Teststart: 50 Elektroautos in Berlin: Die Mini-Stromer

KommentarTeststart: 50 Elektroautos in Berlin: Die Mini-Stromer

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Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteur Jürgen Rees

50 Berliner haben heute einen elektrisch angetriebenen Mini bekommen, um ihn sechs Monate lang im Alltagsbetrieb auf Herz und Nieren zu testen. Der größte Feldversuch zur Elektromobilität in Deutschland zeigt zwar, dass umweltfreundliches Fahren dank Strom aus erneuerbaren Energien wirklich klappt. Er demonstriert aber auch, dass die Technik von einer Serienreife noch meilenweit entfernt ist.

Denn der Mini protzt zwar mit 204 PS Leistung. Doch die 5088 Batteriezellen des Lithium-Ionen-Akkus brauchen den Platz auf der Rückbank und im Kofferraum, so dass der Mini ein reiner Zweisitzer ist.Nicht nur deswegen wird der Elektro-Mini so nie in Serie gehen. Ihn plagen auch rund 300 Kilogramm Mehrgewicht und seine Höchstgeschwindigkeit ist bei 150 Kilometer pro Stunde abgeriegelt. Das werden die Tester aber vermutlich locker verkraften. Denn dafür verspricht ihr Zweisitzer Fahren zum Spartarif - zumindest wenn man die Leasingrate außer acht lässt: Hersteller BMW rechnet mit Stromkosten von nur etwa zwei Euro pro 100 Kilometer.

Die Hauptstadt wird zwar zum Mekka für Elektroautos. Denn neben BMW und dem Stromkonzern Vattenfall werden Daimler und RWE Ende 2009 rund 100 Elektro-Smarts auf die Straßen der Hauptstadt schicken. Volkswagen plant im Rahmen des von der Bundesregierung geförderten Flottenversuchs Elektromobilität einen Testlauf des Golf Twin Drive. Der Haken an der Testerei: Wann die abgasfreien deutschen Vehikel auch im Laden zu kaufen sind, weiß noch niemand wirklich. Denn die leistungsfähigen Lithium-Ionen-Akkus, die es braucht, um mindestens 100 Kilometer weit fahren zu können, sind richtig kostspielig. Wie teuer zeigt beispielsweise der japanische Hersteller Mitsubishi. Denn während BMW und Co. noch testen, bringt Mitsubishi in diesem Jahr ein Elektro-Auto in Serie - und zwar mit Lithium-Ionen-Akkus. Der i-Miev genannte Kleinwagen soll mindestens 34.000 Euro kosten. Eine Menge Geld für einen Kleinwagen, der nach hundert Kilometern, wenn die Batterie leer gesaugt ist und keine passende Steckdose in der Nähe ist, einfach stehen bleibt.

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Der Strom-Mini ist eine Art Entwicklungshelfer

Der Strom-Mini spielt eine Art Entwicklungshelfer und soll demonstrieren: Wir, die deutschen Autohersteller, sind auch dabei. Der Aufbruch ins Zeitalter der Elektromobile und des umweltbewussten Fahrens steckt noch in den Anfängen. Teure und riesige Batterien, geringe Reichweiten, fehlende Infrastruktur und die Frage nach der Dauerhaltbarkeit der Stromspeicher bremsen die Euphorie. Trotzdem werden die 50 Testfahrer und -fahrerinnen ihren Spaß mit den Mini-Stromern haben: Das Drehmoment des 204 PS-Geschosses ist gewaltig, ist schon direkt nach dem Anfahren verfügbar und reicht, um jeden Ampelspurt auch gegen größere Autos zu gewinnen.

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