Umwelt: Elektro-Antrieb: Autos mit langer Leine

Umwelt: Elektro-Antrieb: Autos mit langer Leine

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Der Golf Twin Drive mit einem Plug-In-Hybridantrieb - ein "Flottenversuch Elektromobilität". Die Elektromotoren der Testflotte sollen mit regenerativ erzeugtem Strom angetrieben werden, damit auch die CO2-Bilanz stimmt

Der Stein der Weisen ist gefunden: das Elektroauto. Stromerzeuger und Autoindustrie, Politiker und Umweltverbände sind zufrieden. Da kann Otto Normalverbraucher beruhigt denken: "Alles wird gut. Hauptsache, ich kann weiter Auto fahren!" Ob's so einfach geht, soll der erste deutsche Elektro-Mobil-Kongress zeigen, der heute in Bonn gestartet ist.

NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben hat die Staatskasse geöffnet: 60 Millionen Euro an Landesfördermitteln stehen für den Wettbewerb "Mobile Zukunft - Elektromobilität in Nordrhein-Westfalen" bereit. Gesucht werden innovative und zukunftsträchtige Ideen rund um die Themen Batterie- und Fahrzeugentwicklung, Infrastruktur (Stromtankstellen) und Netze (Laden der Batterien). Der Rest klingt dann schon eher weniger spektakulär: Da ist von "Gestaltung von Rahmenbedingungen (Leasingmodelle)" sowie von "Standards und Normen". Die braucht es natürlich auch. Wir leben schließlich in Deutschland! Interessierte Unternehmen, Forschungsinstitute und kommunale Einrichtungen des Landes können ihre Projektideen bis zum 24. September einreichen.

Das Ziel der Landesregierung ist ehrgeizig: "Wir wollen Nordrhein-Westfalen zur ersten großräumigen Modellregion Europas machen und bis 2020 mindestens 250.000 zukunftsfähige Fahrzeuge mit elektrischem Antriebsstrang auf die Straße bringen", sagt Thoben. "Elektrische Antriebe werden uns dabei helfen unsere Probleme bei der Luftreinhaltung zu lösen und die Lärmbelastung zu reduzieren." Nordrhein-Westfalen ist das bevölkerungsreichste Bundesland mit der höchsten Verkehrsdichte.

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Mit dem Wettbewerb ergänzt die Landesregierung NRW die Förderaktivitäten des Bundesverkehrsministeriums. Die Berliner wollen aus Mitteln des Konjunkturpakets II acht "Modellregionen für Elektromobilität" mit insgesamt 115 Millionen Euro unterstützen, darunter die Modellregion Rhein-Ruhr mit den zusätzlichen Schwerpunkten Aachen und Münster.

Auf dem ersten deutschen Elektro-Mobil-Kongress, der am heute und morgen im Plenarsaal des ehemaligen Bundestags in Bonn stattfindet, suchen die Vertreter der Autoindustrie, Elektroindustrie und Energieversorger, Wissenschaftler, Politiker und Ökologen gemeinsam zukunftstaugliche Lösungen für die Mobilität von morgen. Dabei geht es zum einen um die technischen Herausforderungen wie beispielsweise um die Suche nach leistungsfähigen Energiespeichern, zum anderen werden  die infrastrukturellen Rahmenbedingungen für die breite Durchsetzung des Landes mit Elektromobilen sowie innovative Geschäftsmodelle erörtert.

Große technische Herausforderung

Und die Herausforderungen an Ingenieure und Techniker sind noch groß: Elektroautos taugen bislang nur als Transportmittel im Nahbereich. Wann es die Reiselimousine mit Elektromotor geben wird, steht in den Sternen. Elektromotoren für Lastwagen im Fernverkehr stehen auch noch auf der Wunschliste von Ingenieuren, Umweltaktivisten und Politikern. Tatsache ist jedoch, dass innerhalb der nächsten zehn Jahre die Öl-Produktion geologisch bedingt immer teurer wird - noch bevor flächendeckend Elektroautos überhaupt eingeführt werden können. Dies dürfte die Mobilität der Menschen wesentlich beschränken.

Das größte Problem ist noch immer die Batterie: "Technisch ist das noch nicht gelöst", sagt Thorsten Mietzel, Ingenieur an der Universität Duisburg-Essen, der zu dem Thema forscht. Eine Lithium-Ionen-Batterie reiche derzeit für rund 100 Kilometer. Auch der Preis dürfte viele Interessenten zurzeit noch davon abhalten, ein Elektroauto zu kaufen: "15.000 Euro kostet eine Batterie", erklärt Mietzel. Dabei bekommt der potenzielle Käufer bereits ein ganzes Auto - mit Verbrennungsmotor. Hinzu kommt: Die größten Lithium-Vorkommen für die Batterien befinden sich in China.

Die Universität Duisburg-Essen, an der Mietzel tätig ist, hat kürzlich ein Institut zur Förderung umweltfreundlicher Autotechnologien gegründet. Schwerpunkte des ÖkoGlobe-Instituts sind Nachhaltigkeit und Elektromobilität. Geleitet wird die neue Einrichtung vom Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer gemeinsam mit dem Aktionskünstler HA Schult. Und weil auch Forscher einen Anreiz brauchen und nicht nur des Forschens wegen tüfteln, will das Institut jährlich einen Preis für umweltfreundliche Autos ausschreiben.

Japan schon weiter

Auch Umweltschützer sind nicht mit dem Elektroauto nicht wirklich glücklich, denn der Antriebsstrom wird überwiegend nicht regenerativ erzeugt. Daher ist auch die CO2-Emission des E-Mobils kaum geringer als der fossile Antrieb. Denn in der Bilanz zählt natürlich nicht nur die Null-Emission des Autos sehen, sondern auch die der Stromerzeugung.

In Fernost sind die Forscher offenbar schon einen Schritt weiter: Der japanische Autobauer Mitsubishi Motors verkauft das weltweit erste Elektroauto für den Massenmarkt für umgerechnet 33.300 Euro (4,6 Millionen Yen). Damit ist der i-MiEV zwar etwas billiger als ein konkurrierendes Modell von Fuji Heavy Industries, jedoch immer noch mehr als doppelt so teuer wie die beliebten Hybrid-Autos. Der i-MiEV soll ebenso wie der Subaru Plug-In Stella von Fuji Heavy ab Juli an einheimische Flottenkunden verkauft werden.

Ab April kommenden Jahres soll der i-MiEV auch für andere Kunden erhältlich sein. Im laufenden Geschäftsjahr bis Ende März will Mitsubishi 1400 i-MiEVs verkaufen. Obwohl das Elektroauto von der Regierung mit Subventionen von bis zu rund 10.100 Euro und Steuererleichterungen von mehr als 900 Euro gefördert wird, dürfte der i-MiEV für die meisten Kunden immer noch zu teuer sein.

Das Auto solle daher sobald wie möglich für weniger als zwei Millionen Yen (rund 14.500 Euro) angeboten werden, sagte Mitsubishi-Motors-Präsident Osamu Masuko. Einen Termin nannte er jedoch nicht. Weltweit arbeiten Autohersteller derzeit an der Entwicklung von Elektroautos. Diese stoßen zwar keine Abgase aus, sind in der Herstellung aber deutlich teurer als Hybridautos.

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