Umwelthilfe klagt: Wie VW den Phaeton grüner anstrich

Umwelthilfe klagt: Wie VW den Phaeton grüner anstrich

, aktualisiert 08. Dezember 2011, 09:12 Uhr
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Fabrikneuer VW Phaeton in der Gläsernen Manufaktur in Dresden. Bislang gingen rund 4.000 der Oberklasse-Limousinen nach China.

von Frank G. HeideQuelle:Handelsblatt Online

Kaum sind die neuen Effizienzklassen für Neuwagen eingeführt, da steht erster Ärger an. Die Deutsche Umwelthilfe greift VW an. Angeblich haben die Wolfsburger eine eigene Klasse "H" erfunden - extra für den Phaeton.

Düsseldorf/WolfsburgVW sitzen die Umweltschützer im Nacken. Erst der Ärger mit Greenpeace, jetzt auch noch die Deutsche Umwelthilfe. Deren Geschäftsführer, Jürgen Resch, ist empört und nennt das, was Volkswagen im Rahmen seines Fahrzeug-Konfigurators im Internet macht, eine "dreiste Verbrauchertäuschung." Der Vorwurf: Mit einer selbst erfundenen zusätzlichen Energieeffizienzklasse "H" versuche Volkswagen Modelle mit extremen Spritverbräuchen etwas grüner zu waschen, heißt es bei der DUH.

So lande im Internetauftritt von VW der Phaeton mit 4,2-Liter Benzinmotor (246 kW / 335 PS; kombiniert 12,5 l/100km / 290 g CO2/km) mit der Energieeffizienzklasse "G" optisch nicht auf dem letzten Platz, sondern auf dem vorletzten. Dies gelinge dem Modell aber nur, so der Vorwurf, weil die gesetzliche Tabelle mit der Klasse G ende, und VW "eine zusätzliche Klasse H erfunden habe".

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Der Hintergrund: Seit dem 1. Dezember schreibt der Gesetzgeber analog zu den bekannten Energieeffizienzetiketten für Haushaltsgroßgeräte und Fernseher die Kennzeichnung neuer PKW mit einer entsprechenden Effizienzskala vor. Das Label weist Neuwagen abhängig von ihrem CO2-Ausstoß (bzw. Kraftstoffverbrauch) und Gewicht auf einer Farbskala Effizienzklassen von grünes A+ (effizient) bis rotes G (ineffizient) zu.

Die DUH monierte, dass VW "Extrem-Spritschlucker" wie den Benziner-Phaeton um einen Platz von der roten Laterne der Klimaschädlichkeit wegrücke: Mit der Verzerrung der Effizienztabelle versuche der Konzern die insgesamt schlechte Energieeffizienz vieler seiner Modelle zu relativieren, so DUH-Geschäftsführer Resch. Die Darstellung von Volkswagen, die der Umweltclub am 7.12. auch per Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung verhindern will, entspräche nicht den Vorgaben der neuen Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung für PKW (kurz PKW-EnVKV), nach der die Skala mit der Effizienzklasse G endet.

Nach Angaben des DUH ist die fehlerhafte Grafik auf der online Hauptseite des Automobilherstellers unter der Rubrik Modelle (Modell auswählen - Phaeton) > Ausstattungsvarianten > Mehr Details > Technische Daten zu finden. Doch das ganze könnte sich rasch als Sturm im Wasserglas entpuppen: Heute am frühen Nachmittag fand sich im Konfigurator für den Phaeton mit der 4,2-Liter-Motorisierung schon die korrekte Skala, die mit G endete.

VW weist Vorwürfe zurück

Bei Volkswagen hieß es zu den Vorwürfen, die bis "H" reichende Skala sei ein bedauerlicher Irrtum, den man ausdrücklich bedaure und der ausschließlich vorübergehend im Online-Konfigurator aufgetreten sei. VW-Sprecher Peter Weisheit sagte gegenüber Handelsblatt Online: "In den Showrooms, bei den Händlern sind alle Fahrzeug nach Effizienzklassen korrekt ausgewiesen, auf einer Skala, die bei G endet." Wie es zu dem technischen Versehen gekommen sei, werde derzeit untersucht.

Den Vorwurf einer geplanten Umetikettierung des Phaeton und weise der Konzern scharf zurück, sagte Weisheit. Gegen diese Theorie des DUH einer bewussten Verbrauchertäuschung durch Besserstellung des Phaeton spräche auch, dass von dem Irrtum auch andere Modelle im Internet-Konfigurator, wie beispielsweise der Polo, vorübergehend betroffen waren.

Experten kritisieren das am 1. Dezember eingeführte neue Energielabel schon seit Monaten auch grundsätzlich, weil es schwere und stark motorisierte Fahrzeuge gegenüber Spritsparern systematisch begünstigt. Im Ergebnis komme es dadurch zu Fehlanreizen, weil Autokunden zum Kauf schwerer und hoch motorisierter Pkw animiert werden, denen eine günstigere Energieeffizienz bescheinigt würde als leichteren Kleinwagen mit geringerem Kraftstoffverbrauch und entsprechend niedrigerem CO2-Ausstoß, argumentieren Kritiker.

So erhält beispielsweise ein Audi Q7 Geländewagen mit CO2-Emissionen von knapp 200 Gramm pro Kilometer (g CO2/km) eine hellgrüne B-Kennzeichnung, während ein Smart oder Polo mit Emissionen von weniger als 90 g CO2/km mit einem gelben C vorlieb nehmen muss.

Auch mit Greenpeace stritt Volkswagen heute erneut. Der Konzern sagte ein Treffen mit Vertretern der Umweltschutzorganisation ab, das für Mittwoch kommende Woche geplant war. VW begründete dies mit der Protestaktion, die Greenpeace am Dienstag vor dem Stammwerk in Wolfsburg startete. Der Konzern wurde dabei erneut als Klimasünder angegriffen. „Wir hätten uns sehr über das Treffen gefreut, weil uns der Dialog mit Greenpeace und auch anderen Umweltorganisationen ein wichtiges Anliegen ist“, sagte ein Sprecher. In „dieser Atmosphäre“ seien aber keine konstruktiven Gespräche zu erwarten.


Quelle:  Handelsblatt Online
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