnende Worte. Sie müssen 60 Euro Bußgeld bezahlen und bekommen einen Punkt in der Zentralen Verkehrssünderdatei in Flensburg. Kassiert wird bei den Kontrollen meist vor Ort.

„Wir wollen damit erreichen, dass Autofahrer über ihr Verhalten nachdenken“, sagt Häringer: „Die Alternative ist, dass Wochen nach der Kontrolle per Post ein Bußgeldbescheid kommt. Der erzieherische Effekt ist dann weitaus geringer, als wenn direkt nach dem Verstoß bezahlt werden muss.“ Doch abschreckende Wirkung habe die Geldbuße meist nicht, sagen die Beamten. Höhere Strafen würden besser wirken. Zahlen müssen übrigens nicht nur Auto-, sondern auch Radfahrer.

Quelle:  Handelsblatt Online
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