Ulrich Hackenberg: "Kampf um die Zeit"

ThemaAuto

InterviewUlrich Hackenberg: "Kampf um die Zeit"

von Matthias Hohensee

Der Audi-Vorstand fordert von der Bundesregierung liberalere Regeln fürs autonome Fahren - und nimmt Google als Wettbewerber sehr ernst.

WirtschaftsWoche: Herr Hackenberg, vergangene Woche fuhr Ihr Robo-Auto namens Jack die 880 Kilometer vom Silicon Valley zur Elektronikmesse CES in Las Vegas. Der Fahrer saß zwar hinter dem Steuer, doch Jack lenkte. Lief alles problemlos?

Ulrich Hackenberg: Für die Mitfahrer war das Spektakulärste, dass alles so normal war. Unser Auto hat sich so verhalten, wie es ein aufmerksamer menschlicher Fahrer auch getan hätte. Etwa auch rechts zu überholen, was in den USA gestattet ist. Niemand hat sich unsicher gefühlt. Das ist wichtig. Autonomes Fahren technisch hinzubekommen ist das eine. Das andere, dass der Mensch sich dabei auch wohl fühlt.

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Was empfinden Sie, wenn Ihnen das Auto das Fahren abnimmt?

Ich bin das gewohnt. Ich vertraue dem System. Und genieße es sogar. Ich kann Dinge tun, die ich im normalen Auto besser ließe – wie das Handy checken.

Audi-Vorstand Ulrich Hackenberg Quelle: Presse

Der Audi-Vorstand, Ulrich Hackenberg, fordert liberale Regeln fürs autonome Fahren.

Bild: Presse

Wann wird Audi Jack anbieten?

Der Vorgänger James, den wir vergangenes Jahr in Las Vegas zeigten, kommt im neuen A8. James kann bis zu 60 Kilometer pro Stunde pilotiert fahren. Also das System steuern, aber der Fahrer sitzt hinter dem Lenkrad und kann jederzeit übernehmen. Jack schafft bis zu 140 Kilometer pro Stunde, ist damit fähig, autobahnübliches Tempo zu fahren. Jack wird als Update voraussichtlich in drei bis dreieinhalb Jahren kommen. Natürlich auch in anderen Modellen.

Brauchen wir künftig noch einen Führerschein?

Ja. Auch in absehbarer Zukunft bleibt die letzte Verantwortung beim Menschen, müssen wir ständig eingreifen können. Die nächste Stufe, das voll automatisierte Fahren, bei dem wir nur noch Passagier sind, ist noch weit weg.

Zur Person

  • Ulrich Hackenberg

    Hackenberg, 64, pendelte in seiner Karriere ständig zwischen Ingolstadt und Wolfsburg. Seit 2013 hat der promovierte Ingenieur in beiden Städten Jobs: Als Technik-Vorstand bei Audi verantwortet er Assistenzsysteme wie James und Jack, zugleich steuert er die Technikentwicklung des VW-Konzerns.

Wie weit?

Ich denke, das wird in Etappen kommen und streckenabhängig sein. Auf der Autobahn etwa könnte es schon in fünf bis zehn Jahren so weit sein, weil dort der Verkehr stark reglementiert ist und die Störgrößen so überschaubar sind. In der Stadt hingegen ist alles viel komplexer, auch rechtlich. Da reden wir über mehr als zehn Jahre.

Was sind die größten Hürden fürs Robo-Fahren: technische oder regulatorische?

Die technischen Komponenten sind prinzipiell alle vorhanden oder definiert. Hard-und Software werden ständig besser. Wir meinen die Behörden überzeugen zu können, dass pilotiertes und vollautonomes Fahren im Sinne der Verkehrssicherheit sinnvoll sind. Einige Länder werden die nötigen Gesetze rascher beschließen, etwa die USA und China. Auch Großbritannien ist offener. Vor allem weil der Staat hofft, vor Ort technische Kompetenz aufzubauen.

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